Müll als Treibstoff für E-Autos

Müll als Treibstoff für E-Autos

Ein Tüftler aus Düsseldorf sagt großen Müllverbrennungsanlagen den Kampf an. Sein kleines Kraftwerk soll dezentral Autos laden - und den Verkehr reduzieren.

Laden | Von Susanne Frank |

Zurück in die Zukunft, ein Kultfilm. Mit dem umgebauten Delorean fahren Marty McFly und "Doc" Brown sogar in die Zukunft, nach 2015. Die Energie zieht der Wagen dabei dank des eingebauten Fusionsgenerators aus Müll.

Jetzt haben wir das Jahr 2018 und Zeitreisen sind immer noch nicht möglich - aber Fahrten mit Abfällen rücken näher. Der Doc Brown aus Düsseldorf heißt allerdings Jürgen Resch (nein, nicht der von der Deutschen Umwelthilfe). Und die Hollywood-Idee umzusetzen war harte Arbeit: "Hätte ich einfach nur irgendein Unternehmen gründen wollen hätte ich mir ein leichteres Umfeld ausgesucht", räumt Resch ein.

Doch der 34-Jährige verbindet mit seiner Geschäftsidee eine Vision. Er und seine Mitstreiter von Wmoove wollen etwas gegen wachsende Müllberge tun. Sie entwickeln eine mobile Verbrennungsanlage, die zum Beispiel hinter großen Einkaufszentren und auf Flughäfen deren Restmüll verbrennen könnte. Aus den Abfällen werden per Gasturbine Strom und Wärme gewonnen, die sich ins öffentliche Netz einspeisen lassen. Oder die Energie wird eben vor Ort von Elektroautos "getankt".

"Dezentrale Problemlösungen gibt es überall, nur nicht bei der Müllverbrennung", sagt Resch. Große Anlagen haben natürlich Effizienzvorteile. Die Branche sei allerdings auch fest etabliert in den Händen weniger Unternehmen. Diese Struktur wollen die Jungunternehmer knacken.

Weniger Mülltransport

"Wir wollen den Großen endlich zeigen, dass es auch anders geht", sagt Resch selbstbewusst. Er ist Maschinenbauingenieur und hat lange an seiner Idee getüftelt. Auf dem Markt für die Abfallverwertung gebe es seit Jahrzehnten die immer gleichen Methoden, stellte er fest. Stets sei die Entsorgung vor allem ein logistisches Problem gewesen: Gewaltige Müllmengen müssen zu den Großanlagen gefahren werden. "Wir wollen deshalb eine Verbrennung vor Ort", sagt Resch.

Der Prototyp von Wmoove ist so groß wie eine Bushaltestelle. Außen ist der rechteckige Kasten begrünt, innen wird Müll verarbeitet. Der landet nicht in einem großen Feuer, sondern wird thermisch mit Mikrowellen behandelt. Übrig bleiben Asche und Schlacke, die zum Beispiel im Straßenbau eingesetzt werden können - wie auch bei großen Verbrennungsanlagen. Ladeleistungen von bis zu 800 Kilowatt sollen möglich sein, das Einstiegsmodell kann 15 Fahrzeuge am Tag mit rund 100 Kilowatt laden.

Zu Jahresbeginn wollen die Jungunternehmer ihr Projekt erstmals im Live-Betrieb testen. Zwei Industriebetriebe aus der Region Düsseldorf werden die Prototypen der Mini-Verbrennung aufstellen. Ihre Idee sei zunächst nur für Gewerbekunden gedacht, sagt Resch. Später könne man auch an die Aufstellung in Wohngebieten denken. Das Projekt der fünf Jungunternehmer wurde kürzlich auf dem Web Summit als eine der spannendsten Idee unter tausenden prämiert. Auch der Energieriese Eon ist bei den Jungunternehmern eingestiegen.

Eine Lösung könnte Wmoove besonders in weniger entwickelten Ländern sein. Während in Deutschland die thermische Verwertung von Müll vorgeschrieben ist, werden Abfälle in den meisten Staaten einfach vergraben. Mit oft verheerenden Folgen für Umwelt und Menschen. Viele kleine Verbrennungsanlagen könnten das ändern – und zugleich die Energieversorgung verbessern.

Kritisch dürfte allerdings die Frage der Schadstoffemissionen werden. Peter Gebhardt vom Ingenieursbüro für Umwelttechnik (IfU) warnt vor dezentralen Anlagen: "Bei der Müllverbrennung entstehen Dioxine und andere hochgiftige Stoffe. Die werden in Großanlagen aufwendig gefiltert – in Kleinanlagen lohnt das nicht." 

Doch Jungunternehmer Resch will solche Argumente nicht gelten lassen. Er verspricht, dass die Wmoove-Abgase regelmäßig nach den geltenden gesetzlichen Regeln überprüft werden. Im Vergleich zu den großen Verbrennungsanlagen würden bei Wmoove deutlich geringere Temperaturen eingesetzt. Dadurch entstünden weniger Schadstoffe, sagt Resch. Umwelttechniker Gebhardt bezweifelt dies. Gewissheit über die tatsächliche Belastung wird wohl erst der Probebetrieb im kommenden Jahr bringen.

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