Abendessen vom Schlingpflanzen-Teller

Abendessen vom Schlingpflanzen-Teller

Ein Münchener Start-up produziert nachhaltige Verpackungen und Papier aus exotischen Pflanzen. Besonders in China interessiert man sich für die Idee.

Leben | Von Susanne Frank

Der Unternehmer Pedram Zolgadri plant nichts Geringeres, als die Welt zu retten. "Mit unseren Produkten werden wir Geschichte schreiben", sagt der selbstbewusste 37-jährige. Gelingen soll ihm das mit einer exotischen Schlingpflanze. Die kann viermal im Jahr geerntet werden und liefert dabei Fasern mit einem hohen Anteil an Zellstoff. Zolgadri und seine Mitstreiter von "Leaf Republic" stellen daraus nachwachsende und kompostierbare Verpackungen, Einweggeschirr oder Folien her. Auch als Papierersatz können die Blätter dienen. Der Chef bezeichnet sein Münchener Unternehmen als "Forschungsprojekt", weil ständig an neuen Anwendungen getüftelt werde.

Am besten verkaufen sich derzeit Einwegbehälter aus Laubblättern. Auch die Blätter stammen von der Schlingpflanze und werden in Asien geerntet und nach München zur Verarbeitung gebracht. Dort werden sie ohne jeden Zusatzstoff in Form gepresst. Dann sind sie bis 90 Grad Celsius stabil und können für den Transport von Lebensmitteln verwendet werden. Gerade hat Aldi Süd sie als Partygeschirr unter dem Motto "Grün genießen" angeboten. Zehn Teller in unterschiedlichen Größen gab es für 5,99 Euro.

Vermarktung per Social Media

Für Pedram Zolgadri war das ein Riesen-Auftrag. Er stammt aus dem Iran und kam schon als Kind nach Deutschland. Eigentlich ist Zolgadri gelernter Filmproduzent, das Leben als Unternehmer reizt ihn aber offenbar mehr. So ungewöhnlich wie seine berufliche Laufbahn ist Zolgadris Art der Firmenführung. Das wichtigste Marketing- und Kommunikationsinstrument von Leaf Republic ist Facebook. Bestellungen, Werbung, Kundenansprache: Zolgadri erledigt fast alles über Social Media. Bestellungen gehen unter anderem über Amazon ein.

Gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Carolin Fiechter war er gerade im Fernsehen beim "Ding des Jahres" zu sehen. Nach solchen Auftritten explodieren die Bestellungen für die nachhaltigen Teller und Schüsseln aus Laubblättern. Das süddeutsche Start-up versendet sie aus der Zentrale in München in die ganze Welt.

Ziel ist ein Papierersatz

Der Absatz brummt, Zolgadri hat dennoch andere Pläne. "Eigentlich ist Einweggeschirr gar nicht das, was wir am liebsten anbieten", sagt er. Er träumt vielmehr von einem Papierersatz aus der Laubpflanze. Vom Toilettenpapier bis zum Taschentuch könnte das nachwachsende Produkt dort eingesetzt werden, wo heute noch Zellstoff aus Holz verwendet wird.

"Fast jedes Land könnte unseren nachhaltigen Zellstoff produzieren, dazu bräuchte man nicht wie heute große Wälder", erklärt der Unternehmer. Seine Schlingpflanze wächst in warmen Gegenden, zum Beispiel in Asien. Die Einsatzmöglichkeiten seiner Laubblätter bringen den Firmenchef ins Schwärmen: "Wir haben bislang sieben Produkte entwickelt, für die sich die Blätter einsetzen lassen." Textilien, Kunststoff-Ersatz für die Autoindustrie – das Laubmaterial macht alles mit.

Kein Wunder, dass aus China besonders großes Interesse für die Münchener Idee kommt. Bislang importiert die Volksrepublik gewaltige Mengen an Altpapier aus der ganzen Welt, um eigene Papierprodukte herzustellen. Wälder für Zellstoff gibt es in China kaum, dafür könnte künftig die Laubpflanze von Leaf Republic angepflanzt werden. Sie benötigt wesentlich weniger Platz als Baumplantagen und erneuert sich zudem viel rascher.

Ressourcenschonend und biologisch abbaubar

Eineinhalb Jahre habe man an der Züchtung der Schlingpflanze gearbeitet, sagt Zolgadri. In die Verarbeitung der Blätter haben die Tüftler noch einmal drei Jahre Forschung gesteckt. Heute hält das Unternehmen zwei Patente und hat zahlreiche Unternehmer- und Nachhaltigkeitspreise eingeheimst.

Der Markt wäre tatsächlich gigantisch. Die kompostierbaren und rasch nachwachsenden Folien aus der Schlingpflanze könnten zum Beispiel Plastikverpackungen ersetzen. Aldi und Rewe interessierten sich bereits für diese Möglichkeit, erzählt Zolgadri. Die Einzelhändler kommen immer stärker unter Druck ihrer Kunden, weil sie Obst und Gemüse in Einwegverpackungen aus Plastik verkaufen. Dessen Herstellung verbraucht nicht nur Erdöl, sehr oft landen die Behälter auch als Müll in Landschaft oder Meeren.

Laub-Behälter hingegen verrotten rasch und könnten im Biomüll entsorgt werden. Außerdem sind zu ihrer Produktion wesentlich weniger Energie und andere Ressourcen notwendig.

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