Sion wird ein Schwede

Sion wird ein Schwede

Sono Motors wird sein erstes Elektromobil im ehemaligen Saab-Werk Trollhättan bauen. Die Produktion im Werk des Auftragsfertigers National Electric Vehicle Sweden (NEVS) startet im Spätsommer 2020, wie das Münchner Start-up jetzt bekannt gab - ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Elektroautos | Von Franz W. Rother |

Trollhättan? Da war doch was. Richtig: In der Stadt in Västergotland hat zwischen 1947 und 2010 erst der schwedische Flugzeughersteller und Rüstungskonzern Saab, später dann General Motors Autos der besonderen Art konstruiert und produziert. Kuriose Fahrzeuge wie den Saab 92 von 1949, mit einer tropfenförmigen Karosserie aus dem Flugzeugbau und einem knatternden Zweitakter von DKW unter der Motorhaube. Oder das Konzeptauto Saab EV-1 von 1985: Das für damalige Verhältnisse futuristische Sportcoupe verfügte über eine Karosserie aus Fieberglas und wurde von einem PS-starken Turbomotor angetrieben. Aber auf dem Glasdach saßen immerhin 66 Solarzellen, die den Strom für die Klimatisierung des rollenden Treibhauses liefern sollten.

Lang, lang, ist's her. 2010 ging Saab Automobile Pleite, endete die Automobilproduktion in Trollhättan, 75 Kilometer nördlich von Göteborg. Doch nun rührt sich wieder Leben in dem alten Automobilwerk, das 2012 von dem neugegründeten schwedisch-chinesischen Unternehmen National Electric Vehicle Sweden (NEVS) übernommen wurde. Heute gab das Münchner Startup Sono Motors bekannt, dass die erste Generation des elektrischen Kompaktwagens Sion bei NEVS gefertigt werden soll: Wie schon der Saab EV-1 will auch der Sion einen Teil des benötigten Stroms mit Hilfe von kleinen Solarpanels gewinnen und in die Batterie einspeisen.

Der Sion ist erst der Anfang

Los geht es in Trollhättan "im zweiten Halbjahr 2020", wie Thomas Hausch, der COO von Sono Motors, im Gespräch mit EDISON ankündigte. "Wir haben da ein Werk gefunden, in dem wir in einem Zweischichtbetrieb bis zu 43.000 Autos im Jahr herstellen können, das logistisch sehr gut zu erreichen ist und uns obendrein viel Platz zum Atmen lässt - es soll ja nicht beim Sion bleiben", begründet Hausch die Partner- und Standortwahl. Sono Motors-Gründer Laurin Hahn war es auch wichtig, dass nicht nur die betriebswirtschaftlichen Bedingungen stimmen, sondern dass der Auftragsfertiger auch die Leitlinien seines Unternehmens teilt: Mit einer ressourcenschonenden, nachhaltigen Fertigung und einer umweltfreundlichen Energieversorgung - und, na klar, den gleichen hohen Qualitätsansprüchen. Bei NEVS habe das alles gepasst. Obendrein plane NEVS, an dem der chinesische Mischkonzern Evergrand 51 Prozent hält, wie Sono Motors den Aufbau einer Flotte elektrisch angetriebener Fahrzeugen für Carsharing-Angebote. Hahn: "Wir teilen auch die gleiche Vision von der Mobilität der Zukunft." Das klingt fast schon so, als ob mehr daraus werden könnte.

"Aggressiver Preis"

So weit, so gut also. Aber sollte die Produktion nicht eigentlich schon in diesem Jahr anlaufen? Richtig, räumt Hausch ein. "Aber das ist das erste Mal, dass wir die Zeitschiene ändern mussten." Aufgrund "ökonomischer wie ökologischer sowie logistischer Aspekte" hätte der ursprüngliche Zeitplan nicht gehalten werden können, deshalb habe man sich auch mit Rücksicht auf den Partner für die Verlegung des SOP (Start of Production) entschieden. Die Batterie für den Sion mit einer Speicherkapazität von 35 Kilowattstunden liefert Elring Klinger, Continental den Elektromotor mit 120 Kilowatt Leistung, Bosch die Steuergeräte - die Zuliefererstruktur ist hochkomplex, zumal Elring Klinger selbst die Batteriezellen aus China bezieht. Darüber und auch über Kostenaspekten ist der Zeitplan ein wenig ins Wanken geraten.

Zumal es dem ehemaligen Daimler- und Nissan-Manager Hausch wichtig war, den "aggressiven" Preis für das Fahrzeug samt Batterie von 25.500 Euro zu halten - eine nochmalige Preiserhöhung (angepeilt war mal ein Gesamtpreis von 20.000 Euro) hätte die Sion-Community wohl nicht goutiert. Aktuell haben 9800 Menschen bei Sono Motors einen Sion reserviert und auch bereits wenigstens 500 Euro angezahlt. Abgesprungen ist wegen des erhöhten Batteriepreises angeblich kaum jemand. Hausch freut sich darüber, wundert sich darüber auch nicht: "Wir sind damit immer noch um etwa 12.000 Euro günstiger als unsere Wettbewerber" - vom Kaliber etwa eines Nissan Leaf (ab 36.800 Euro). Hausch: "Aber eigentlich haben wir keine Wettbewerber, die ein Elektroauto mit einem ähnlichen Platzangebot wie ein VW Golf Plus anbieten."

Schwarz und bloß nichts anderes

Die Verantwortlichen von Sono Motors hoffen, dass ähnlich wie nach der Bekanntgabe des finalen Designs vor einigen Wochen mit der Bekanntgabe des Produktionspartners noch einmal ein Ruck durch die Community geht und die Zahl der Reservierungen sprunghaft steigt. Und noch eine Botschaft hatte der Leaf-Fahrer Hausch: Den Sion wird auch weiterhin in allen Farben zu haben - "sofern es Schwarz ist." Nach dem gleichen Prinzip hatte seinerzeit Henry Ford die Produktionskosten für das Model T niedrig gehalten. Im Unterschied zu dem Auto der Frühzeit braucht der Sion aber nicht einmal eine Lackiererei, da die Karosserie aus durchgefärbtem Kunststoff bestehen wird. Das spart dem Unternehmen nicht nur Fertigungskosten, sondern erspart dem Klima nebenbei auch jede Menge Kohlendioxid-Emissionen.

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