Microlino verschiebt Auslieferung

Microlino verschiebt Auslieferung

Wegen Unstimmigkeiten mit seinem deutschen Auftragsfertiger TMI zögert das Schweizer Familienunternehmen Microlino die Übergabe seines elektrischen Kabinenrollers an die ersten Kunden hinaus.

Elektroautos | Von Lothar Kuhn |

Es sind ungewöhnnlich deutliche Worte, die Wim Ouboter wählt: "Der aktuelle Entwicklungsstand entspricht unseren Qualitätsstandard noch nicht". Dem Gründer und Chef der Schweizer Microlino AG ist die Verärgerung in jeder Zeile der Pressemitteilung anzumerken. "Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Auslieferungsstart zu verzögern", erklärt er. Damit rollt der knuffige Microlino im Retrodesign der Kabinenroller aus den Fünfziger Jahren erst später als ursprünglich geplant zu den Kunden. Eigentlich wollten die Eidgenossen ihr E-Gefährt bereits ab April ausgeliefert haben. Ein genaues Datum, wann jetzt die Auslieferung starten soll, gaben sie bisher nicht bekannt.

Ouboter nennt auch einen klaren Verantwortlichen für die Verzögerung - Klaus Frers. Er ist der neue Eigentümer der TMI, die den Microlino für die Schweizer bauen soll. "Wir sind in diversen Punkten" mit ihm nicht einig, sagt Ouboter. Es gehe vor allem um Qualitätsanforderungen und des Entwicklung des Zweisitzers. Er wolle TMI "mehr Zeit zu geben, die Entwicklung abzuschliessen und den Microlino kundentauglich zu machen."

Wim Ouboter arbeitet bereits seit 2015 mit seinen Söhnen Oliver und Merlin an dem Leichtfahrzeug. Die Familie hatte bereits länger mit TMI kooperiert. Das Unternehmen gehörte ursprünglich zur italienischen Tazzari-Gruppe und hat unter eigenem Namen elektrische Stadtautos gebaut. Im November 2018 hat dann das deutsche Unternehmen Artega, mit dessen Besitzer Klaus Frers an der Spitze, TMI übernommen und die Produktion des Microlino ins westfälische Delbrück verlegt. Dabei "ging viel Know-How verloren, da kein Einziger der ehemaligen Mitarbeiter und Manager mehr bei TMI tätig ist “, klagt Ouboter.

Bereits 15.000 Vorbestellungen

Frers ist durchaus kein Unbekannter in der Automobilbranche. Er hat 2006 Artega gegründet und den gleichnamigen Sportwagen GT in Kleinserie produziert. Nach zwischenzeitlicher Insolvenz arbeitet er heute an einer elektrischen Version des Artega. Gleichzeitig ist Frers Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferer Paragon und Aufsichtsratsvorsitzender des Batteriespezialisten Voltabox.

„Wir haben uns Artega als neuen Partner zwar nicht ausgesucht, versuchen aber trotzdem das Beste daraus zu machen, obwohl durch diesen Wechsel viel Zeit verloren ging", sagt Oliver Ouboter, der sich als COO vor allem um das Tagesgeschäft kümmert. Immerhin 15.000 Kunden haben bereits einen Microlino vorbestellt, allerdings ohne eine Anzahlung zu leisten.

Noch in diesem Mai wollen die Ouboters den Konfigurator für den Microlino freischalten. Dann erhalten die Vorbesteller einen Code, der ihnen eine bevorzugte Auslieferung ermöglicht. Und Interessierte können dann ihr Fahrzeug konfiguieren. Für Merlin Ouboter, der das Marketing verantwortet, ein wichtiger Schritt: "Dies hilft uns in der Produktionsplanung, damit wir Teile vorbestellen und so schnell wie möglich die Fertigung hochfahren können."

Angesichts der Verzögerung befinden sich die Ouboters in bester Gesellschaft: Nicht nur Tesla musste mehrmals die Auslieferung seines Model 3 verschieben, auch Start-ups wie E.Go Mobile aus Aachen oder Sono Motors aus München und selbst Konzerne wie Volkswagen kämpfen mit Lieferproblemen.

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