Panama: Öko-Urlaub mit indigener Hilfe

Panama: Öko-Urlaub mit indigener Hilfe

Oh, wie schön ist Panama: Vor 18 Jahren verliebte sich der Belgier Michel Natalis in eine kleine Karibikinsel vor dem mittelamerikanischen Land. Heute ist diese eine Blaupause für grünen Tourismus.

Reisen | Von Rebecca Schirge |

Es ist ein tropisch heißer Tag in Panama. Kaum hat das Boot abgelegt, tut sich vor uns eine Welt auf, in der Wassertaxis das einzige Transportmittel sind. Denn das karibische Archipel von Bocas del Toro besteht aus sechs Inseln, zahlreichen Atollen und Sandbänken. Wir blicken auf türkisfarbenes Wasser, das so klar ist, dass man bis auf den Grund hinabschauen kann. Hinter uns werden die fröhlich-bunten Stelzenhäuser vom quirligen Touristenort Bocas Town langsam kleiner.

Nach etwa 45 Minuten Fahrt haben wir unser Ziel erreicht: das Al Natural Resort auf der Isla Bastimientos. Die Insel ist Teil des gleichnamigen Meeresnationalparks, der 1988 zum Schutz der größten Korallenriffe und Mangrovensümpfe des Landes eingerichtet wurde. Hier im Osten der Insel hat Michel Natalis ein kleines Paradies erschaffen – das zudem ein Vorzeige-Projekt in Sachen Öko-Tourismus ist. "Al Natural" – das bedeutet übersetzt "auf natürliche Weise", erklärt uns Michel Natalis, der das Eco-Resort vor 18 Jahren gegründet hat. Der Name ist Programm, denn Natalis ist es wichtig, dass auch seine Gäste im Einklang mit der Natur und den Einheimischen leben.

Einen Blick ins "Al Natural" erhalten Sie in der Bildergalerie:

Traditionelles Handwerk bewahren

Sieben Bungalows hat er nach und nach am karibisch schönen Strand von Bastimientos errichtet, jeder von ihnen wurde komplett aus Holz und anderen lokalen Materialien wie Palmenblättern gebaut. "Ich wollte diese unbedingt im Stil der 'Natural architecture' designen", erzählt der studierte Jurist, der ursprünglich aus Lüttich stammt. "In Harmonie mit den Menschen, der Landschaft und der lokalen Kultur." Denn insbesondere Letzteres sei ja eines der wichtigsten Ziele von Öko-Tourismus.

Damit das gelingen konnte, holte sich Natalis Hilfe bei Einheimischen – dem indigenen Volk der Ngöbe-Buglé. Ihre traditionelle Handwerkskunst wurde zum Vorbild jeder einzelnen Hütte und dem Restaurant mit Bar. "Sie zeigten mir ihre speziellen Flecht- und Schnitztechniken, auch beim Thema natürliche Insektenabwehr konnte ich viel von ihnen lernen, zum Beispiel, dass es wichtig ist, die Stelzen der Häuser mit kleinen Wassergräben zu umranden, denn diese können die Termiten nicht überwinden."

Naturnah schlafen ohne Termiten

Direkt hinter dem Strand des Resorts beginnt der Dschungel, in dem – neben Vögeln, Faultieren, Boas, Echsen und Affen – auch zahlreiche Insekten leben. Und da die Bungalows weder Fenster noch Türen haben, sorgt das für die Gäste für ein wenig Abenteuerfeeling, schließlich kann jederzeit ein tierischer Besucher im Zimmer vorbeischauen. "A magical place in complete harmony with nature" lautet das Credo des Eco-Resorts. "Falls dieses irgendwann mal schließt, soll es keine Spuren hinterlassen", sagt Natalis, "alle Gebäude werden sich dann ganz natürlich zersetzen, so wie ein Baum."

Auch das Thema Plastikvermeidung ist für ihn wichtig. So finden die Gäste in ihren Bungalows wiederauffüllbare Trinkflaschen und Shampoo- und Seifenbehälter vor. Wer nach ausgedehnten Kajak-, Tauch- oder Schnorcheltouren um 19 Uhr zur Cocktail-Happy-Hour an der Bar erscheint, bekommt das Getränk mit Metall-Strohalm serviert. "Diese habe ich lange gesucht und dann in New York gefunden", erzählt Michel Natalis.

Besonders stolz ist der 55-Jährige auf sein selbstkonstruiertes Wasserversorgungssystem, das aus zwei Kreisläufen besteht: Das Regenwasser wird aufgefangen, in einem speziellen Tank gesammelt und als Duschwasser für die Bungalows verwendet. Überschüssiges Regenwasser wird in ein zweites Tanksystem geleitet und für die Toilettenspülung genutzt. Dieses System ist außerdem an einen Brunnen gekoppelt, der in Trockenperioden zusätzliches Wasser liefert.

Bedrohung durch steigenden Meeresspiegel

Für Strom sorgen Solarpanels und Batterien, in denen überschüssige Energie gespeichert wird. "Die ersten Solarpanels habe ich damals in meinem Reisekoffer hierher transportiert", erinnert sich Natalis. Reicht der Strom aus diesen nicht aus, kann ein Stromgenerator zugeschaltet werden. Doch dazu kommt es nur selten, denn der Energieverbrauch des Resorts ist niedrig. Nicht einmal Steckdosen gibt es in den Bungalows, einzig eine kleine USB-Ladestation. Auch auf WLAN wurde bewusst verzichtet, schließlich sollen die Gäste das Dschungel-Ambiente genießen. Und wer braucht schon Internet, wenn er aus seiner hütteneigenen Hängematte den Blick aufs karibische Meer genießen kann?

Sorgen bereitet Natalis derzeit der steigende Meeresspiegel, zehn Meter des ursprünglichen Strandes sind ihm bereits verloren gegangen. "Wir haben das Ufer daher kürzlich mit Steinwällen befestigt", erzählt er. Falls auch diese eines Tages geflutet werden, wird er neue Bungalows bauen müssen. "Die Folgen des Klimawandels kann man hier mit eigenen Augen sehen", sagt er. Aufzugeben käme für ihn jedoch vorerst nicht infrage.

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