SolarCircleLine: Solarschiffe für Berlin

SolarCircleLine: Solarschiffe für Berlin

Durch Berlin sollen Touristen bald auf mit Solarstrom angetriebenen Schiffe fahren. Die Energie für die Spree-Touren kommt von Panels auf dem Dach der Boote.

Schiffe | Von Angela Schmid |

Nikolaiviertel, Museumsinsel, Schloss Bellevue – langsam tuckert das Schiff auf der Spree entlang. Rechts und links stehen die Prachtbauten von Berlin. Sightseeing von seiner schönen Seite, die allerdings wenig ökologisch ist. Denn die Schiffe fahren seit eh und je mit Diesel durch das Herz Berlins.

Die Luft in der Bundeshauptstadt ist schlecht. Wie in vielen Großstädten überschreiten die Stickoxide regelmäßig die Grenzwerte. Während auf der Straße die Diesel-Debatte auf Hochtouren läuft, wurde die Schifffahrt lange Zeit nicht angetastet. Etwa 150 Ausflugsdampfer fahren auf den Flüssen und Seen im Großraum Berlin. Abgasfilter setzen nur die wenigsten Reedereien ein. Doch seit einiger Zeit wird der Druck größer, auch die Schifffahrt umweltfreundlicher zu gestalten.

Ein Wandel, über den sich Louise Ahrens, COO von SolarWaterWorld, freut. "Jetzt ist unsere Zeit gekommen", sagt sie. Mit ihrem Berliner Unternehmen ist sie seit 20 Jahren auf Solarschifffahrt spezialisiert und hat sich zum Ziel gesetzt, zum führenden Anbieter von CO2-freien Serienbooten und Fahrgastschiffen zu werden und damit auf dem Wasser ökologische Strukturen zu schaffen. "Dafür wurden wir seit zehn Jahren belächelt", erzählt Ahrens. "Jetzt werden wir ernst genommen."

Kooperation mit Kiebitzberg Schiffswerft

Seit 1995 vermietet SolarWaterWorld in Berlin-Köpenick Selbstfahrerboote, die mit einer Leistung von bis zu acht Kilowatt europaweit ohne Führerschein gefahren werden dürfen und auch international auf Binnengewässer und in Naturschutzgebiete eingesetzt werden. Die weltweit erste Solarboottankstelle versorgt die Solarboote nach Sonnenuntergang zusätzlich mit Strom. Seit 2009 baut das Unternehmen auch Sportboote. Jetzt steigen die Berliner in das Geschäft mit Linienschiffen ein, damit Touristen auf ihrer Ausflugsfahrt keinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Kein einfaches Unterfangen. Schon 2014 hat SolarWaterWorld im Berliner Senat einen Antrag für Solar-Linienschiffe gestellt, die Platz für 180 Gäste haben und in diesem Jahr endlich vom Stapel laufen. Sie gründeten das Tochter-Unternehmen SolarCircleLine, die erste rein solar-betriebene Fahrgastschiff-Reederei in Berlin, und holten die alteingesessene Reederei Stern und Kreis als Minderheitsgesellschafter ins Boot. Dann gaben sie zwei Ökoschiffe mit einem Investitionsvolumen von knapp vier Millionen Euro bei der Kiebitzberg Schiffswerft in Sachsen-Anhalt in Auftrag. "Diese Technologie ist ressourcenschonend, ohne Abgase, geräuschlos und weist so den Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft der Fahrgastschifffahrt auf Berliner Gewässern", erklärt Tim Schultze, CEO von SolarWaterWorld.

Konzerte an Deck

Es sind zwei etablierte Player in der Schifffahrt, die den ökologischen Weg gehen – der eine steuert seine Kompetenz in innovativer Solartechnologie und Schiffsdesign bei, der andere sein Know-how als Berliner Marktführer im Linien- und Charterdienst, mit jährlich einer Million Fahrgästen und 30 Linien. Andreas Behrens, Geschäftsführer von Stern und Kreis, war von der Idee einer Öko-Reederei sofort begeistert, schließlich investierte er schon seit Jahren in eine umweltfreundlichere Umrüstung der Dieselmotoren. Auch mit synthetischem Sprit experimentiert die Reederei. SolarCircleLine sei eine unerwartete Chance, auch in Solar-Technologie zu investieren, so Behrens. Die beiden Schiffe sind erst der Anfang. Mit SolarCircleLine soll in den kommenden Jahren eine solare Flotte aufgebaut werden.

Die Ökoschiffe werden in einem Katamaran-Baustil gebaut, sind zirka 36 Meter lang und sieben Meter breit. Ein driftoptimierter Rumpf sorgt für optimales Gleitverhalten im Wasser und das Gewicht wird durch Aluminium und Spezialglas reduziert, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Neben dem Linienschiff wird eine baugleiche Variante für den Charter eingesetzt. Große Schiffe stehen dafür tagsüber in Berlin kaum zur Verfügung. Die Nachfrage sei aber relativ groß, erklärt Louise Ahrens, die unter anderem auch gerne Konzerte auf den Schiffen veranstalten möchte. Das elektrische Schiff hat die besten Voraussetzungen dafür. "Es stinkt nicht und es macht keinen Krach." Der Lärmpegel für den Motor liegt bei unter 50 Dezibel.

In Zukunft mit Brennstoffzelle?

Auf dem Dach ist eine Fläche von fast 80 Quadratmetern mit 48 Solarmodulen bedeckt, die eine Leistung von 16 Kilowatt liefern. Der Strom wird in Batterien gespeichert, damit das Schiff zwei 45-kW-Motoren bis zu 14 Stunden fährt. Abends wird es am Treptower Hafen an einer Schnellladesäule mit 400 Volt Drehstrom geladen, damit das Schiff morgens mit einer vollen Batterie starten kann. Für den Antrieb alleine würde das Solardach reichen. Für Navigationshilfen, Funk- und Kühlanlagen sowie Peripheriegeräte wie Stromverteiler oder Heizungsanlage reiche die Energie aus der Sonne nicht aus, so Louise Ahrens. Damit die komplette Ökokette funktioniert, kommt der Strom aus der Ladesäule allerdings auch aus regenerativen Energien.

SolarCircleLine ist an allen alternativen Antrieben interessiert. Auch an Wasserstoffbrennstoffzellen. Die Technik, so Louise Ahrens, sei vorhanden. Das Problem ist die Tankstelle für das Gas. Eine Genehmigung, um diese in der Stadt zu bauen, bekommen sie bisher nicht. "Momentan ist solarelektrisch schlau und gut", zeigt sich die COO pragmatisch.

Mit den beiden Schiffen will sich die Öko-Reederei auch international positionieren und Interessenten zeigen, dass ein elektrischer Antrieb, gespeist mit Sonnenenergie, funktioniert. Interesse gebe es weltweit. "Noch nie war die Nachfrage so groß. Noch nie waren wir so motiviert."

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