Recycling-Auto aus Flachs und Zuckerrohr

Recycling-Auto aus Flachs und Zuckerrohr

Studenten der TU Eindhoven haben ein elektrisches Konzept-Auto namens Noah entwickelt, das man am Ende seines Lebenszyklus auseinanderbauen und recyceln kann.

Elektroautos | Von Robyn Schmidt

Der zweite August 2017: Dieser Tag ist der Grund dafür, dass sich eine Gruppe Studenten der Technischen Universität Eindhoven entschlossen hat, ein neues elektrisches und fast komplett recycelbares Auto zu entwickeln. Der zweite August im vergangenen Jahr war "Earth Overshoot Day" - der Tag im Jahr, an dem weltweit die Menschen mehr Ressourcen verbraucht haben, als die Erde in einem Jahr regenerieren kann. Mit einer wachsenden Bevölkerung, längerer Lebensdauer und einer Wirtschaft, die immer mehr Ressourcen verschlingt, sieht das Eindhovener Team die Kreislaufwirtschaft als einen wichtigen Ansatz, um die Rohstoffnutzung zu minimieren.

Deshalb hat die Gruppe mit dem Namen TU/ecomotive "Noah" entworfen. Noah ist das fünfte Konzeptauto von TU/ecomotive. Insgesamt 22 Bachelor- und Master-Studenten arbeiten an dem Projekt. Das Besondere an Noah: Es besteht zu großen Teilen aus recycelbaren, biobasierten Rohstoffen und fährt elektrisch.

Für das Chassis, die Karosserie und die Innenausstattung nutzen die Studenten ein Biokomposit, dessen Hauptbestandteil Flachs ist. Die Matrix im Komposit besteht aus zuckerrohrbasiertem Polyactid (PLA). Insgesamt machen nachwachsenden Rohstoffe über 90 Prozent der Konstruktion aus. Das Chassis stellt das Team aus einem "Sandwich-Panel" her, in dem das Biokomposit mit einem Wabenkern aus Zuckerrohr kombiniert. So kommen für das Chassis nur Flachs und PLA zum Einsatz, wodurch es sogar vollständig recycelbar ist. Verschiedene Komponenten des Gehäuses und der Innenausstattung kommen außerdem aus dem 3D-Drucker. Dafür hat TU/ecomotive mit der niederländischen 3D-Druck-Firma Oceanz zusammengearbeitet.

Immer die neuste Batterie

Damit das Recyceln am Ende des Auto-Lebens auch einfach funktioniert, setzen die Studenten die einzelnen Komponenten des Wagens so zusammen, dass man sie auch wieder leicht auseinanderbauen kann - und die Einzelteile somit besser recyceln kann.

Der Umweltgedanke würde natürlich zunichtegemacht, säße unter Noahs Haube ein Verbrennungsmotor. Deshalb soll das Recycling-Auto voll elektrisch unterwegs sein. Sechs modulare Batterien lassen den Wagen bis zu 100 km/h schnell und mit einer Ladung 240 Kilometer weit fahren. Die Batterien kann der Fahrer leicht austauschen, sodass auch bei Weiterentwicklung der Batterietechnik immer die effizientesten Akkus das Auto antreiben.

Effizienz ist ohnehin ein wichtiges Stichwort: Das Team hat den Antriebsstrang optimiert, unter anderem mit einem Schaltungssystem namens Smesh Gear. "Das ist ein Schaltungssystem, das eine Effizienz von 97 Prozent beim Beschleunigen und 100 Prozent bei konstanter Geschwindigkeit erreichen kann", sagt Cas Verstappen aus dem TU/ecomotive Team. Der gesamte Antriebsstrang hat natürlich eine geringere Effizienz, etwa durch Verluste beim Elektromotor.

Kein Marktstart geplant

Noch ist das Noah Konzept-Auto in der Entwicklung. "Im Februar haben wir das Design und die technischen Zeichnungen abgeschlossen und arbeiten jetzt mit unseren Partnern an der Produktion", sagt Verstappen. Gerade haben sie die ersten Biokomposit-Platten für das Sandwich-Panel fertiggestellt. "Im Juni wollen wir das Auto dann enthüllen."

Bevor es dann auf die Straße darf, muss es noch einige Tests durchlaufen. In großen Zahlen wird man es dort wohl allerdings nie sehen. "Noah ist ein Konzept-Auto und wir wollen mit ihm nicht an den Markt gehen", sagt Verstappen. "Das Ziel des Projekts ist es, die Gesellschaft zu inspirieren und zu zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft auch schon heute bei Autos anwendbar ist. Wir glauben, dass wir unsere Freiheit verlieren, wenn wir an den Markt gehen würden und nur bei jenen einzelnen Aspekte steckenbleiben würden, die gut am Markt funktionieren."

Tour durch europäische Großstädte

Sobald Noah fertig gebaut ist und eine Zulassung erhalten hat, zieht das Entwicklerteam mit seiner Erfindung durch mehrere europäische Großstädte, um das Projekt vorzustellen. Gerade für Städte kann Noah sehr interessant sein, nicht nur wegen der dafür ausgelegten Reichweite und Höchstgeschwindigkeit. TU/ecomotive hat den Wagen nämlich mit Blick auf ein Sharing-System entwickelt: Das Auto verfügt über WLAN und NFC Technologie. Mit den NFC-Scannern in den Türen lässt sich das Auto per Handy öffnen.

Der "Earth Overshoot Day" rückt seit Jahren übrigens im Kalender immer weiter nach vorne. 1970 lag er noch im Januar des Folgejahres, im Jahr 1999 schon im Oktober. Um unseren Ressourcenverbrauch eines Jahres zu decken, bräuchte es mittlerweile 1,7 Erden. Mit Noah wollen die Studenten einen Weg aufzeigen, wie man diesen Trend irgendwann wieder umkehren könnte.

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