VW: "Wir möchten es den Kunden beweisen"

VW: "Wir möchten es den Kunden beweisen"

Jürgen Stackmann erklärt uns, warum er als VW-Marketingvorstand ausgerechnet an einem Berg in den USA mit einem Rennwagen ohne Reichweite für die künftigen Elektroautos aus Wolfsburg wirbt.

Elektroautos | Von Roland Löwisch

Herr Stackmann, mit dem I.D. R wollen Sie am Pikes Peak nicht nur den Rekord für Elektroautos knacken, sondern auch Emotionen in Sachen E-Mobilität wecken. Wofür ist so etwas gut?

In den vergangenen Jahren stand stets die rationale Ebene im Vordergrund: Reichweite, Lademöglichkeiten und ähnliches. Aber E-Autos machen Riesenspaß, sie bieten ein völlig neues Fahrerlebnis - das ist viel zu kurz gekommen. Ich kann das meinen Kunden immer wieder erklären. Oder ich kann es ihnen beweisen.

Warum gerade beim Rennen am Pikes Peak?

Fahrfreude, Tempo und Dynamik ist gerade am Pikes Peak gut zu erleben. Außerdem haben wir schon ein paar Mal versucht, den Berg als Schnellster zu bezwingen, und ich hoffe natürlich, dass wir es dieses Mal schaffen.

Geht es nicht auch um eine Verbeugung vor den amerikanischen Kunden?

Das Pikes-Peak-Rennen ist in seiner Bedeutung durchaus mit den 24 Stunden von Le Mans vergleichbar und somit ein globales Thema. Aber es findet natürlich in einem der Heimatländer der zukünftigen I.D.-Familie von VW statt – und dann noch in einem Land, das E-Mobilität durch Elon Musks Tesla noch viel positiver empfindet, als es woanders der Fall ist.

Aber dem Auto fehlt gerade das, worum es momentan in der Diskussion geht: Reichweite.

Stimmt. Der I.D. R ist ein Hochperformer, das Leben der I.D.-Familie beginnt mit einem maximalen Performance-Boost. Reichweite liefern wir mit dem Produkt nach, wenn die Autos wie I.D., I.D. Crozz und I.D. Buzz ab 2020 im Markt stehen. Wir haben noch zwei Jahre Zeit – in denen wird uns schon noch einiges einfallen, um das Reichweitenthema zu entkräften. Reichweite wird bei VW dann kein Thema mehr sein.

Haben Sie auch andere Möglichkeiten als Pikes Peak erwogen, um E-Mobilität im Motorsport einzusetzen?

Unser Motorsportteam hatte schon vor zwei, drei Jahren erste Ideen, den Elektroantrieb im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft einzusetzen. Aber letztlich war uns das nicht extrem genug. Und dann wurde in acht Monaten ein weltrekordverdächtiges Auto auf die Räder gestellt, das jetzt ohne jahrelange Tests und Absicherung startet. Das beweist: Die Marke ist im Aufbruch. Sie tut etwas, was niemand von ihr erwartet hätte.

Wie geht VW mit dem Thema Sound bei der I.D.-Familie um?

Beim I.D. R Pikes Peak werden Sie außen eine ganze Menge hören. Schon das Reglement fordert eine Dezibel-Schalluntergrenze, damit niemand über die Piste rennt und das Auto nicht hört. Auch bei der I.D.-Familie wird etwas zu hören sein – in der Großstadt reagiert der Mensch stark auf Geräusche. Aber unsere Kunden wollen keine künstlichen Motorensounds haben. Die wollen einen digitalen Klang haben, der zur Welt des E-Autos passt – sie ist mit der Klangwelt eines iPhones zu vergleichen.

Wie wird sich nach ihrer Meinung das Verhältnis von E-Motor zu Verbrenner künftig entwickeln?

Da gibt es nur Hypothesen. Sicher ist aber, dass sich das regional sehr verschieden entwickeln wird. Es wird Gebiete geben, in denen Elektroautos noch in den nächsten zehn Jahren die völlige Ausnahme bleiben werden. In China dagegen wird schnell elektrisiert wie auch in einigen europäischen Ländern. In Norwegen sind es jetzt schon 30 Prozent, die werden in den nächsten fünf Jahren auf 80 Prozent wachsen. Die Niederlande sind auf einem guten Weg, das wird das zweite Norwegen. Auch viele kleine Länder wie zum Beispiel Rumänien setzen auf Elektromobilität. Kleine Inseln wie die Bermudas erst recht: Eine Reichweite von 300 Kilometern deckt dort den Wochenbedarf. Für Deutschland gilt: Wenn Produkte vorhanden sind, die richtig scharf sind und die man haben will, dann wird sich das durchsetzen. Unsere Untersuchungen zeigen: In nur einem Jahr ist die Denke „Ich könnte ein E-Auto fahren“ bei unseren Versuchspersonen um zehn Prozent gewachsen. Mit der Aufklärung, die wir liefern, werden es noch einmal zehn Prozent mehr sein.

Müssen wir dem klassischen GTI dann irgendwann adieu sagen?

Ganz im Gegenteil. Der GTI ist bei uns Teil des Markenkerns. Die Frage ist: Macht ein elektrischer GTI Sinn? Wir meinen: Ein GTI ist stark geprägt durch seinen Benzinmotor. Deshalb werden wir uns wohl eher etwas Neues ausdenken im Bereich Elektro-Performance. VW ist groß genug, eine Reihe von Feldern parallel zu bedienen.

Werden Sie auch selbst in den Genuss kommen, irgendwann einmal den I.D. R Pikes Peak zu fahren?

Wenn er zurück in Deutschland ist, lasse ich mir das nicht nehmen. Und wenn es nur geradeaus auf der VW-Südstraße in Wolfsburg ist. 

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