Ethletic plant Pfandsystem für Turnschuhe

Ethletic plant Pfandsystem für Turnschuhe

Abgetragene Schuhe landen momentan in der Verbrennungsanlage. Der Hersteller Ethletic möchte das ändern und sich selbst um ein umweltschonenderes Recycling kümmern – und führt Pfand ein.

Leben | Von Veronika Fritz |

Neue Schuhe, zwei Jahre getragen und ab in den Müll. Das sorgt zwar für Rekordgewinne der Modebranche, ökologisch ist es nicht. Die Schuhe der Firma Ethletic sollen in Zukunft deshalb einen anderen Weg gehen. Bis 2020 möchte das Unternehmen ein Pfandsystem für abgetragene Schuhe einführen. "Wir tragen als Produzent die Verantwortung für unsere Sneaker – auch für die Zeit nach ihrem Funktionsleben", sagt Geschäftsführer Marc Solterbeck.

Wer in zwei Jahren Schuhe bei Ethletic kauft, bekommt automatisch eine Pfandmarke dazu. Der genaue Wert ist noch nicht festgelegt, wird aber etwa bei zehn Prozent des Schuhpreises liegen. Nur wer die Schuhe nach Gebrauch zusammen mit der Pfandmarke zurückschickt, bekommt das Geld zurück – entweder als Wertgutschein oder direkt aufs Konto.

Eine PR-Idee? Vielleicht, aber Experten befürworten ein solches System. Professor Daniel Goldmann vom Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling der TU Clausthal etwa findet die Idee gut: "Sicher spielt bei der Aktion auch Marketing eine Rolle, aber es ist auf jeden Fall ein guter Schritt in Richtung Produzentenverantwortung. Da würde man sich mehr von wünschen."

Auch Solterbeck ist der Meinung, dass Produzenten ihre Ware am besten selbst recyceln können: "Die Produzenten kennen die Inhaltsstoffe am genauesten, deshalb kann sich niemand besser um deren Rückführung kümmern. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit."

Zerlegen statt verbrennen

Genau um diese fachgerechte Entsorgung der Inhaltsstoffe geht es Ethletic bei dem neuen System. Die zurückgeschickten Schuhe werden deshalb wieder in ihre Einzelheiten zerlegt: Baumwolle zu Baumwolle, Gummi zu Gummi und Öse zu Öse. Goldmann findet diese Zerlegung sinnvoll: "Vor allem bei den ganzen neuen Turnschuhen, die leuchten und blinken können, ist das relevant. Das ist dann ja teilweise sogar Elektroschrott."

Wieviel die einzelne Maßnahme bei den riesigen Mengen an Müll wirklich bringt, ist schwer zu sagen. Aber auch die Signalwirkung, die die Aktion auf andere Schuhfirmen haben könnte, spielt eine Rolle. "Vor allem wenn das dazu führt, dass andere große Hersteller nachziehen und sagen: 'Das machen wir auch!' Dann ist das wirklich eine gute Sache", sagt Goldmann.

Ethletic hat sich noch ein weiteres Ziel in Richtung Nachhaltigkeit gesteckt: Ab 2022 möchte die Firma nur noch Schuhe verkaufen, die ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Aus Baumwolle, Naturkautschuk und einem Polsterschaum, der aus Latexmilch und Backpulver hergestellt wird. "Diese Modelle werden dann zu Biomasse verarbeitet, die zum Beispiel als Zusatz für Dünger oder Blumenerde genutzt werden kann", erklärt Solterbeck.

Natürliche Materialien und umweltbewusste Herstellung sind bei den Sportartikelherstellern erst spät angekommen. Nike und Adidas versuchen derzeit, mit Recycling-Materialien zu arbeiten. Natürlich gibt es aber auch Anbieter wie Trigema, die das Thema schon seit Jahren auf dem Schirm haben.

Jetzt bleibt nur noch offen, wie das Pfandsystem von den Kunden angenommen wird. Denn davon, wie viele Schuhe zurückgeschickt werden, hängt die Umsetzung des Projektes ab.

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