„Vielleicht fusionieren Formel 1 und Formel E irgendwann“

„Vielleicht fusionieren Formel 1 und Formel E irgendwann“

Nico Rosberg war einst König der Motorsportler. Heute ist er Investor, Geschäftsmann und Gründer des Greentech Festivals, das am Rande des Formel-E-Rennens in Berlin stattfand – eine große Bühne für nachhaltige Innovationen. Im Gespräch erzählt er, was er mit der Veranstaltung künftig noch vorhat und was das eigentlich Besondere an der Formel E ist.

Formel E | Von Lothar Kuhn |

Zehn Jahre lang raste Nico Rosberg in der Formel 1 im Kreis herum – bis er endlich 2016 im Mercedes Weltmeister wurde. Kurz danach erklärte er seinen Abschied aus dem Rennzirkus.

Ganz ließ ihn der Motorsport aber nicht los: Er kommentiert für den Fernsehsender RTL Formel-1-Rennen und beteiligte sich 2018 finanziell an der Formel-E-Meisterschaft der FIA, der mächtigen Fédération Internationale de l’Automobile mit Sitz in Paris, die sich für den Automobilsport engagiert. Mit der Rennserie hat sich der Verband auch für die Elektromobilität geöffnet.

Die Formel E ist längst nicht das einzige Investment des 33jährigen Deutsch-Finnen Rosberg. Er hat sich mittlerweile bei einer Reihe von Start-ups aus der Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsszene beteiligt. So etwa beim bayrischen Flugtaxi-Entwickler Lilium oder dem britischen Navigationsanbieter What3Words. Dieses Engagement brachte ihm 2018 die Auszeichnung als „Unternehmer des Jahres“ der Green-Tec-Awards ein – und die Bekanntschaft der Gründer dieser Veranstaltung, Marco Voigt und Sven Krüger. Die beiden haben den Umweltpreis samt Gala 2008 ins Leben gerufen.

Nach der Preisverleihung kamen Rosberg, Voigt und Krüger ins Gespräch - und irgendwann sprang der Funke über. Die drei beschlossen, die Green-Tec-Awards zu einem ganzen Greentech Festival auszubauen: mit einer Konferenz, einer Ausstellung und einer Preisverleihung rund um grüne Zukunftstechnologien, von Mobilität über Energie bis Lifestyle. Als Termin nutzen sie – nicht ganz zufällig – den Formel-E-Lauf in Berlin Ende Mai auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Wir hatten die Gelegenheit, während des Greentech-Festivals mit Rosberg über seine Pläne zu sprechen.

Herr Rosberg, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des Festivals?

Das Wichtigste: Wir haben ganz viel positive Resonanz erhalten. Die Teilnehmer haben uns von vielen guten Eindrücken berichtet. Natürlich gibt es immer Herausforderungen bei solch einer Veranstaltung, aber es ist unser erstes Event. Wir sind im Großen und Ganzen zufrieden.

Was war für Sie ein Höhepunkt bisher?

Sicherlich der Vortrag des Wissenschaftlers Johan Rockström vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Er ist einer der führenden Klimaforscher weltweit und es war eine Ehre ihn hier zu haben.

Wie passen Konferenz, Ausstellung und Award zu Ihren übrigen Aktivitäten als Investor in der Start-up-Szene?

Da gibt es viele Überschneidungen. Einige der Firmen, an denen ich beteiligt bin, treten zum Beispiel hier auch auf etwa der Flugtaxi-Entwickler Lilium.

Aber ist das Greentech Festival eher ein philanthropisches Engagement oder wollen Sie mit dem Event auch Geld verdienen?

Beides. Es geht hier auch ums Geschäft, um Unternehmertum und darum, die Begeisterung für die Technik zu wecken. Und das Festival soll auch einen positiven Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft leisten. Daher das Motto „Celebrate Change“

Werden Sie also mit der Konferenz, dem Award Gewinn machen?

Das klappt noch nicht im ersten Jahr. Aber eines Tages schon, klar. Wir sind auch ein Unternehmen und wollen etwas verdienen.

Nun findet das Festival sicherlich nicht zufällig parallel zum Formel-E-Rennen hier nebenan auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens statt. Viele Anknüpfungspunkte sind bisher aber nicht zu spüren.

Das wird noch mehr werden, das Rennen geht ja erst los.

Tatsächlich steht die Greentech Exhibition auch für die Zuschauer des Formel-E-Rennens offen. Die Ausstellung befindet sich in einem Hangar direkt neben der Rennstrecke. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit für einen Abstecher in den Innovationszug der Deutschen Bahn, zu den Flugtaxis von Airbus, Lilium und der chinesischen Firma Ehang oder zum ersten Elektromotorrad der US-Traditionsmarke Harley-Davidson.

Wie viele Menschen am Ende durch die Ausstellung geströmt sind, verraten die Macher des Greentech Festivals nicht, sie sprechen von einigen Zehntausend. Auch die Vertreter der Formel E nennen keine genauen Zahlen, sagen aber, das Rennen sei ausgebucht gewesen – und dementieren eine Größenordnung von 50.000 Zuschauern nicht.

Bei der zweitägigen Greenleader Conference mit ihren rund 1100 Teilnehmern und 65 Rednern spielte die Formel E ebenfalls nicht wirklich eine Rolle. Zwar hielt Jean Todt, FIA-Präsident und damit Oberboss der Rennserie, einen Vortrag. Bei dem ging es aber um Verkehrssicherheit. Bei der feierlichen Verleihung der Green Awards am Abend mit nochmals 1000 geladenen Gästen und viel Film- und Fernseh-Prominenz trat immerhin Alejandro Agag im weißen Anzug auf, Gründer und Promotor der Formel E.

Sie sind sowohl bei der Formel E investiert wie auch beim Greentech Festival. Liegt es da nicht nahe, beide Formate stärker miteinander zu verbinden.

Das ist eine Diskussion, die man führen muss. Es macht voll Sinn, neben dem Rennen noch etwas Cooles drumherum zu bauen. Wir müssen schauen, was für beide Seiten passt. Aber natürlich ist das eine Möglichkeit.

In die Formel E steigen immer mehr Autohersteller ein, die sicher hohe Erwartungen haben, was Reichweite und Wirkung des Rennens angeht. Wenn die Konzerne jetzt mit dem großen Geld einsteigen, droht nicht der ursprüngliche Charme der Serie, das Nahbare, das Dichtdransein verloren zu gehen?

Ja, da muss man aufpassen. Die Nahbarkeit ist eine große Stärke, bei dem ganzen Geld, das jetzt durch die Hersteller hereinkommt. Aber das wissen die und ist ihnen bewusst. Die Rennen müssen ganz familienfreundlich sein. Aber die Locations in den Städten erlauben das auch. Die Besucher können so spontan sagen, heute ist die Formel E, lass uns mal mit den Kids hingehen.

Das Nahbare entsteht ja auch, weil die Besucher und Zuschauer mit dem Fan-Boost über die sozialen Medien in das Renngeschehen eingebunden sind und einem Fahrer einen Vorteil verschaffen können. Müssten Sie das nicht ausbauen?

Das Spielerische macht die Formel E aus und so erreicht man auch eher die Jugend. Junge Leute lieben Computerspiele und Social Media und mit ihnen können wir diese Gruppe für den Rennsport begeistern.

Wie wird sich das Verhältnis von Formel 1 zu Formel E entwickeln? Muss die Formel 1 immer nachhaltiger werden? Lösen die Elektrorenner irgendwann die Verbrenner ab?

Nein, das wird nicht passieren. Die Formel 1 wird immer der König des Motorsports bleiben, wo die Gladiatoren unterwegs sind. Die Formel E ist etwas Separates. Hier ist der Technologie-Transfer von der Rennstrecke in die Serienautos viel, viel stärker. Das ist unglaublich. Wenn Mercedes hier einen Elektromotor entwickelt, landet der zwei Jahre später im Fahrzeug, das wir kaufen können.

Vielleicht muss sich die Formel 1 aber auch einmal Gedanken über Elektromobilität machen, wenn um sie herum nur noch E-Fahrzeuge unterwegs sind. Vielleicht ist eine Fusion dann eines Tages der richtige Weg.

Sie haben vorhin auf der Bühne lachend gesagt: Vielleicht sehen wir uns demnächst in New York. War das wirklich nur ein Scherz?

Ja, es war ein Witz. Aber natürlich ist es eine Möglichkeit, die wir diskutieren müssen, ob wir mit Modulen oder dem ganzen Format zu anderen Rennen reisen. Das bietet sich an und wäre auch spannend.

Gibt es schon Gespräche?

Nein, jetzt machen wir erst einmal hier das erste Event und dann müssen wir diskutieren, wohin die Reise weiter geht.

Wenn Sie fünf Jahre weiterschauen, wo soll dann das Greentech Festival stehen?

Ich fände es klasse, wenn es dann die globale Plattform der großartigsten Innovationen für unseren Planeten und der Macher dahinter ist. Das wäre ganz, ganz toll, wenn wir eines Tages diese Position hätten. Und das noch Zuhause in Berlin. Das Event von hier aus zu internationalisieren, bietet sich voll an – alle lieben Berlin.

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