Susan Sarandon: "Lieber saubere Umwelt als Beifall von der falschen Seite"

Susan Sarandon: "Lieber saubere Umwelt als Beifall von der falschen Seite"

Allure statt Allüren: Filmstar Susan Sarandon lässt mit ihrer Lebenslust den Jugendtrend in Hollywood links liegen. Ihr Antrieb: "Ich nehme die Ungerechtigkeit auf der Welt sehr persönlich."

Umweltschutz | Von Ulrich Lössl

"70 sind die neuen 20", jubelte eine britische Tageszeitung, als Susan Sarandon bei der Berliner Fashion Week über den roten Teppich lief. Kein Wunder. Als neues Gesicht der Mercedes EQ-Kampagne stahl der Hollywood-Star allen anderen souverän die Show. Doch es ist nicht nur ihr blendendes Aussehen, sondern auch ihre sinnliche Ausstrahlung, ihre wache Intelligenz und ihr jugendlicher Charme, der alle bezaubert, die näher mit ihr zu tun haben. Das konnte ich schon des öfteren beim Interview mit ihr erleben.

Das erste Mal trafen wir uns Anfang der 90er Jahre, beim Filmfestival in Cannes. Da war sie bei der Galapremiere am Vorabend - zusammen mit Geena Davis - in einem himmelblauen Ford Thunderbird mit Vollgas in den Grand Canyon geschossen. "Wie Sie sehen, habe ich den Crash gut überstanden", scherzt sie am Morgen danach. "Ich lasse meine Sonnenbrille aber lieber auf, denn meine Augenringe möchten Sie nicht sehen. Die Party letzte Nacht war ziemlich wild." Lacht ihr kehliges Lachen. Und lässt so in der dunklen Hotelsuite plötzlich die Sonne aufgehen.

Susan Sarandon ist eine Mischung aus Charakterdarstellerin und glamourösem Star, wie sie in Hollywood sehr selten ist. Und darüberhinaus ist sie auch politisch sehr aktiv. Als verantwortungsbewusste US-Bürgerin und Mutter von drei Kindern mischt sie sich gerne ein: Sie unterstützt Amnesty International, kämpft für Menschenrechte, für die Akzeptanz von Schwulen und Lesben und gegen den leider auch in Hollywood noch omnipräsenten Rassismus. "Ich kann nicht anders, denn ich nehme die Ungerechtigkeit auf der Welt sehr persönlich", sagt sie im Interview mit Edison.

Und weil sie sich nicht scheut, die Dinge beim Namen zu nennen, hat sie sich schon oft den Mund verbrannt. Als sie im letzten US-Wahlkampf nicht Hillary Clinton, sondern deren Konkurrenten Bernie Sanders unterstützte, brach im Internet ein Shit-Storm los, an dem sich sogar manche Hollywood-Stars beteiligten. "Damit kann ich gut leben", sagt sie mit rauchiger Stimme, während ihre Bette-Davis-Augen angriffslustig funkeln. "Ich war noch nie auf Schmusekurs. Dazu sind mir die Anliegen, für die ich mich einsetze, viel zu wichtig. Ich will lieber eine saubere Umwelt als Beifall von der falschen Seite."

Am 4. Oktober 1946 wurde sie in New York als ältestes von neun Kindern geboren. Ihr Vater war Sänger in einer Big Band. Sie ging auf die Alva-Edison-High-School in New Jersey, wo sie aufgrund einer Protest-Demonstration für mehr Bürgerrechte sogar kurze Zeit hinter Gittern landete. Nach dem Schulabschluss studierte sie an der Catholic University in Washington D.C. unter anderem Schauspiel und Englisch.

Bei einer Theateraufführung lernte sie 1964 den Schauspieler und Regisseur Chris Sarandon kennen, der sie ermunterte, es selbst mal mit der Schauspielerei zu versuchen. Die beiden waren von 1967 bis 1979 verheiratet. Susan Sarandon etablierte sich schnell in Hollywood. 1975 spielte sie im Kultfilm-Musical "The Rocky Horror Picture Show" die weibliche Hauptrolle Janet. In die "Die Hexen von Eastwick" brachte sie sogar den Teufel - alias Jack Nicholson - ins Schwitzen. In „Begierde“ hatte sie bei einer ménage à trois Sex mit Catherine Deneuve und David Bowie. Die heiße Affäre setzte sie mit David Bowie auch im richtigen Leben eine Zeitlang fort.

"No Nudity"-Klauseln, wie sie die meisten Hollywood-Schauspielerinnen in ihren Verträgen haben, lacht sie entspannt weg. Prüderie ist ihre Sache nicht. Aber sie kann auch anders: In "Dead Man Walking" unter der Regie ihres damaligen Lebensgefährten Tim Robbins verkörperte sie eine Nonne dermaßen eindrucksvoll, dass sie dafür 1996 endlich die begehrte Oscar-Trophäe als Beste Schauspielerin bekam. Die Statuette hat sie seitdem übrigens auf dem Klo geparkt.

Es überrascht sie manchmal selbst, dass sie zu den ganz wenigen Schauspielerinnen in Hollywood gehört, die der branchenüblichen Stereotypisierung und dem Alters-Stigma ein Schnippchen geschlagen haben. "Zum Glück gibt es tatsächlich noch ein paar Frauen über 25, die in Hollywood beschäftigt werden! Aber glauben Sie jetzt bloß nicht, dass sich da in den Köpfen der Studio-Bosse etwas verändert hat", meinte sie mit feiner Ironie, als wir uns vor ein paar Jahren in New York wieder begegneten. Inzwischen hatte sie sich von Tim Robins getrennt und war nach einer längeren Beziehung wieder Single.

Ihre Lebenslust ist nach wie vor ungebrochen. "Ich fühle mich von den Menschen inspiriert, die versuchen, einen anderen Lebensstil als nur Wirtschaftswachstum und Verschwendung zu etablieren. Die umweltbewusster, nachhaltiger, verantwortungsvoller leben. Die zum Beispiel wieder ihr eigenes Gemüse, Obst und Getreide anbauen. Das ist für mich keine kitschige Flucht in ländliche Idylle, sondern der Versuch, die Vormachtstellung der großen Konzerne zu brechen. Wir dürfen uns von den Mächtigen nicht korrumpieren lassen."

Bei allem Engagement und aller Neugier auf gesellschaftliche Veränderungen betont sie stets, es gebe viele Frauen, die sich politisch, sozial und kulturell engagieren – und die das weitaus besser können als sie. "Zum Glück hat sich in den letzten Jahrzehnten für uns Frauen vieles zum Besseren verändert. Unsere Generation lässt sich längst nicht mehr so gängeln wie noch die unserer Mütter. Meine Freundinnen, die in ganz verschiedenen Berufen tätig sind, leben ihr Leben alle sehr selbstbewusst und frei. Vor diesen starken, bewunderungswürdigen Frauen verneige ich mich."

Ihre beste Freundin, Hollywood-Star Goldie Hawn, meinte einmal scherzhaft: "Mit Susan kann man wirklich Pferde stehlen. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie dann später wieder hingeht und den Besitzer dafür bezahlt. Sie ist nun mal grundehrlich." Wie schön: Ruhm und Reichtum haben Susan Sarandon nie abheben lassen. Sie ist bis heute bodenständig und nahbar geblieben. Allure statt Allüren.

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