Worauf es beim Trip zum Mars wirklich ankommt

Worauf es beim Trip zum Mars wirklich ankommt

Klar, die technischen Herausforderungen einer Expedition zum Roten Planenten sind enorm. Mindestens genauso viele Probleme bereitet die Nutzlast: das Team von Astronauten, eingepfercht auf engsten Raum. Die Psychologen lernen allmählich, aus welchen Persönlichkeiten es bestehen sollte. Bloß nicht den Clown vergessen.

Raumfahrt | Von Matthias Lauerer |

Elon Musk will es und viel andere auch - die Tour zum Mars. Doch Menschen dorthin zu schicken, ist eine gewaltige Herausforderung. Beginnen wir bei der Reise: Es würde mindestens neun Monate dauern, bis Astronauten dort ankommen. Ein Jahr wäre eine realistische Zeit für den Aufenthalt auf dem Planeten und für die Retour würden die Weltraumpioniere dann wieder 270 Tage unterwegs sein.

Was die Sache heikler macht, wäre die Funkverbindung. Das Signal ist vom Sender zum Empfänger lange unterwegs. Und einige Zeit wäre die Raumfähre auch ohne Kontakt zur Erdstation unterwegs, gibt es da doch einen Funkschatten, der die Kommunikation unmöglich macht. Dann die Sache mit der Ernährung, denn noch sind wir nicht so weit, uns auf einem Raumflug selbst zu versorgen. Woher kommen die Pflanzen und woher das Wasser?

Wenn der Verstand Streiche spielt

Während dieser langen Zeit sind die Astro-, Kosmo- oder Taikonauten sowohl hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt - als auch den Gewohnheiten ihrer Kollegen. Und es ist nicht leicht zu sagen, welche davon die größere Bedrohung darstellt. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA sucht daher nach Möglichkeiten, die körperliche und geistige Gesundheit der Marsreisenden zu erhalten. Dauertests an Menschen also, die die Truppe bei Sinnen halten soll. Immerhin wird ein Team voraussichtlich ein halbes Dutzend Menschen unterschiedlichster Kulturen beherbergen. Der Plan für den Notfall? Existiert nicht.

Einer der die Bedingungen modelliert, heißt Noshir Contractor. Der Mann arbeitet als Verhaltensforscher an der Northwestern University in Illinois. Er studiert die enorme Dynamik isolierter Menschengruppen im Human Exploration Research Analogue. Dieser Raumschiffsimulator steht im Lyndon B. Johnson Space Centre in Houston, Texas. Hier werden Freiwillige für bis zu 45 Tage auf Schein-Weltraummissionen eingesperrt. Und dabei rund um die Uhr physiologisch und psychologisch überwacht, wie das Magazin „Economist“ schreibt.

Was die Forscher aus diesen Experimenten bereits gelernt haben: Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind unerlässlich, um Gruppen zu helfen, gut zusammenzuarbeiten. Ein gutes Team braucht einen Leiter, den Geschichtenerzähler und eine Mischung aus Introvertierten und Extrovertierten.

Interessanterweise scheint die bei Weitem wichtigste Rolle die des Clowns zu sein. Laut dem Anthropologen Jeffrey C. Johnson von der University of Florida ist der Clown nicht nur lustig, er ist auch klug und kennt jedes Mitglied der Gruppe gut genug, um die meisten Spannungen zu entschärfen, die während langer Zeiträume mit engem Kontakt auftreten können. Johnson untersuchte die Beziehungen zwischen Menschen, die in der Antarktis am Südpol überwinterten. In Gruppen, die am meisten miteinander stritten, fehlte der Spaßmacher.

Des Wahnsinns fette Beute?

Am 28. Dezember 1973 unterbrachen die Besatzungsmitglieder der US-Raumstation Skylab den Kontakt zur Bodenkontrolle, die Arbeit wurde eingestellt. Ursache für den Streik: Wegen der engen Beziehung der Besatzungsmitglieder untereinander fühlten die Astronauten sich vom Erdteam gegängelt.

Auf einer künftigen Mission zum Mars wäre die Bodenkontrolle gut beraten, Gesprächsprotokolle zu führen, die zeigen, wer mit wem spricht und wie es um die Stimmung steht. Verhaltensforscher Contractor und seine Kollegen entwickeln Algorithmen, die vorhersagen könnten, wann es Probleme zwischen der Besatzung oder dem Boden- und Weltall-Team geben könnte.

Mondkolonie realistischer

Doch das sind noch nicht alle Probleme, die auf die Marstruppe warten, denn: Wo will sie auf dem Planeten leben? Wird der doch immer wieder von mächtigen Meteoriteneinschlägen heimgesucht. Daher müssten die Bauwerke unter der Erde oder in großen Kratern entstehen.

Nur, wer soll die Häuser mit welchen Hilfsmitteln bauen? Oder übernimmt das alles vollautomatisch eine Roboterarmee, die emsig buddelt und baut? Aber: Welche Energie treibt all die Bauarbeiter und die Geräte an und versorgt die Erdflüchtlinge mit Strom und Wärme? Und wohin mit dem Müll? Einfach neben die Häuser kippen? Dann würden die Marsianer demselben Unsinn verfallen, wie die Erdlinge.

Eine Mondkolonie ist viel wahrscheinlicher. Grund dafür: Der Ort ist in 72 Stunden zu erreichen und lässt sich so im Notfall fix evakuieren, wenn sich die Besatzung in die Haare kommt oder es Versorgungsprobleme gibt. Denn es sind nur 384.400 Kilometer, die die Erde vom Mond trennen.

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