Paket-Lieferung per Elektro-Rikscha

Paket-Lieferung per Elektro-Rikscha

Die Lieferwagen von Paketdiensten verstopfen die städtischen Straßen und schaden der Umwelt. Das Berliner Start-up "Tretbox" hat deshalb eine Alternative entwickelt.

Verkehr | Von Susanne Frank

Beres Seelbach träumt von einer Stadt, in der die Luft so sauber ist wie in den Bergen. Damit dieser Traum Wirklichkeit wird, müssen seiner Ansicht nach vor allem die vielen stinkenden Lieferwagen raus aus der City. Und das will er ausgerechnet mit Hilfe eines großen deutschen Fahrzeugherstellers schaffen.

"Bislang werden Lieferwagen mit Diesel betrieben und verstopfen die Straßen", sagt der 33-jährige Seelbach. Diesen Fahrzeugen hat sein Start-up Tretbox den Kampf angesagt. Seelbach und zwei Mitgründer entwickeln ein neues Fortbewegungsmittel für die Stadt. Es verfügt über Pedale wie ein Fahrrad, die allerdings fast nur zum Lenken gedacht sind. Angetrieben wird die Tretbox in erster Linie von einem Elektromotor. Sie ist also ein Vehikel irgendwo zwischen E-Bike und Elektroauto. Das erste Ziel: den wachsenden Lieferverkehr der Städte in den Griff bekommen.

20 Prozent günstigere Lieferung

Eine halbe Million Lieferfahrzeuge sind in Europa unterwegs, haben die Tretbox-Gründer ausgerechnet. Fast immer haben sie Diesel im Tank und sind mindestens so groß wie ein Kleinbus. Nicht nur in schmalen Straßen sorgt diese Fahrzeug-Armee täglich für Staus. Wenn die Fahrer in zweiter Reihe halten, wird es auch auf breiteren Straßen eng. "Wir bauen ein viel kleineres Lieferfahrzeug", sagt Seelbach. Die Tretbox fährt auf nur drei Rädern und ist deshalb viel wendiger als ein Auto. Vor allem aber: Sie kommt auf Fahrradwegen vorwärts und kann auf dem Bürgersteig parken.

Der Tretbox-Fahrer ist dabei in einer Kabine gut vor dem Wetter geschützt, genau wie die Pakete im Laderaum. Der ist allerdings kleiner als im VW Transporter oder im Mercedes Vito. Deshalb müssen die Gründer kreative Lösungen finden, um die Masse an Paketen ausliefern zu können. "Wir wollen in den Metropolen ein Hub-System installieren. Die Cargo-Tretbox kehrt während einer Tour mehrmals zu einem Sammelplatz im Viertel zurück und lädt nach." Zur Zwischenlagerung der Pakete könnten beispielsweise Parkplätze dienen. "So macht unser System die Auslieferung etwa 20 Prozent günstiger als die heutige Methode mit großen, konventionellen Lieferwagen", verspricht Seelbach.

VW investiert in das Start-up

Sogar Autohersteller Volkswagen konnte sich für die Idee erwärmen: Das Unternehmen stieg gerade mit der Wolfsburg AG, an der es beteiligt ist, bei dem Berliner Start-up ein. Schon im vergangenen Jahr hatte Volkswagen das junge Unternehmen für sechs Monate in seinen Inkubator in Dresden eingeladen. Standort-Leiter Lars Dittert hatte Tretbox dabei in den höchsten Tönen gelobt: "Wir sind begeistert von der enormen Innovationskraft der jungen Gründer." Vom Tempo und den Ideen will der Riesen-Konzern nun stärker profitieren und beteiligt sich deshalb an dem Start-up.

"Das gibt uns einen enormen Push – finanziell und symbolisch", sagt Gründer Seelbach. Einer seiner Mitstreiter bei Tretbox kennt den Autokonzern schon gut: Murat Günak war einst Designchef von Volkswagen. Er weiß deshalb genau, wie der Autobau funktioniert. Dieses Wissen wollen die Tretbox-Macher bald konkret umsetzen.

10.000 Tretboxen pro Jahr

Zur Jahresmitte wird es Prototypen der Tretbox geben, Mitte 2019 soll die Massenfertigung beginnen. Sie wird in Deutschland bei einem noch geheim gehaltenen Autozulieferer starten. 10.000 Stück pro Jahr – das ist das ehrgeizige Produktionsziel für 2023. Seelbach hat keinen Zweifel, dass die Firma das erreichen kann. "Bei den Kurierdiensten stoßen wir bereits auf reges Interesse", sagt er. Schließlich sehen sich die Logistikfirmen immer stärkerem Druck ausgesetzt, weil sie mit ihren konventionellen Lieferwagen zur Luft- und Lärmbelastung in den Städten beitragen.

Pakete sollen allerdings nicht die einzige Last für eine Tretbox bleiben. "Wir arbeiten an einer Fahrzeug-Plattform, auf der auch Vehikel für den Personentransport möglich sein werden", verrät Beres Seelbach. Diese Modelle könnten auch vier Räder haben, etwa um den Nachwuchs sicher in die Kita zu bringen. Das Grundkonzept bleibe allerdings das Gleiche: Pedale und Elektromotor.

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