Klima: Künstlicher Berg soll CO2 schlucken

Klima: Künstlicher Berg soll CO2 schlucken

Mitten in der norditalienischen Industriestadt Turin will der Architekt Angelo Renna einen künstlichen Hügel aufschütten. Der soll Kohlendioxid aus der Atmosphäre holen - und zugleich ein Erholungspark für die Bürger werden.

Klima | Von Matthias Lauerer |

Sponge Mountain - Schwammberg: Auf diesen Namen hört der Vorschlag des italienischen Architekten Angelo Renna, der in Amsterdam lebt. Er möchte in Turin einen 90 Meter hohen Hügel aufschütten, der Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt und so hilft, die Erderwärmung durch das Treibhausgas zu verlangsamen. Für das Aufschütten des künstlichen Berges will Renna den Bodenaushub verwenden, der beim Bau der neuen Schnellbahntrasse zwischen Lyon und Turin anfällt. Sechs Millionen Tonnen Boden stünden dann bereit. Eigentlich Abfall. „Das ist eine unglaubliche Menge an Verschwendung“, sagte Renna dem „Lonely Planet“.

Der Schwammpark könnte nicht nur das Kohlendioxid aus der Luft saugen, sondern auch den Bürgern als gewaltiger Erholungspark dienen. Renna sagt, dass der künstliche Berg bis zu 85 Tonnen CO2 in anorganischer Form pro Hektar und Jahr aufnehmen könnte. Dem Architekten zufolge schafft ein Hektar Regenwald nur fünf Tonnen pro Hektar und Jahr. Was hinzukommt: Turin gilt als eine der Städte Europas mit der höchsten Luftverschmutzung - bedingt auch durch die geografische Lage in der Po-Ebene. Da könnte eine neue grüne Lunge helfen.

Neues Wahrzeichen für die Stadt?

Geowissenschaftler, Ingenieure und Ökologen untersuchen gemeinsam mit Designern, wie der Bodenaushub optimiert werden müsste, um das Kohlendioxid, besonders in einem städtischen Gebiet wie Turin, verstärkt aufzunehmen. „Die oberen Bodenschichten, etwa 10 bis 15 Zentimeter, sollen aus einer Mischung aus Sand und Beton bestehen, die in der Lage ist, Kohlendioxid in anorganischer Form zu binden.“ Kohlendioxid löst sich in Wasser als Kohlensäure und kann dann mit Calcium aus Gestein zu Kalk reagieren.

Der Architekt entwickelte sein Projekt übrigens für das Forschungsprojekt Success der britischen Universität Newcastle. Das Vorhaben untersucht, wie sich die Fähigkeit von Böden, CO2 zu speichern, erhöhen lässt. Mit im Boot sitzt das britische Engineering and Physical Sciences Research Council.

Konzepte wie das in Turin sind eines von vielen Geo-Engineering-Projekten, die Wissenschaftler angehen, um die Probleme des Anthropozän zu lösen. Denn so nennen die Forscher mittlerweile die Zeit, in der wir heute leben – und in der wir Menschen Umwelt und Klima des Planeten tiefgreifend verändert haben. Ideen wie die von Renna gibt es mehr und mehr. Einige wollen Gase in die Stratosphäre blasen, um so den kühlenden Effekt eines Vulkanausbruchs nachzuahmen. Und bereits vor sieben Jahren schuf der italienische Architekt Luciano Pia einen Apartmentkomplex, der wie eine städtische Oase aussieht. Das Gebäude besteht aus mehr als 200 Bäumen und vielen Pflanzen, die angeblich stündlich gut 200.000 Liter Kohlendioxid aus der Luft filtern – und so für reine Luft sorgen. Ein Landsmann von ihm plant in China eine ganze Waldststadt.

Das Sponge-Mountain-Projekt könnte Turin helfen, weiter zu expandieren und die Urbanisierung voranzutreiben, ohne die Umwelt weiter zu belasten. Und der künstliche Berg könnte sogar zum neuen, grünen Wahrzeichen der Stadt werden.

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