Meine Mama, die Ladesäulen und ich

Meine Mama, die Ladesäulen und ich

Mit dem Elektroauto hat unsere Familie schon einige Abenteuer erlebt. Inzwischen ist meine Mutter Profi-Elektroautofahrerin – mit ein wenig Unterstützung von meinen Geschwistern und mir.

Von Franziska Steffani

Franziska Steffani ist 16 Jahre alt. Wenn sie nicht gerade Artikel schreibt, geht ihr Sinn nach fernen Welten. Ein Flug zum Mars wäre ihr Traum oder ein halbes Jahr Mitarbeit auf der ISS. Wenn das nicht klappt macht sie wenigstens was für die ESA. Dieses Jahr wird sie deswegen zum zweiten Mal an einem Spacecamp teilnehmen. Dass ihre Mutter Birgit sich ein Elektroauto gekauft hat gefällt ihr und so unterstützt sie sie nach Kräften. Die Erfahrungen von Franziska und ihrer Mutter schreiben sie im eigenen Blog für Edison auf.

Meine Mutter ist nicht gerade die stressresistenteste Person, die ich kenne. Deswegen bedeutet ein langer Trip mit dem Elektroauto nicht nur Stress für sie, sondern auch für uns, die Mitfahrer. Bei unserem ersten gemeinsamen Trip nach Erfurt haben wir das mit den Ladesäulen noch nicht so ganz verstanden, weshalb wir es nicht geschafft haben, Strom für das Auto zu bekommen.

Mama war ganz aufgebracht und hatte Angst, dass wir nicht mehr nach Hause kommen. An diesem Tag haben wir zwei Dinge gelernt: Erstens, dass es verschiedene Arten von Ladesäulen gibt und jede anders funktioniert. Und zweitens, dass wir mit einer Ladung zur Not bis nach Erfurt und wieder nach Hause kommen. Bis zu diesem Tag hatten wir nur eine Ladekarte für eine bestimmte Art von Ladesäule, aber nach diesem Ereignis besorgte Mama noch schnell eine weitere, mit der wir an noch mehr Säulen laden konnten.

Suche nach versteckten Ladsäulen

Der nächste große Trip ging nach Bayreuth zu meinem Opa. Die erste Ladestation stand in Sonneberg. Als wir in Sonneberg ankamen, hatten wir nur noch 20 Prozent unserer Batterieladung, weshalb Mama schon leichte Panik bekam. Die Ladesäule war so gut versteckt, dass wir zweimal daran vorbeigefahren sind, bevor wir sie endlich entdeckten. Erleichtert stiegen wir aus, jedoch erwartete uns bereits ein neues Problem: Diese Ladesäule war anders, als alle anderen, an denen wir bisher geladen hatten.

Während Mamas Panik wuchs, schafften wir Kinder es, das Auto zum Laden zu bringen – kleiner Tipp, am besten beachtet man die Anweisungen, die sind meistens ziemlich hilfreich. Danach haben wir in der Nähe gegessen, während das Auto geladen hat. Dann ging es weiter nach Bayreuth. Dort angekommen war es fast noch schwieriger, die Ladesäule zu finden, da uns das Navi in die Irre führte. Bei der Säule ging das Laden dann jedoch schneller, da Mama uns diese Aufgabe übertragen hatte.

Gefunden – und gelangweilt

Nach einer schönen Zeit in Bayreuth traten wir den Rückweg an. Wir hätten wie auf dem Hinweg in Sonneberg laden können, aber das war uns zu einfach – wir suchen eben immer das Abenteuer. So kam es, dass wir uns per App eine andere Ladesäule suchten, die wir auch schnell fanden, an einem verlassenen Industrieparkplatz. Es war kalt und nass und zu allem Übel war die Ladesäule besetzt. Wir suchten auf dem ganzen Gelände nach Leuten, die uns helfen konnten, aber alles war verlassen. An der Ladesäule war eine Nummer, die ich anrief, um dort Hilfe zu bekommen – ich warte noch immer auf den versprochenen Rückruf.

Zum Glück fanden wir eine funktionstüchtige Steckdose, an die wir unser Auto anschließen konnten. Zur Erklärung, es gibt zwei Kabel für das Auto: Eines für die Starkstrom-Steckdosen (also die Ladesäulen) und eines für normale Steckdosen. Wir schlossen unser Auto also an die normale Steckdose an und das Auto sagte uns die verbliebene Ladezeit: Circa fünf Stunden... Fünf Stunden auf einem verlassenen Industrieparkplatz! Wir konnten nirgendwo hin, weil es nichts in der Nähe gab. Also saßen wir gemeinsam im Auto und versuchten uns gegenseitig bei Laune zu halten. Das Radio und die Heizung mussten wir ausschalten, damit das Laden nicht noch länger dauert.

Die Rekuperier-Euphorie packt uns

Nach rund 2 Stunden hatten wir keine Lust mehr und fuhren einfach los. Auf dem Navi hatten wir gesehen, dass der Akkustand nicht bis nach Hause reichen würde und im Internet hatten wir keine weiteren Ladestationen auf unserem Weg gefunden. Aber da wir abenteuerfreudig sind – und uns inzwischen echt kalt und langweilig geworden war – sind wir das Risiko eingegangen. Wir fuhren so langsam wie möglich und schalteten das Navi aus, um unsere Batterie zu schonen.

Auf meinem Handy hatte ich die Route eingegeben und sagte nun vom Rücksitz aus an, wo wir lang fahren mussten. Gleichzeitig verglich ich die Kilometeranzeige auf meinem Handy mit der noch verfügbaren Kilometeranzahl, die uns das Auto vorgab. Dann war der Punkt erreicht, an dem noch mehr Kilometer vor uns lagen, als uns unsere Akkuladung zurücklegen lassen würde.

Glücklicherweise fiel dieser Punkt mit dem Moment zusammen, an dem wir den höchsten Punkt erreicht hatten. Das bedeutete, dass es, während die Straße abwärts ging, für unseren Ladestand aufwärts ging, da das Auto beim Bremsen und abwärts Rollen lädt. Im Auto sorgte das Adrenalin für eine Euphoriewelle immer wenn das Auto lud. Aus dieser Euphorie heraus lehnten wir uns jedes Mal nach vorne, wenn es bergab ging, weil wir uns einredeten, dass das Auto dann schneller und mehr lud. Und tatsächlich schafften wir es mit 17 Prozent zu Hause anzukommen.

Auf zur Zugspitze

Nach diesem Abenteuer hatte es Mama gepackt. Ihr war klar geworden, dass sie es mit unserer Hilfe bis zur Zugspitze schaffen könnte. Gesagt, getan. Sie plante unsere Route und schnell wurde klar, dass diese Fahrt nicht an einem Tag zu schaffen ist. Also organisierte sie uns auch eine Übernachtung und schon bald ging es los. Meinem großen Bruder war diese Reise nicht ganz geheuer, aber wir Frauen (Mama, meine Schwester und ich) wagten diesen Schritt gemeinsam.

Das Laden auf der Reise lief fast immer gleich ab: Die Säulen waren schwer zu finden und wenn wir sie entdeckt hatten, mussten wir bei jeder Einzelnen wieder herausfinden, wie diese spezielle Säule funktioniert. Die Autobahnladesäulen gehörten zu den wenigen Ausnahmen. Sie waren auf manchen Autobahnraststätten zu finden und waren immer gleich zu bedienen. Da das Laden jedes Mal ein bis zwei Stunden dauerte, haben wir uns in der Zeit die Umgebung angesehen oder etwas gegessen. Und dann waren wir endlich da!

Bei der Rückfahrt gehen wir auf Nummer sicher

Es war ein wunderschönes Wochenende in einem wunderschönen Hotel. Mama konnte sich entspannen und so waren auch wir Kinder nicht permanent gestresst und konnten die gemeinsame Zeit einfach genießen.

Wir besuchten auf der Rückfahrt fast nur Ladesäulen, an denen wir schon einmal gewesen waren, da wir aus unserer Erfahrung mit dem Industrieparkplatz gelernt hatten. Es war ein schönes Erlebnis und ich habe Mama ein wenig in die Künste des Anleitungbefolgens eingewiesen, so dass sie jetzt auch längere Strecken alleine fahren kann. Ich bin stolz, dass Sie das Abenteuer "Elektroauto" eingegangen ist, denn jetzt habe ich immer etwas Spannendes zu erzählen.

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