Telekom und Flugsicherung wollen mit Drohnen abheben

Telekom und Flugsicherung wollen mit Drohnen abheben

Der Flughafen Frankfurt wie der Londoner Airport Heathrow mussten schon ihren Betrieb stoppen, weil Drohnen an den Startbahnen auftauchten. Deutsche Telekom und Deutsche Flugsicherung wollen jetzt den Himmel sicherer machen - und den unbemannten Flugobjekten zum kommerziellen Durchbruch verhelfen.

Fliegen | Von DPA |

Die Flugsicherung und die Deutsche Telekom gaben am Mittwoch in Frankfurt die Gründung der Gemeinschaftsfirma Droniq mit zunächst zehn Mitarbeitern bekannt. "Droniq bietet einen Einstieg in den kommerziellen Betrieb von unbemannten Fluggeräten, insbesondere für Drohnenflüge außerhalb der Sichtweite des Steuerers", erläuterte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle.

Die gemeinsam entwickelte Technologie ermöglicht es, die unbemannten Fluggeräte mit Hilfe des Mobilfunknetzes über größere Distanzen zu überwachen. Grundlage ist ein spezielles Modem mit einer Mobilfunk-SIM-Karte an Bord der Drohne und ein GPS-System. Die Fluggeräte werden so für Fluglotsen ortbar, aus der Ferne lenkbar und können in Echtzeit Daten mit der Basis-Station austauschen.

Bislang sind Flüge nur in Sichtweite der Drohnen-Piloten erlaubt. Der Einsatz über größere Distanzen ist nur mit spezieller Genehmigung der verschiedenen Landesluftfahrtbehörden möglich. Die neue Technologie soll helfen, die Bürokratie - Anträge erfolgen noch zum Teil in Papierform - überflüssig zu machen. Einige Landesluftfahrtbehörden hätten bereits Interesse signalisiert, sagte Droniq-Manager Thilo Vogt. Er hoffe zudem auf einen flankierenden Rahmenvertrag mit dem Bundesverkehrsministerium zum Einsatz des Systems.

"Das Produkt kann ab sofort gekauft werden", sagte der Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges. Es gebe bereits Anfragen von Industrie und Rettungskräften. Nach Einschätzung der Beteiligten lassen sich mit Drohnen-Langstreckenflügen insgesamt Milliarden-Umsätze erzielen, etwa bei der Kontrolle von Stromtrassen oder Gleisen, in der Landwirtschaft oder bei der Überwachung von Bauprojekten. Einsatzmöglichkeiten sehen sie auch bei Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften.

Hunderttausende Drohnen sind bereits unterwegs

Höttges rechnet mit einem "exponentiellen Wachstum" beim gewerblichen Einsatz von Drohnen. Aktuell schwirren etwa 500.000 der unbemannten Fluggeräte im deutschen Luftraum herum, davon nur 19.000 kommerziell genutzte. Deren Zahl werde Schätzungen zufolge bis 2030 auf mehr als 126.000 steigen, sagte Höttges. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll Droniq einen Umsatz von mehr 20 Millionen Euro erwirtschaften unter anderem mit dem Verkauf der Hardware sowie mit Service und Schulung. Das Unternehmen, an dem die DFS eine knappe Mehrheit hält, will sich zunächst auf den deutschen Markt konzentrieren. Eine spätere Expansion in andere Länder ist geplant.

Das System soll auch die Sicherheit im Luftraum verbessern. Es biete die Möglichkeit, auch nicht registrierte Drohnen zu erkennen, sagte Scheurle. Laut Gesetz müssen die Fluggeräte eigentlich die Umgebung etwa von Flughäfen meiden. Doch allein in Deutschland meldeten Piloten im vergangenen Jahr 158 Mal Behinderungen durch Drohnen. Erst jüngst musste am Frankfurter Airport der Betrieb wegen einer Drohnensichtung für fast eine Stunde eingestellt werden.

Auch andere Anbieter rechnen sich Chancen auf dem Drohnen-Markt aus. So arbeitet der Mobilfunkkonzern - und Telekomrivale - Vodafone ebenfalls an einem Erkennungssystem für die Geräte auf Mobilfunkbasis. Das Konzept hat das Unternehmen zusammen mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA erarbeitet und soll die Behörde bei der Entwicklung neuer europäischer Vorschriften für den Betrieb von Drohnen unterstützten. Nach erfolgreichen Tests im vergangenen Jahr sind nach Angaben eines Sprechers weitere Probeflüge geplant. Und das in Kassel gegründete, aber mittlerweile nach San Francisco abgewanderte Start-up Dedrone hat ein Drohnenabwehrsystem entwickelt.

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