Wasserstoff-Züge kommen nach Deutschland

Wasserstoff-Züge kommen nach Deutschland

In Brandenburg könnte bald eine Wasserstoff-Bahn fahren. Die Züge sind in Serienfertigung, grünen Wasserstoff gibt es ebenfalls - nur Geld fehlt noch.

Wasserstoff | Von Angela Schmid

Grüne Wiesen und Wälder, kristallklare Seen und Dörfer mit historischen Dorfkernen – die Strecke entlang der Heidekrautbahn ist idyllisch. Allerdings müssen sich Pendler und Ausflügler noch mit Dieselqualm herumschlagen, wenn sie Berlin verlassen haben und durchs Grüne fahren. Denn auf der Strecke soll ab dem Frühling ein Wasserstoff-Zug fahren.

Der komplett CO2-freie Schienenverkehr ist noch eine Vision. Damit sie Realität wird, haben sich die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), Zughersteller Alstom und der Versorger Enertrag zusammengeschlossen. Vier Züge, ausgestattet mit einem Brennstoffzellenantrieb, sollen die Menschen befördern. Der Wasserstoff wird in einem Hybridkraftwerk von Enertrag im brandenburgischen Prenzlau hergestellt, das heute schon mittels Elektrolyse aus Windstrom grünen Wasserstoff erzeugt und ins Erdgasnetz einspeist.

Mit dem Aufbau der Infrastruktur wollen die Projektpartner den Grundstein für den Markthochlauf innovativer Fahrzeugantriebe legen. "Ich bin zuversichtlich, dass dieses Projekt eine hohe Signalwirkung haben wird, denn nur 50 Prozent des Schienennetzes in Deutschland sind elektrifiziert", sagt Enertrags Vorstandsvorsitzender Jörg Müller. "Hier ist grüner Wasserstoff der perfekte Treibstoff."

2020 sollen die ersten grünen Züge fahren. Wenn die Finanzierung geklärt ist. Für das Gesamtinvestitionsvolumen von rund 35 Millionen Euro benötigt das Konsortium eine Projektförderung aus Bundes- und Landesmitteln. Bereits zwei Jahre haben die Ingenieure an dem emissionsfreien Zug, der lediglich Wasserdampf und Kondenswasser abgibt, getüftelt.

Der Wasserstoffzug "Coradia iLint" von Alstom ist der weltweit erst Zug in Serienfertigung, der mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird, in größeren Stückzahlen hergestellt werden soll und längere Strecken zurücklegen kann. Für etwa 1000 Kilometer reichen die Tanks  – je nach Beschaffenheit der Strecke und Anzahl der Haltestellen. "Dies entspricht der Reichweite vergleichbarer Dieseltriebzüge mit einer Betankung", so Jens Sprotte, Leiter Geschäftsbereich Urban & Systems bei Alstom.

Einen Kostenvergleich zu Dieselzügen zieht er nicht und betont lediglich: "Wir sind überzeugt, dass der Coradia iLint eine wirtschaftliche und nachhaltige Perspektive für den Bahnverkehr abbilden wird."

Bisher war er nur auf der werkseigenen Teststrecke in Salzgitter und im tschechischen Velim im Einsatz. Die Stabilität des Energieversorgungssystems sollte dabei bestätigt und das Zusammenspiel von Antrieb, Brennstoffzelle und Batterie des Fahrzeuges getestet werden, bevor er Anfang 2018 voraussichtlich die Zulassung erhält und auf der Strecke Buxtehude–Bremervörde–Bremerhaven–Cuxhaven in den Probebetrieb mit Fahrgästen geht. 

Leise und effizient

Wasserstofftank und die Brennstoffzelle, die den Wasserstoff in elektrische Energie umwandelt, sind auf dem Dach untergebracht. Die Batterie ist im Boden. Im Unterschied zum herkömmlichen Verbrennungsmotor wandelt die Brennstoffzelle chemische Energie direkt in elektrische Energie um. Damit wird der geplante Regionalzug nicht nur emissionsfrei fahren, der Lärmpegel gegenüber konventionellen Dieseltriebwagen wird zudem drastisch reduziert. Besonders effizient wird der Zug durch einen Energiespeicher, der von einem intelligenten Energiemanagementsystem gesteuert wird.

Das Interesse an der umweltfreundlichen Technologie ist vorhanden. Der französische Konzern hat bereits Absichtserklärungen für 60 Züge mit den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und dem hessischen Aufgabenträger Rhein-Main-Verkehrsverbund unterzeichnet. "Darüber hinaus spüren wir ein großes Interesse in anderen europäischen Ländern sowie weltweit in industrialisierten Regionen an Brennstoffzellenfahrzeugen", so Sprotte.

Für die Region in der Uckermark wären die blau gestrichenen Züge ideal. "Mit einer auf diese Weise neu gedachten Eisenbahn im Barnim können wir die Energiewende und auch die Verkehrswende in Brandenburg aktiv fördern. Ein emissionsfreier Verkehr auf der Heidekrautbahn passt hervorragend in die bei vielen Berlinern beliebte Ausflugsregion", so Detlef Bröcker, Geschäftsführer der NEB. Die Brandenburger sind allerdings nicht die Einzigen, die umstellen wollen. Der Taunus rüstet sich ebenfalls für den neuen Antrieb. Aber 2022 sollen in der hessische Pilotregion Züge mit Brennstoffzellen-Antrieb fahren.

Nachtrag 10. November 2017: Mittlerweile haben Alstom und die deutschen Verkehrsminister Lieferverträge mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und dem Technologiekonzern Linde unterschrieben. Die Gelder von Bund und Ländern fließen also.

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