VW öffnet Elektro-Plattform für die Konkurrenz

VW öffnet Elektro-Plattform für die Konkurrenz

Volkswagen will seinen Elektro-Baukasten als Industriestandard etablieren. Deshalb sind die Wolfsburger auch bereit, die Technik mit Wettbewerbern zu teilen.

Elektroautos | Von Sebastian Schaal |

Mit markigen Sprüchen hat sich Volkswagen bislang nicht zurückgehalten, wenn es um die Premiere der elektrischen ID.-Baureihe geht. "Wir wollen mit unseren Elektroautos einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der ID. wird ein Vorbild in Sachen nachhaltige Mobilität sein", sagte etwa Thomas Ulbrich, Vorstand für E-Mobilität.

Doch das, was VW jetzt angekündigt hat, ist ein ungewöhnlicher Schritt bei einem solchen Prestige-Objekt: Einem Medienbericht zufolge will der Autobauer seine Produktionsplattform für Elektroautos auch Wettbewerbern anbieten. So soll die Technik als Industriestandard für Elektroautos etabliert werden. "Unser Baukastensystem für Elektroautos – der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) – soll ein Standard nicht nur für den VW-Konzern sein", sagte Michael Jost, Strategiechef der Kernmarke VW, dem Tagesspiegel. Mit einigen Wettbewerbern, vor allem im Volumensegment, befinde man sich in "fortgeschrittenen Gesprächen".

Der MEB soll eine modulare Plattform für Elektroautos bieten. Sämtliche Antriebskomponenten, wie etwa die Batterie, der Elektromotor und die Leistungselektronik sind in einem flachen Skateboard verbaut, an dem auch das Fahrwerk montiert wird. Auf diesen fahrfertigen Untersatz wird dann das eigentliche Auto mit dem Innenraum – in der VW-Sprache "Hut" genannt – aufgesetzt. So können auf denselben Unterbau sehr einfach Hüte von VW, Skoda, Seat oder sogar Audi gesetzt werden – mit dem jeweiligen Anspruch der Marke. Aber auch im Skateboard kann es Unterschiede geben – nicht nur was Leistung und Batteriekapazität angeht, sondern auch bei der Abstimmung des Fahrwerks.

"Das ist ein Paradigmenwechsel für uns", sagte Jost. "Wir haben keinen Elitenplan, sondern einen Plan für die Gesellschaft." Der Autobauer sei bei Kosten und Skalierbarkeit "Champion in der Branche". Als wahrscheinlich gilt anderen Berichten zufolge eine Zusammenarbeit mit dem US-Autobauer Ford. Die beiden Konzerne hatten auf der CES Anfang Januar eine "globale Allianz" verkündet, die sich zunächst auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pick-ups erstreckt. Bei den Themen selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos ist man sich bislang wohl nicht einig geworden, die Allianz kann aber später um diese Themen erweitert werden.

Unklar sind allerdings die genauen Modalitäten einer Übernahme der Elektroauto-Technik. Bei dem möglichen Ford-Deal soll dem Vernehmen nach VW-Chef Herbert Diess darauf bestanden haben, dass Volkswagen zwei Jahre Vorsprung bekomme. Das erste Auto auf MEB-Basis, der ID. Neo, wird diesen Sommer vorgestellt und soll 2020 auf den Markt kommen – zu Preisen ab 25.000 Euro. Ein Ford mit MEB-Technik könnte also frühestens ab 2022 verkauft werden.

In dem Interview bestätigte Jost auch, dass später noch ein preiswerteres Einstiegsmodell folgen soll. "Ab 2023, spätestens 2024, werden wir auch ein E-Modell in der Größe eines T-Roc für unter 20.000 Euro auf den Markt bringen", sagte der Strategiechef.

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