Warum ein Mann von Äthiopien nach Patagonien wandert

Warum ein Mann von Äthiopien nach Patagonien wandert

Paul Salopek läuft knapp 34.000 Kilometer von Afrika nach Südamerika. Dieselbe Strecke legten auch die ersten Menschen zurück. Warum tritt der Wanderer in ihre Fußstapfen?

Leben | Von Matthias Lauerer |

Die Zukunft liegt manchmal in der Vergangenheit. Denn bei all den smarten Ideen, die unsere Zukunft verschönern oder die der Menschheit bei der Lösung ihrer Probleme helfen, bleibt eine Frage stets offen: Wo kommen wir eigentlich her? Und wie wurden wir zu denen, die wir heute sind? Die Antworten darauf sucht seit Anfang 2013 der "National Geographic Fellow" und Journalist Paul Salopek – zu Fuß. Seine unfassbare Tour begann im äthiopischen "Great Rift Valley", das als Geburtsort der Menschheit gilt. Der US-amerikanische Reporter tritt also in die Fußstapfen der ersten modernen Menschen, die den afrikanischen Kontinent verließen, um so eine ihnen völlig unbekannte Welt zu besiedeln.

Diese immense Tour umfasst etwa 50.000 Jahre Menschheitsgeschichte – und 21.000 Meilen (rund 33.800 Kilometer) auf der Oberfläche des Planeten. Die Tour soll sieben Jahre dauern, 2020 kommt der US-Amerikaner wohl an. Salopek ging in Äthiopien los, weiter über die Steppen Zentralasiens bis nach China. Später folgt der Seeweg von Sibirien bis Alaska – und dann will Salopek über die gesamte Distanz der beiden Amerikas bis an die Südspitze Patagoniens marschieren.

Nach 1967 Tagen Wanderschaft ist er momentan mitten in Indien und schreibt: "Wir wandern durch die Thar-Wüste Indiens. Unsere Füße sinken in den Sand, die Farbe von geschliffenem Leder. Wir pausieren unter Khejri-Bäumen. Bei Einbruch der Dunkelheit taumeln wir erschöpft in das Dorf Harasar. Es ist ein kleiner Posten voller Steinhäuser, weit entfernt von jeder Stadt. Acht Pfauen stehen auf den acht Strommasten des Dorfes."

Nachdenken bei fünf Kilometern pro Stunde

Das Ziel seines "Out of Eden"-Projekts ist es, die Menschen und deren Gedanken wieder zu verlangsamen und ihnen so zu ermöglichen, intensiver, tiefer und schärfer über aktuelle Ereignisse nachzudenken. Denn manchmal ist es mit dem heute so gefeierten Reflex des "immer schneller" einfach nicht getan. Erst die ruhige Selbstreflexion erschaffe den Blick für Neues und die nötigen Innovationen. Salopek untersucht die wichtigsten globalen Geschichten unserer Tage – mit einer Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde. Ihm geht es um menschliche Konflikte, lokale Revolutionen, die grassierende Massenmigration, die Internetrevolution – und den Klimawandel.

Der Reporter ist nicht allein: Sein Publikum blickt ihm bei seinen Artikeln, Videos, Audios und Blogeinträgen stets über die Schulter. Die legendäre Forschungsgesellschaft National Geographic und die Knight Foundation finanzieren jene Feldarbeit – und den Journalismus des Projekts. Mehr über die Tour und den mutigen Wanderer finden Sie hier.

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