Ein Auto zum Zusammenstecken

Ein Auto zum Zusammenstecken

Carsharing mal anders: Beim "Snap" besitzt man nur die Fahrerkabine. Dazu passende Plattformen mit Fahrwerk, Motor und Elektronik teilt man sich.

Carsharing | Von Susanne Frank

Autos stecken heute voller Elektronik. Die veraltet zwar schnell, ähnlich wie bei PC oder Handy. Anders als bei diesen Geräten kommt aber niemand auf die Idee, seinen Wagen deswegen schon nach zwei Jahren auszutauschen. Niemand – außer Frank Rinderknecht.

Der Schweizer Automobildesigner und Unternehmer hat ein Fahrzeug aus zwei Komponenten entwickelt. Der untere Teil (das "Skateboard") enthält den Antrieb und die gesamte Elektronik. Der obere Teil (der "Pod") ist variabel und kann individuell gestaltet werden. Beide Teile sind einfach zu verbinden: Sie lassen sich automatisch einschnappen. Deshalb trägt das Gefährt den Namen "Snap".

Auf der Consumer Electronics Show (CES) Anfang Januar in Las Vegas sorgte Rinderknecht mit diesem Projekt seines Unternehmens Rinspeed für Aufsehen. "Das Konzept löst ein Industrieproblem: Die IT entwickelt sich exponentiell weiter. Die Mechanik hingegen wird immer langlebiger", sagt der Schweizer. Betrachtet man die beiden Seiten voneinander getrennt, lassen sie sich viel besser nutzen.

Eigener Pod - geteilter Untersatz

Das Skateboard mit den werthaltigen Teilen soll nach den Rinspeed-Plänen möglichst rund um die Uhr im Einsatz sein. Auf die Antriebsplattform passt jede Art von Pod. Sie fährt damit von Einsatz zu Einsatz, und zwar selbstständig. "Das Konzept ist am sinnvollsten als autonomes Fahrzeug", sagt Rinderknecht.

Nach seinen Vorstellungen buchen Besitzer eines Pods den fahrenden Untersatz nur bei Bedarf im Netz. "Man könnte gleich mehrere Pods besitzen, je nach Anwendung“, sagt der Unternehmer. Einer könnte beispielsweise als Kabine für die Familie dienen, einer als Büroraum, ein anderer ohne Dach als Cabrio. Zudem könnten sich mehrere Menschen einen Pod teilen – als Kompromisslösung zwischen Besitz und Sharing. Die Fantasie des Snap-Erfinders kennt keine Grenzen: "Man kann in den Pod eine Sauna einbauen, die vor die Haustür kommt. Oder eine Arztpraxis, die zum Patienten fährt." Am Zielort angekommen entkoppeln sich die beiden Teile, und das Skateboard rollt selbständig zum nächsten Einsatz. Benötigt man erneut ein Fahrwerk für die Rückfahrt, bestellt man sich einfach einen neuen Untersatz herbei.

Amazon und Google statt VW & Co.

Entscheidend ist für Rinderknecht, dass die Technik auf diese Weise maximal ausgenutzt wird. Jedoch sollen die Untersätze eine nicht zu lange Nutzungsdauer haben. Nur auf diese Weise ist für ihn sichergestellt, dass voll vernetzte Elektrofahrzeuge nicht so schnell altern.

Vier Jahre hält er für eine vernünftige Lebensdauer von Pod-Batterie und Elektronik. Danach landen die Teile aber nicht auf dem Schrottplatz, wenn es nach Rinderknecht geht. "Man könnte sie dann noch stationär als Energiespeicher nutzen", sagt er.

Der 62-jährige Unternehmer gilt in der Autobranche seit Jahrzehnten als Visionär. Lange entwickelte er schnelle Flitzer, heute macht er sich viele Gedanken über die Mobilität der Zukunft. "Traditionelle Sportwagen sind für mich heute völlig unspannend", sagt der Schweizer. Er will mit dem Snap "ein völlig neues Ökosystem" für die Mobilität schaffen.

Das Konzept könnten viele Firmen als Produzenten von Ober- oder Unterteilen übernehmen. Die klassischen Autohersteller sieht der Schweizer dabei allerdings außen vor: "Die haben gar nicht die Möglichkeit, eine ausreichende Marktdurchdringung zu erreichen", sagt er. Rinderknecht glaubt eher an Konzerne wie Amazon, Google oder Alibaba als Anbieter.

Artikel teilen

Kommentare

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...