Malend gegen den Klimawandel

Malend gegen den Klimawandel

Klimawandel und Energiewende sind nicht immer einfach zu verstehen. Das Energy Transition Coloring Book geht die Themen mit Infografiken und Buntstift an.

Energiewende | Von Robyn Schmidt |

Die Energiewende ist ein komplexes Thema mit unendlich vielen Facetten: Wie viel CO2 pumpen wir eigentlich in die Atmosphäre? Was hat es nochmal mit der EEG-Umlage auf sich? Wie fährt ein Wasserstoff-Auto? Und was kann ich selbst dazu beitragen, dass die Emissionen sinken? Wer es wirklich darauf anlegt, kann bei der Online-Recherche schnell in einem schwarzen Loch aus immer mehr Details, Fachwörtern und zweifelhaften Meinungen enden. Für einige mag das spannend klingen - die meisten wenden sich aber wohl genervt lieber anderen Dingen zu.

Es ist nicht einfach, komplizierte Themen wie die unterschiedlichen Aspekte der Energiewende zu vermitteln. Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) und die Berliner Kreativagentur Ellery probieren es mit einem sehr ungewöhnlichen Ansatz: ausmalen.

Rot für Kohle, Blau für Windkraft

"Wir haben überlegt, wie wir das komplexeste Thema im einfachsten Medium aufbereiten können", sagt Bernd Riedel, Director of Strategy bei Ellery. Das einfachste Medium, das den kreativen Köpfen einfiel: ein Malbuch. 33 handgezeichnete Infografiken warten im "Infografic Energy Transition Coloring Book" darauf, ausgemalt zu werden: Die Förderungen unterschiedlicher Energietypen als leckere Torte, Heißluftballons der größten Emissionsverursacher, eine dystopische Welt, in der wir es verpasst haben, den Klimawandel zu bremsen - oder ein Elektroauto-Suchbild. Das IKEM und Ellery nehmen die grauen Zahlen und Daten, visualisieren sie originell und machen sie so leichter verständlich.

Das Buch fokussiert sich auf die Energiewende in Deutschland, von der Energieerzeugung bis hin zu smarten Mobilitätskonzepten, und vergleicht den hiesigen Stand mit anderen Ländern. Dabei richtet es sich ausdrücklich an Erwachsene. "Wir hatten nicht in erster Linie den Verkauf im Blick, als wir die Idee hatten", sagt Riedel. "Das war ein Herzensprojekt und wir wollten einfach mal schauen, wie sich das Thema umsetzen lässt."

Die wissenschaftliche Seite des Buches übernahm das IKEM. Das Institut recherchierte eigens für das Malbuch Daten und Fakten rund um die Klimawende in Deutschland. Diese seien natürlich genauso solide, dass sie auch in wissenschaftlichen Papers zitiert werden könnten. Dabei arbeitete das IKEM immer eng mit Ellery zusammen. "Inhalt und Darstellung haben wir Hand in Hand erarbeitet", sagt Riedel. Zusammen habe man Themenschwerpunkte gesetzt, die dann im hin und her weiterentwickelt wurden. "Wir mussten für die Daten ein Narrativ entwickeln, sodass sie leichter verdaulich sind." Dabei seien durch die Umsetzungsideen von Ellery auch wieder die Wissenschaftler inspiriert worden, vorher übersehene Aspekte zu untersuchen, die gut in die Darstellung passen würden.

Ein Malbuch für Angela Merkel

Der ganze Prozess von Idee bis zum fertigen Buch dauerte nur rund sechs Monate. Die erste Auflage hat einige Preise eingeheimst, beispielsweise die Auszeichnung für beste Print-Infografik in der Kategorie "Umwelt- und Klimaschutz" beim Designpreis Malofiej oder den ersten Platz im Bereich "Infografik" beim European Design Award in Oslo. Vor kurzem ist die zweite Auflage erschienen, auf der Website kann man sie sich bestellen.

Da das Team bei IKEM sehr international ist, haben sich die Partner entschlossen, das Buch in englischer Sprache herauszubringen. Außerdem könne man so der ganzen Welt zeigen, was in Deutschland in dem Bereich passiert und vielleicht andere Länder inspirieren. Dafür haben die internationalen Mitglieder des Projekt-Teams auch jeweils ein Exemplar des Malbuchs an ihre Regierungschefs geschickt. Unter anderem Angela Merkel, Justin Trudeau und Emmanuel Macron haben ein Buch bekommen - und sich auch jeweils schon mit einem Brief bedankt. Donald Trump haben die Malbuch-Macher allerdings kein Exemplar geschickt. "Da wussten wir nicht, ob das so gut ankommt", sagt Bernd Riedel. Stattdessen haben sie es lieber an Al Gore gesendet.

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