Great Barrier Reef: Hilft die Natur sich selbst?

Great Barrier Reef: Hilft die Natur sich selbst?

Endlich eine gute Geschichte über das Thema Klimawandel. Mit im Spiel: Das riesige australische Great Barrier Korallenriff und Seegraskolonien. Was können die beiden Protagonisten füreinander tun, um sich gegen die Malaise der globalen Erwärmung zu rüsten?

Umweltschutz | Von Matthias Lauerer |

Neuigkeiten über das wohl weltweit größte Riff fielen in den vergangenen Jahren nicht besonders gut aus. Ständig waren Nachrichten zu lesen, die von einer mächtigen Korallenbleiche berichteten, also vom Absterben der uralten Korallen. Schlug nun für diese Tiere das letzte Glöcklein? Dabei leben die doch schon seit mindestens 240 Millionen Jahren in den Ozeanen der Weltmeere.

Das alles fanden der Biologe Peter Macreadie von der australischen Deakin University und seine Kollegen Paul York und Michael Rasheed von der James-Cook-Hochschule erstaunlich. Das Team sah sich die Sache nun genauer an. Ihnen war aufgefallen, dass um die Korallenbänke herum riesige Seegrasflächen wucherten. Den Forschern war bekannt, dass dieses Gras gewaltige Mengen von CO2 aus der Luft fischt. Wenn also das Seegras Tonnen aufnimmt, dann hülfe das doch den steinigen Nachbarn und uns Menschen dabei, die Misere mit dem Klimawandel zu lindern?

Biologe Macreadie, vom Lehrstuhl Marine Ökosysteme und Klimaveränderungen, fand heraus, dass jener Seegrasrasen nahe des Great Barrier Reefs ungefähr doppelt so groß sein muss, wie der US-Bundesstaat New Jersey. Macreadie schätzt, dass heute bereits etwa 30 Millionen Tonnen CO2 im Gras stecken. "Diese Ökosysteme sind sehr mächtige, natürliche Waffen im Kampf gegen den Klimawandel", sagt der Wissenschaftler über seine Forschung. "Wir haben ein wichtiges Faktum entdeckt, das uns bis vor Kurzem unbekannt war."

Seegras gehört zu den effizientesten und langfristigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Aber die menschliche Küstenentwicklung bedroht die Kapazität. "Wir berichten über Beweise dafür, dass Störungen der Seegras-Ökosysteme die Freisetzung von altem Kohlenstoff verursachen." Ein Beispiel: In einem Seegras-Ökosystem, das vor 50 Jahren gestört wurde, sanken die Kohlenstoffvorräte im Boden um 72 Prozent. Dabei hatte das Ansammeln – laut Radiokohlenstoffdatierung – zuvor Hunderte bis Tausende von Jahren gedauert. Werden diese Lebensräume beschädigt oder zerstört, wird der gespeicherte Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre abgegeben.

Mächtige Waffe gegen den Klimawandel?

Die Daten wurden von Wissenschaftlern gesammelt, die ins tiefe Blau abtauchten und dort Bodenproben entnahmen. Jene verglichen sie dann mit anderen Ökosystemen, die ebenfalls CO2 einsammeln, wie Wälder oder Mangroven. "Viele von uns denken, dass Bäume das Schlüsselökosystem sind, um Kohlendioxid zu entfernen", sagt Macreadie. "Das war bis heute so, aber unsere Forschung hat entdeckt, dass Seegras zu den mächtigsten Kohlenstoffsenken der Welt gehört." Diese Areale speichern etwa "zehn Mal mehr Kohlenstoff im System, als unsere Wälder", sagt Jennifer Howard, die als Direktorin für Meeresklimaänderungen bei Conservation International arbeitet.

Und wie fällt Peter Macreadies Fazit aus? "Ich denke, wir kratzen nur an der Oberfläche. Was leisten die Seegraswiesen noch?" Bereits vor sieben Jahren hieß es in einer Studie: "Die Ergebnisse deuten auf eine weitere Bedeutung dieser Ökosystemdienstleister hin. Indopazifische Seegraswiesen scheinen den pH-Wert des Meerwassers zu erhöhen. Sie haben auch die Fähigkeit, die Auswirkungen eines zunehmend sauren Ozeans auszugleichen." Wie gesagt, endlich mal gute Nachrichten…

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