AEV: Modulares E-Auto aus Australien

AEV: Modulares E-Auto aus Australien

Zweisitzer, Taxi oder Lieferwagen: Das Start-up AEV Robotics stellt auf der CES in Las Vegas ein modulares Elektroauto vor, das mit vielen Pods bestückt werden kann.

Elektroautos | Von Dirk Kunde |

Wenn der Ausdruck Skateboard im Autobau irgendwo zutrifft, dann bei AEV Robotics. Die Einheit aus Batterie, Motoren und vier Rädern wirkt tatsächlich wie ein Rollbrett für Riesen. Doch was AEV Robotics erstmals auf der CES in Las Vegas zeigt, ist ein modularer Baukasten für Elektroautos.

"Wir haben unser Konzept drei Jahre lang hinter verschlossenen Türen entwickelt", sagt Shane Ambry, der Finanzchef des Start-ups aus Melbourne. Das privat finanzierte Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter und hat Ende 2018 für das japanische Unternehmen Teijin einen ersten Kleinwagen realisiert. Der steht auch auf dem Messestand. Das kompakte Fahrzeug hat Solarzellen auf dem Dach und wird über Induktion mit einer Bodenplatte des australischen Unternehmens Lumen aufgeladen.

"Wir verkaufen nicht an Endkunden, sondern haben Flottenbetreiber im Blick" erklärt Ambry. Die Kombination aus vier Motoren, Rädern, Batterie und Steuereinheit ist immer identisch, doch der Aufbau variiert. Es kann ein Taxi, ein Car-Sharing-Auto oder ein Lieferfahrzeug sein.

Kleiner Akku für Stadt-Einsätze

Ins Wettrennen um Reichweite steigen die Australier gar nicht erst ein. Die Batteriekapazität liegt wahlweise zwischen 15 und 30 Kilowattstunden (kWh). Das reduziert das Gewicht und reicht für eine Tagestour in der Stadt, je nach Anwendungsfall. "Ein Taxiunternehmen mit Wartezeiten könnte auch zwischendurch mit der induktiven Ladeplatte Energie aufnehmen", so Ambry.

Zu den Preisen seines Skateboards mag der Finanzchef nichts sagen. Doch im Gespräch spürt man den Stolz des Gründungsteams. In Australien gibt es keine Autofertigung mehr. Im Herbst 2017 schloss die zu General Motors gehörende Marke Holden die letzte Autofabrik in Down Under.

Die meisten Mitarbeiter bei AEV sind Ingenieure. Sie arbeiten vor allem am Batteriemanagement sowie der Schnittstelle, mit der Kunden ihre gewünschten Funktionen im Auto bestimmen können. Das System ist bereits auf autonomes Fahren ausgelegt. Die Daten der Sensoren verarbeitet das Drive-System von Nvidia.

Die Australier sind nicht die Einzigen, die Kosten- und Produktionsvorteile eines Baukastens nutzen. Auch die großen Autohersteller setzen darauf: Volkswagens ID-Reihe setzt auf den modularen Elektrifizierungsbaukasten, kurz MEB. Auch Daimler hat ein derartiges Konzept mit dem Namen Blue-Zero vorgestellt. Dabei hat man die Wahl zwischen drei Antriebskonzepten: batterieelektrisch, Brennstoffzelle und Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor als Range Extender.

Ambry ist überzeugt, dass ihr modulares System mit den individuellen Aufbauten, die er Pods nennt, eine Zukunft hat: "Für große Städte mit wenig Platz, sind unsere kompakten Fahrzeuge ohne Emissionen ein wichtiger Baustein zu mehr Lebensqualität und individueller Mobilität."

Gemessen am Besucheraufkommen auf dem Stand in der Autohalle, neben den großen Marken wie Daimler, Audi und Ford, treffen die Australier mit ihrem Skateboard jedenfalls einen Nerv.

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