Mini Countryman: Mit dem Hybrid-Cooper durch die Wüste

Mini Countryman: Mit dem Hybrid-Cooper durch die Wüste

Den Mini Countryman gibt es nun auch als Plug-in-Hybrid. Wer die E-Technologie für weniger robust als den klassischen Verbrenner hält, kann sich während einer Fahrt durch die Atacama-Wüste vom Gegenteil überzeugen. Härtere Bedingungen gibt es nur unter Wasser.

Elektroautos | Von Peter Weißenberg |

Wenn Auto-Entwickler Prototypen so richtig zusetzen wollen, dann fahren sie gern durch das nordamerikanische Tal des Todes: 50 Grad im spärlichen Schatten, mehr als 200 Kilometer Staub und Geröll zwischen ein paar Kakteen. Fahrwerk und Aggregate müssen höchste Leistungen bringen.

Alles ist relativ … das ist der Gedanke, der bei der Durchquerung der Atacama-Wüste durch den Kopf des Fahrers schießt. Denn gegen diese Einöde mutet das Death Valley fast paradiesisch an. Der Mini Countryman mit Plug-In-Hybrid und elektrischem Allradantrieb muss sich fünfmal so weit durch diese chilenische Wüste quälen.

Ein Landstrich, 50-mal trockener als das Death Valley. Kein Baum, kein Strauch, kein Kräutchen - nicht einmal eine Echse zwischen den Steinen oder ein Vogel am Himmel. Atemberaubende Hitze wechselt sich bei Sonnenuntergang sofort mit klirrender Kälte ab.

Also ungefähr genau die Bedingungen, die Batterien für elektrische Antriebe so gar nicht mögen. Schon gar nicht, wenn 1400 Kilometer in einem Rutsch zu bewältigen sind. Sonnenbrille auf, Wasserflaschen und Benzinkanister auffüllen, die 7,6-kWh-Batterie auf 90 Prozent laden und los.

Uwe Seitz schreckt die Herausforderung nicht: "In unseren Klimakammern haben wir noch extremere Bedingungen getestet, das schafft der Countryman sicher", sagt der Projektentwickler des ersten Mini mit Plug-In-Antrieb. Das beruhigt beim Aufstieg in die sonnendurchglüte Hochebene, 2000 Meter über dem Küstenort Antofagasta.

Die Batteriepower unterstützt auf den Dutzenden Serpentinen nach 80 Kilometern den 1,5-Liter-Benziner (136 PS) nicht mehr ständig, für den Boost oder Allrad-Eingriff reicht die Kraft aber immer. Und auf der Ebene rekuperiert der 1,7-Tonnen-Mini schon wieder fleißig. Bei Beschleunigungen steht die elektrische Kraft an der Hinterachse stets so zuverlässig zur Verfügung wie auf der Autobahn zwischen München und Augsburg.

Hitze strapaziert die Akkus

Seitz und seine Kollegen haben schließlich vorgesorgt: "Temperaturen über 40 Grad mögen Batterien gar nicht - da setzt schon der Alterungsprozess ein", sagt der Ingenieur. So weit darf es also nie kommen. Temperaturfühler überwachen darum jeden einzelnen Zellkopf im Inneren des Gehäuses und sorgen dafür, dass die Batterie immer "im Wohlfühlbereich zwischen fünf und 30 Grad bleiben", so der Entwickler. Ist es in der chilenischen Nacht eiskalt, wird die Batterie erwärmt - in der Morgensonne kühlt die Technik den Akku bereits beständig.

Was das für eine Leistung bedeutet, merkt der Fahrer in der Atacama-Wüste, wenn er nach ein paar Stunden zum Nachtanken aus den Kanistern auf dem Dach das gekühlte Auto verlässt. So dürfte sich Dörrfleisch fühlen. Die staubtrockene Glut schlägt auf den Körper ein, als ob er plötzlich im Backofen stecken würde.

Die Batterie im Mini steckt zwar unter der Rücksitzbank vor der direkten Sonne geschützt - aber der Hochvoltspeicher hilft sich vor allem selbst, um Temperaturexzesse auszuschließen. Dazu haben die Entwickler ein Kühlkonzept verwirklicht, bei dem jede der 80 Zellen mit einem Klimagerät über eine Kühlplatte auf Wunschtemperatur gehalten wird. Das geschieht aktiv über den Speicher.

Sollte es der Batterie doch einmal extrem zu heiß werden, würde der Elektroantrieb selbsttätig seine Leistung herunterfahren. Die Unterstützung für den Verbrenner bliebe aus, der alleinige E-Antrieb würde vermieden, Allrad-Fertigkeiten nur noch beim Anfahren oder in Gefahrensituationen zur Verfügung stehen. "Aber diese Degradation ist etwas für den Fehlerfall - im Normalfall schaffen wir die volle Funktionalität immer", stellt Seitz klar.

Allrad-Antrieb dank Hybrid

Die Atacama-Wüste ist so ein Normalfall: Auch nach 536 Kilometern Dauerfahrt ohne eine Wolke in Sicht stehen alle Funktionen aus der Batteriepower zur Verfügung. Müssen sie auch, denn es geht abseits der Hauptstrecke über eine Schotterpiste in Richtung einer alten Salpetermine; jetzt ist die elektrische Hinterachse besonders gefordert. Sie stellt ja zusammen mit dem Frontantrieb aus dem Verbrenner die Allradfähigkeit auf dieser Staub- und Geröllstrecke her.

Der Countryman ist zwar kein lupenreiner Geländewagen. Dafür fehlt ihm vor allem die Bodenfreiheit. Schwer beladen mit Werkzeug, Gepäck, Ersatzreifen und Extra-Sprit geht das SUV noch tiefer in die Knie. Die Kraft aus den zwei Motoren macht aber nie schlapp. Selbst wenn der Akku komplett zur Neige ginge, würde der Startergenerator den Elektromotor zu diesem Zweck weiter versorgen. Die Betriebsstrategie des Mini hält den Speicherinhalt aber ohnehin immer in einen Erhaltungsbereich, der elektrischen Allradbetrieb und elektrischen Boost ermöglicht.

Letzterer ist auf Schotter aber eher nicht gefragt. Langsam muss es nämlich in derartigem Gelände vorangehen. Denn der Countryman hat auch keinen kompletten Unterfahrschutz aus Metall. Aufgewirbelte Steine oder gar ein Aufsetzen auf Fels könnte also in diesem Nichts von Horizont zu Horizont arge Schwierigkeiten heraufbeschwören. Kein Mobilfunk, kaum andere Autos … und die nächsten menschlichen Siedlungen sind viel zu weit, um sie zu Fuß zu erreichen. Also immer behutsam voran abseits des Asphalts.

Die 2,3 Liter minimal auf dem Teststand erreichbarer Verbrauch im Drittelmix sind übrigens unter keinen Bedingungen in der Wüste erreichbar. Der Countryman ist schließlich bis zum Dachträger vollbeladen, mit All-Terrain-Reifen und auch mal energisch herbeigeprügeltem Antritt unter Höchstlast unterwegs. Sparkünste wie im behutsamen Bundesstraßen-Gleiten sind nicht gefragt; es soll ja zügig vorangehen Richtung Santiago.

Mehr als neun Liter laufen aber nie durch den Mini, und bei einigen Testkilometern mit sensiblem Gasfuß, optimaler Elektro-Unterstützung und ebener Straße zeigt sich, dass selbst unter den widrigen Umständen Verbräuche unter der Fünfliter-Schwelle drin sind. Das muss reichen, wir wollen ja ankommen - also her mit der Cooper-Kraft aus 224 PS Systemleistung.

Glücklicherweise ist die normale Strecke auf der Ruta 5 besser ausgebaut als manch US-amerikanischer Highway. Es geht also schnell voran auf den letzten 100 Kilometern durch das Wüstenland. Und abwärts Richtung Küste kann der Plug-In noch mal eine Spezialität auspacken: Mit dem Zuschalten des Battery-Save-Modus saugt sich der Akku verblüffend schnell wieder in Richtung 90-Prozent-Marke voll - ein paar Dutzend Kilometer bergab reichen dafür locker. So kann der Mini schließlich lautlos durch das nächtliche Copiapó gleiten. Adios Atacama.

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