Ein Eiswagen, der weder bimmelt noch stinkt

Ein Eiswagen, der weder bimmelt noch stinkt

Am schottischen "Clean Air Day" hat Nissan den Prototypen einen Hightech-Eiswagen präsentiert. Der fährt elektrisch und und kühlt das Eis mit einem Stromspeicher und der Hilfe von Solarzellen. Und seinen Standort teilt er digital mit.

Energiewende | Von Franz W. Rother |

Wie viele Kilometer legt ein Eiswagen an Sommertagen zurück, um Leckermäuler in der Stadt oder auf dem Land mit köstlichem Speiseeis zu versorgen? 30, 50, gelegentlich vielleicht auch schon einmal 100 Kilometer, aber sicher nicht 300 oder 400 Kilometer. Trotzdem werden diese Fahrzeuge bis heute immer noch ausschließlich von einem Dieselmotor angetrieben, der dann meist auch noch im Stand läuft, um über den Generator die Kühlmaschinen an Bord zu betreiben. Das sorgt für Lärm, Gestank und tut weder dem Klima noch der Gesundheit der Kunden gut.

In Schottland , wo der Klimaschutz einen hohen Stellenwert besitzt und der Strom bereits zu 70 Prozent mit Hilfe von Wind- und Wellenkraft gewonnen wird, hat der Autohersteller Nissan deshalb jetzt zusammen mit dem Eiscreme-Hersteller Mackie's of Scotland den Protoytpen eines Eiswagens entwickelt, der nicht nur elektrisch angetrieben ist, sondern bei dem auch die Kühleinrichtung an Bord komplett emissionsfrei arbeitet: Gefrierfach und Getränkekühlschrank an Bord beziehen ihre Energie aus zwei Stromspeichern vom Typ Energy ROAM, die Nissan aus Lithium-Ionen-Zellen ausrangierter Elektroautos der ersten Generation produziert. Die Speicher haben eine Kapazität von 1,5 Kilowattstunden (kWh) und geben bis zu einem Kilowatt (kW) Leistung ab. Ist der Vorrat an langen und besonders heißen Sommertagen erschöpft, kann der Speicher entweder an einer Haushaltssteckdose oder aber auch mit Hilfe von Solarzellen auf dem Dach des Eiswagens wieder aufgeladen werden.

Präsentiert wurde das Öko-Eismobil am heutigen "Clean Air Day", an dem die schottische Regierung zusammen mit Umweltorganisationen mit einer Reihe von Aktionen demonstrieren will, mit welch einfachen Aktionen die Belastung der Luft mit Schadstoffen wirksam reduziert werden kann. Der Eishersteller Mackie's of Scotland mit einer Jahresproduktion von elf Millionen Litern (Slogan: "Creamy by nature", Spezialität: Haggis-Eiscreme) betreibt seine Molkereien bereits in großem Stil mit Wind- und Sonnenenergie sowie Biomasse und legt auch bei Tierhaltung und Produktion großen Wert auf Nachhaltigkeitsaspekte. So sind beispielsweise alle Verkaufsverpackungen komplett recyclebar. Zudem bemüht sich das Unternehmen um einen klimaschonenden Vertrieb. Insofern war Mackie's der ideale Partner für Nissan bei der Entwicklung des Fahrzeugs. Dieses hat über den emissionsfreien Antrieb auch noch einige andere Besonderheiten zu bieten. So teilt der Eiswagen seinen Kunden den aktuellen Standort nicht wie üblich mit lautstarkem Gebimmel mit, sondern digital - mit Hilfe des Adress-Service What3Words. Dieser teilt die Welt in kleine Quadrate ein und erlaubt so eine präzise Ortung mit Hilfe von drei Worten. Ein Eiswagen, der sich am Strand oder einem Park aufhält, lässt sich so mit Hilfe eines Smartphones wesentlich präziser lokalisieren.

"Eiscreme ist in der ganzen Welt beliebt, aber immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber, wie solche Köstlichkeiten produziert werden und wie sie uns erreichen", erläuterte Nissan-Managerin Kalyana Sivagnanam bei der Präsentation des Prototypen den Zweck der Entwicklung. Aussagen über eine geplante Serienfertigung machte sie allerdings ebenso wenig wie über den Preis eines solchen Öko-Eiswagens.

Billig wird es sicher nicht. Der Preis für eine Kugel Öko-Eis in der Geschmacksrichtung "Butterscotch" ist jetzt schon happig: 2,20 Pfund, umgerechnet knapp 2,50 Euro.

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