In Zusmarshausen soll die größte Stromtankstelle der Welt entstehen

In Zusmarshausen soll die größte Stromtankstelle der Welt entstehen

144 Ladesäulen für mehr als 4000 Autos am Tag: An der A8 nahe Augsburg will ein Mittelständler die größte Stromtankstelle der Welt bauen. Dort will er mehr als nur Strom anbieten.

Laden | Von Angela Schmid

Zusmarshausen ist nicht gerade der Nabel der Welt. Für die Elektromobilität könnte die kleine Stadt in der Nähe von Augsburg genau das in Zukunft werden. Denn dort planen Reinhold Braun und Klaus Emler die größte Stromtankstelle der Welt. Unmittelbar an der sechsspurig ausgebauten A8 soll ein Innovationspark entstehen, in dem geladen, gegessen, eingekauft oder gearbeitet wird. Die Geschäftsführer von Sortimo wollen Infrastruktur für Elektromobilität mit nachhaltig regionalem Energiemanagement und digitalem Einkaufs- und Arbeitserlebnis vereinen und damit eine Trendwende für alle E-Autofahrer schaffen. Der Start ist für Ende 2019 geplant.

Sortimo ist ein deutscher Mittelständler, der international Fuß gefasst hat und über 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Vor über 40 Jahren in Zusmarshausen gegründet, versteht sich das Unternehmen heute als Marktführer von Fahrzeugeinrichtungen mit Absatzmärkten in Europa und der USA. Elektromobilität und alternative Antriebe spielen bei Sortimo schon lange eine Rolle. Neben der Optimierung von Fahrzeugeinrichtungen für E-Autos hat das Unternehmen im vergangenen Jahr das ProCargo CT1 auf den Markt gebracht – ein elektrounterstütztes Lastenpedelec.

Jetzt zeigen die bodenständigen Schwaben, dass in der Elektromobilität noch viel mehr steckt, als Fahrzeuge und Infrastruktur. Braun und Emler wollen fast so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau der Elektromobilität erschaffen. Und die sieht so aus: Am Anfang stehen 144 Ladesäulen von "eLoaded" in einer E-Tankstelle. Damit können mehr als 4000 Autos am Tag geladen werden. Dahinter verbergen sich gewaltige Zahlen: Das entspricht einer Energiemenge von 240.000 Kilowattstunden pro Tag. Optimistisch betrachtet, würde dies einer Kraftstoffeinsparung von 29,5 Millionen Litern und einer CO2-Ersparnis von knapp 60.000 Tonnen pro Jahr entsprechen.

120 Ladeplätze für Pendler und Geschäftsreisende

24 der 144 Ladesäulen sind Supra-Schnelllader, an denen die Batterie eines Elektroautos mit 350 Kilowatt Leistung innerhalb von 10 Minuten geladen werden kann.Noch gibt es keine Autos, die diese Leistung schaffen – das erste Modell wird der Porsche Taycan sein, die angekündigten E-Autos der anderen deutschen Hersteller schaffen diese Ladeleistung noch nicht. In der Branche herrscht jedoch Einigkeit, dass dies nur eine Frage der Zeit ist.

Weitere 120 Schnelllader mit bis zu 50 Kilowatt eignen sich für Pendler oder Menschen, die die Infrastruktur des Innovationsparks nutzen – als P+R Parkplatz oder für Geschäftstermine in den buchbaren Konferenz- und Besprechungsräumen. Geladen wird möglichst dann, wenn gerade viel Energie im Netz ist, um die regionale und regenerativ erzeugte Energie optimal zu nutzen. Als "DC-Parken" bezeichnet Sortimo die Kombination von Parkmöglichkeiten für Pendler mit gleichzeitigem Laden des Fahrzeuges.

Ladesäulen aufzustellen ist keine Kunst – sie in einem so großen Umfang ins Energienetz einzubinden jedoch schon. Der gesamte Ladepark benötigt hierzu in ein umfassendes Energiemanagement. Der Strom kommt ausschließlich aus regenerativen und regionalen Quellen und wird gespeichert, wenn zu viel Strom im Netz ist. Unternehmen und private Haushalte sollen ihren selbst erzeugten "überschüssigen" Strom ebenfalls in den öffentlichen Energiespeicher einspeisen. Genutzt wird er an der E-Tankstelle oder er fließt wieder in die Unternehmen und Privathaushalte, wenn die eigene PV-Anlage gerade nicht genügend Strom liefert. Zudem wird auch noch die Wärme, die beim Schnellladen entsteht, über ein thermisches Stationsmanagement für die Gebäude im Innovationspark genutzt. "Somit wird die Wertschöpfungskette der regenerativen Energiegewinnung in der Region gehalten und der Wirkungsgrad erneuerbarer Energien in der Region weiter gesteigert", erklären die Geschäftsführer.

Dreh- und Angelpunkt für den Kunden ist die hauseigene App: Sie nutzt eine Nummernschilderkennung, um den E-Autofahrer die passende Ladesäule zuzuweisen, damit entweder schnell oder langsam geladen wird. Der Ladevorgang selbst wird ebenfalls über die App gestartet. Ein weiteres Feature: Über die App erhalten die Nutzer auch den Zugang zu den Dienstleistungen des Innovationsparks, etwa gebuchten Besprechungsräumen. "Charge & Work" sowie "Charge & Carry" heißen die beiden Konzepte von Sortimo.

Bei "Charge & Carry" kann online Brot, Duschgel und Milch gekauft und während des Ladens ganz einfach und schnell abgeholt werden. Die online bestellten Einkäufe von dem regional ansässigen Einzelhandel werden vorgepackt in einer verriegelten und gekühlten Box zur Abholung hinterlegt. Die Geschäftsführer sind davon überzeugt, dass dies die regionale Wertschöpfung steigert.

"Charge & Work" ist für Geschäftsreisende konzipiert, die die Ladezeit für eine Telefonkonferenz oder ein Meeting an der Autobahn nutzen wollen. Ebenfalls über die App lassen sich Besprechungs- und Konferenzräume mit beliebigen Präsentations-, Kommunikations- und Cateringangeboten buchen. Wer nicht arbeiten will, kann sich auch einfach entspannen.

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