VW-Chef Müller: E-Autos fördern statt Diesel subventionieren

VW-Chef Müller: E-Autos fördern statt Diesel subventionieren

Tschüss Dieselsubvention. VW-Chef Müller läutet zu Weihnachten das Elektro-Zeitalter ein - mit einem Abgesang auf den Selbstzünder. In der Branche schockt er damit aber niemanden mehr.

E-Mobilität

Der VW-Konzern ohne Dieselantriebe? Was noch vor Jahren kaum vorstellbar war, deutet sich nun an: "Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass wir Sinn und Zweck der Dieselsubventionen hinterfragen sollten", sagte Konzernchef Matthias Müller nämlich den Kollegen vom Handelsblatt.

Dahinter steckt natürlich Eigeninteresse: "Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden", setzte er gleich nach.

Die Subvention scheint ohnehin unverständlich: Ökologisch vorbildlich ist der Diesel mittlerweile nicht mehr. Und welches Argument kann die nächste Regierung, welche Farben sie auch immer tragen wird, ins Felde führen, ausgerechnet diesen Treibstoff gegenüber Strom, Gas oder Benzin zu bevorzugen? Eben. Dass Müller dann eine "Förderung umweltschonender Antriebstechniken" fordert, ist ökologisch sicherlich richtig, ökonomisch aber ein ähnlicher Fehler. Doch nur dann könne VW die Verkehrswende "aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen", so Müller.

Existenzbedrohend ist die Verkehrswende für Volkswagen sicherlich nicht. Das haben ja noch nicht einmal die manipulierten Abgasanlagen geschafft. Und auch andere Unternehmen bleiben entspannt. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth beispielsweise, welcher der DPA heute sagte: "Richtig ist, dass ein sehr langer Übergang stattfinden wird, dessen Dauer und Intensität im Moment keiner vorhersagen kann."

Aber: Den Verbrenner werde es eine Weile weiter geben, es gebe keinen Grund zur Angst und im Oktober hatte der Konzern seinen 130.000 Stammbeschäftigten schließlich auch eine Jobgarantie bis 2029 (!) ausgesprochen. Existenzangst klingt anders.

Blaue Plakette für Städte

Auch von Carsharing, Carpooling oder anderen Mobilitätsdienstleistungen sieht Porth sich nicht bedroht: "Wenn man das anbieten will, braucht man immer noch ein Auto." Idealerweise aber ein sauberes, da sind sich die Auto-Bosse einig: VW-Chef Müller fordert deshalb neben dem Subventionsausstieg auch eine Blaue Plakette, die modernen, vergleichsweise sauberen Selbstzündern die Fahrt in die Innenstädte erlaubt. Er hofft so, Fahrverbote für alle Diesel-Fahrzeuge zu verhindern.

Das bringt FDP-Fraktionsvize Michael Theurer auf die Palme: "Denn VW hat maßgeblich den Dieselskandal verursacht, für den die Autofahrer in Deutschland teuer bezahlen müssen", sagt er. Deshalb dürfe es keine Blaue Plakette geben.

Nur ist noch gar nicht klar, ob deutschen Autofahrern durch die manipulierten Werte wirklich Kosten entstehen - die Dieselsubvention zieht den Menschen aber schon heute Geld aus der Tasche: Auf 7,8 Milliarden Euro an Steuern pro Jahr verzichtet der Fiskus, so Zahlen des Bundesumweltamts. Auch wenn davon nicht nur die Diesel-Fahrer profitieren und diese zudem mit höheren KFZ-Steuern belastet werden - Subventionen von anderthalb Milliarden Euro bleiben übrig.

Auch wenn der Regierungssprecher die Subventionen am Montag postwendend verteidigte - das Geld wäre woanders sicherlich besser aufgehoben. Einen Vorschlag macht Daimler-Vorstand Porth: "Viele Politiker fliegen in die USA ins Silicon Valley oder nach Tel Aviv, gucken sich das an und sind ganz begeistert vom Gründergeist und der Energie dort", sagt er.

"Aber wenn sie dann zurückkommen, ändern sie nichts an den Rahmenbedingungen hier, die mit starren Arbeitszeitgesetzen und überbordender Bürokratie nicht gerade innovationsfreundlich sind." Start-up-Paradies statt Subventionsstaat - wer hätte gedacht, dass solche Vorschläge eines Tages nicht von der FDP, sondern von DAX-Vorständen kommen würden.

(Mit DPA)

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