Delft, wir haben ein Problem

Delft, wir haben ein Problem

Studenten der TU Delft wollten eine selbstgebaute Rakete bis an die Grenze zum Weltraum schicken. Das Projekt scheiterte. Warum sie ihren Mut trotzdem nicht verlieren.

Raumfahrt | Von Carina Winter |

Es ist der 26. Juli 2018, 3:30 Uhr morgens. Auf dem Gelände des spanischen Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik (INTA) nahe Madrid liegt Spannung in der Luft. Studenten der Technischen Universität Delft (TU Delft) blicken gespannt auf die Bildschirme, haben den Countdown im Visier.

Three, two, one... Go! Die Stratos III zündet, startet mit einem Feuerball in den Himmel. Knapp elf Kilometer rast die unbemannte Rakete mit fast 900 Metern pro Sekunde hinauf. Doch in der zwanzigsten Sekunde des Freifluges verstummt der Jubel am Boden. Die Stratos III zerfällt in ihre Einzelteile, kurz darauf versinken diese im Ozean.

Diese Szenen veröffentlichte die TU Delft vor wenigen Wochen auf YouTube. Kurz darauf folgte ein Online-Statement: Aufgeben werde die Studenten-Gruppe nicht, das Projekt Stratos IV steht bereits jetzt in den Startlöchern. Mit ihr will die TU Delft ihr ehrgeiziges Ziel erreichen, mit einer selbstgebauten Rakete in eine Höhe von 100 Kilometern zu fliegen - an die Grenze zum Weltraum.

Rakete aus Eigenproduktion

An der TU Delft, der ältesten Technischen Universität der Niederlande, können sich Studenten unter anderem mit Forschungen zu Raketen und Satelliten befassen. In der Studentenorganisation Delft Aerospace Rocket Engineering (DARE) haben sich mehr als 100 Mitglieder aus den Fakultäten Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau, Physik, Elektrotechnik und Industriedesign zusammengeschlossen und tüfteln seit inzwischen mehr als zehn Jahren an Stratos.

Der verunglückte Start der Stratos III:

In den vergangenen Monaten hatte DARE die dritte Raketen-Version Stratos III entwickelt, die Ende Juli in Spanien explodieren würde. Sie hat 28 Zentimeter Durchmesser - die komplette Konstruktion stammt von den Studenten, von der Elektrotechnik bis zum Design, selbst der Treibstoff: eine Mischung aus Paraffinwachs, Aluminiumpulver und dem Zuckeraustauschstoff Sorbit.

Lediglich der eingebaute Motor ist nicht in der TU entstanden. Bei ihm handelt es sich um einen DC-Motor von Faulhaber, einem Familienunternehmen aus der Nähe von Stuttgart. "Wir haben sehr wenig Platz in der Rakete, der Antrieb muss also möglichst klein und leicht, aber zugleich sehr stark und absolut zuverlässig sein", erklärt Jesse Hummel, Manager des Stratos-III-Teams. "Dabei ist das Modell von Faulhaber das einzige, das in die Stratos III hineinpasst und genügend Drehmoment liefert."

Studenten auf Rekordjagd

Bereits im Jahr 2009 startete in Schweden die erste selbstgebaute Rakete und bescherte der TU einen Rekord. Die zweistufige Feststoffrakete Stratos erreichte auf Anhieb 12,3 Kilometer, was zu jener Zeit der europäische Höhenrekord für Studentenraketen war. Im Oktober 2015 startete dann die weiterentwickelte Stratos II+ in Spanien.

Mit 21,5 Höhen-Kilometern brachen die Niederländer ihren eigenen Rekord. Doch die Freude über den Erfolg hielt nicht lange an. 2016 schaffte es die Studentengruppe Hybrid Engine Development aus Stuttgart, ihre Rakete auf 32,3 Kilometer zu bringen und den bestehenden Rekord zu brechen.

DARE war in Zugzwang: Die Mitglieder steckten die Köpfe zusammen, kombinierten das Wissen der Stratos und der Stratos II+ und entwickelten die Stratos III. Um nun den Hauptgrund für deren Scheitern zu finden, rekonstruiert die TU Delft gemeinsam mit INTA aktuell die verhängnisvolle Juli-Nacht. "Wir wollen beweisen, dass nicht nur große Unternehmen und Regierungsorganisationen Zugang zum Weltraum haben", heißt es. Der Ehrgeiz ist groß, das Stratos-IV-Team ist bereits gerüstet und bereit, mit eigenen Entwicklungen in neue Höhen vorzustoßen.

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