Neuer Stoff reguliert Temperatur

Neuer Stoff reguliert Temperatur

Ein Gewebe, das sich automatisch an Kälte oder Wärme anpasst, könnte künftig zu Kleidung werden: Spezielle Fasern erkennen die Umgebungsbedingungen und regulieren die Körperwärme.

Smarte Mode | Von Matthias Lauerer |

Es lebe das Zwiebelprinzip! Gerade in den kalten Monaten kleiden und nutzen wir alle die Idee. Also immer schön T-Shirt, Pulli, vielleicht noch einen dünnen Windbreaker und die dicke Jacke am Körper tragen. Und dann einfach einzelne Schichten anziehen oder ablegen – so kontrollieren wir unsere Wohlfühltemperatur.

Doch es geht noch besser: Forscher haben ein sagenhaftes Gewebe erschaffen. Das ist in der Lage, die Temperatur automatisch und blitzschnell selbst zu regeln. Nur: Wie schafft es das?

Fragen wir nach: "Dies ist die erste Technologie, die es uns ermöglicht, den Durchgang von Infrarotstrahlung, also von Körperwärme, dynamisch zu steuern", sagt Yu Huang Wang. Er arbeitet als Professor an der University of Maryland und ist Mitautor einer Studie, die die Ideen hinter dem Material erklärt.

Immerhin 40 Prozent unseres Wärmeverlusts geht auf das Konto der Infrarotstrahlung. Mit Hilfe von Fasern, die sie aus Zellulose herstellten und mit Kohlenstoffnanoröhrchen versahen, ließen die Wissenschaftler das Gewebe nun als eine Art Tor agieren.

Das lässt Wärme durch oder speichert sie. Die Fasern besitzen die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und abzuweisen. Wenn der Athlet schwitzt, "erkennt" der Stoff die Feuchtigkeit.

Die Fasern im Textil ziehen Wasser an, so dass sie sich verziehen und zu einem engen Bündel verknüllen, wenn sie in einer heißen und feuchten Umgebung zum Beispiel an einem schwitzenden Menschen arbeiten. So bilden sich – wie bei der Haut – Poren, durch die Wärme entweicht. Wird es kalt, schließen sich diese Poren und halten die Körperwärme zurück.

Smarte Kleidung im Trend

Blicken wir kurz auf den heutigen Markt der Möglichkeiten. Da tummeln sich "intelligente" Stoffe, die Läufer kühl halten und Extremsportler warm. Doch kein Stoff reagiert bisher auf die Umweltbedingungen. Und ja, da finden sich Stoffe, die ihre Farbe verändern, den Blutdruck messen oder einem Yoga praktizierenden sagen, ob seine Haltung stimmig ist.

Die intelligenten Stoffe der Zukunft werden wie eine zweite Schicht sein, die nicht nur als Schutz dient oder das Tragen von Medizinprodukten ermöglicht, sondern auch vor dem extremen Klima schützen kann, das der Klimawandel mit sich bringen dürfte. Schon in den vergangenen Jahren wären smarte Klamotten eine praktische Antwort auf Hitze- oder Kältewellen gewesen.

Viele Tiere können ihre Infrarotstrahlung übrigens gut und effizient manipulieren, um sich so entweder aufzuheizen oder abzukühlen. Da gibt es die Silberameise, die in der Sahara lebt. Sie leitet überschüssige Körperwärme mit ihren dreieckigen Haaren ab, die je nach Sonnenstand die Infrarotstrahlung reflektieren.

Ein Wunderstoff?

Das neue Material ist so schlau, dass der Mensch, der ein daraus gefertigtes Kleidungsstück trägt, keine Hitze spürt. Denn das Gewebe erkennt die Veränderung und beginnt flugs, also vor dem Hitzeschwall, mit der Abkühlung. Miterfinder Min Ouyang sagt über die Zukunft des Stoffs: "Obwohl wir das Design und die Leistung unserer Technologie noch optimieren, ist das Garn bereits verfügbar."

Doch es ist gar nicht klar, ob sich die Bekleidungsindustrie überhaupt freut. Wir stellen uns vor: nur ein Pullover. Oder eine Jacke. Ein Rock – oder die Hose. Und Socken. Schon ist der Kleiderschrank gut gefüllt – und für den jahreszeitlichen Ritt der Temperaturen gewappnet. Ob man da noch viel verkauft?

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