Deutsche Mondmission: Investor für PTScientists gefunden

Deutsche Mondmission: Investor für PTScientists gefunden

Was eine israelische Initiative von Enthusiasten - fast - geschafft hat, sollte doch auch Berliner Gründern gelingen: eine Sonde samt Rover auf den Erdtrabanten zu schicken. Doch dem Team um Robert Böhme ist zwischendurch das Geld ausgegangen. Jetzt gibt es mit dem Logistikunternehmen Zeitfracht einen neuen Investor.

Raumfahrt | Von Lothar Kuhn |

Am 11. April sah es fast so aus, als würde Israel die vierte Nation in der Geschichte der Menschheit werden, die eine Sonde auf den Mond landen lässt. Doch dann stürzte Beresheet im letzten Moment ungebremst auf die Oberfläche des Erdtrabanten. Trotzdem ist die Mission eine enorme Leistung, denn hinter dem Projekt steckt nicht eine staatliche Raumfahrtagentur, sondern eine gemeinnützige Organisation namens SpaceIL. Entstanden ist sie aus der Bewerbung für den 2007 gestarteten Lunar X Prize, den einst Internet-Riese Google sponsorte und der die private Raumfahrt fördern sollte.

Die maximal 20 Millionen Dollar Preisgeld hatten auch Robert Böhme gelockt - und erst recht die Aussicht, den Mond zu erobern. Der Berliner IT-Experte trommelte ein paar Freunde zusammen und bewarb sich. In ihrer Freizeit arbeiteten sie weiter an der Idee und gründeten die Part-Time Scientist. Aus dem X-Prize-Wettbewerb verabschiedeten sie sich irgendwann, den übrigens keiner der Teilnehmer gewonnen hat. Dafür fand Böhme Sponsoren wie Audi und gewann Aufträge etwa von Arianespace - doch im Juli ging das Geld aus, das Start-up PTScientist musste Insolvenz beantragen.

"Waren werden irgendwann auch im All transportiert"

Jetzt geht es aber doch weiter: Die Berliner Logistikgruppe Zeitfracht übernimmt die Firma und nennt sie in Planetary Transportation Systems (PTS) um. "Wir werden die ehrgeizigen Pläne der PTS weiterverfolgen und auch die Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR intensivieren, um die erste europäische Mondlandung voranzutreiben", erklärte jetzt Wolfram Simon-Schröter, Geschäftsführer der Zeitfracht Gruppe. Er will den deutschen Standort mit seinen 60 Mitarbeitern erhalten. Und hofft, ohne Verzögerung die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten fortzusetzen.

Bisher hatte PTScientist geplant, 2021 mit Hilfe der Rakete Ariane 64 das autonome Lande- und Navigationsmodul Alina und den kleinen Rover Audi lunar quattro auf den Mond zu bringen. Dazu hatte sich das Start-up erst im Mai mit dem europäischen Raumfahrtunternehmen Arianegroup verbündet.

Die Übernahme durch Zeitfracht kommt überraschend, weil das Unternehmen bisher nicht in der Branche aktiv ist. Die Logistik-Gruppe mit 900 Millionen Jahresumsatz und 3000 Mitarbeiter hatte vor kurzem für Aufsehen gesorgt, als sie den Buchlogistiker Koch, Neff und Volckmar übernommen hat, der viele Buchhandlungen in Deutschland beliefert. Zu Zeitfracht gehört auch die Luftfahrtgesellschaft Walter und der Charterflieger WDL Aviation. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Simon-Schröter, "Waren werden heute auch in der Luft transportiert und später auch im All". Daher sei der Erwerb von PTScientists eine "Investition in die Zukunft".

Böhme scheint weiter an Bord zu bleiben, laut Handelsregister zwar nicht als Geschäftsführer, seinem Linkedin-Profil zufolge aber weiterhin als "Advocate and Innovator".

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