Umweltschutz: Hunde retten Chiles Wälder

Umweltschutz: Hunde retten Chiles Wälder

In Chile verteilen drei Border Collies Pflanzensaat in von Waldbrand betroffenen Gebieten und sorgen so dafür, dass das Land wieder aufblüht.

Umweltschutz | Von Matthias Lauerer

Die Idee ist genial und wohl auch einzigartig: In einem Landesteil Chiles haben drei Border Collies die Aufgabe bekommen, ein wegen schwerer Feuer erkahltes Terrain wieder zu begrünen. Ausgemachtes Ziel: Die alte Blumen- und Baumpracht wiederherstellen. Im Frühjahr 2017 tobten die heftigsten Brände in der Geschichte Chiles. Hunderte Feuer zerstörten die Wälder, der durch das Feuer entstandene Schaden liegt bei mindestens 400 Millionen Euro. Zwischen Januar und Februar erlebt die Landesmitte die schlimmste Welle: Mehr als 580.000 Hektar standen in Flammen, wie die staatliche Umweltbehörde "Conaf" später ermittelte.

Die Bewohner fanden nach Erlöschen der Flammen ein düsteres Bild vor: Abgesehen vom Schaden an Gebäuden, Infrastruktur und den mit kostbarer Flora dichtbewachsenen Grundstücken starben mindestens elf Menschen und Tausende Tiere. Der bisherige Lebensraum der Tierarten war ausradiert. Füchse, Kaninchen, Mäuse, Eidechsen und alle Arten von Vögeln und Insekten verloren ihr Habitat. Nach Angaben des Umweltministeriums waren fast 185 Tierarten betroffen. Jetzt gibt es eine staatliche Untersuchungskommission, die der Frage nach dem "Warum?" nachgeht. Denn viele Feuer wurden absichtlich gelegt. Immerhin: Etliche Brandstifter sitzen bereits in Haft oder warten auf die Verhandlung. Auch marode Stromleitungen waren für die Katastrophe mitverantwortlich.

Hunde-Gärtner mit Rucksäcken

Heute versucht Francisca Torres den pflanzlichen Neustart auf kreative Art und Weise: Drei Hunde mit speziellen Baumwollrucksäcken sollen die kahlen Flächen wieder erblühen lassen. In die Rucksäcke sind für die Region passende Pflanzen- und Baumsamen gepackt. Mit ihnen auf dem Rücken ziehen die Tiere durch die verwüsteten Flächen. Fertig ist die Wiederaufforstung mit zwölf Hundepfoten.

Der erste Einsatzort findet sich ungefähr 20 Kilometer von der Stadt Talca entfernt. In der Kommune Maule probiert Torres ihre Idee aus. Die 33-jährige Hundeausbilderin und Trainerin arbeitet für die Organisation "Pewos". Dabei war es ein Nachbar, der Torres zum Grübeln brachte. "Eines Tages sagte mir der Pferdebesitzer aus der am stärksten betroffenen Gegend, dass alles verbrannt sei. Es gäbe nun nichts mehr, um seine Pferde zu füttern."

Die pfiffige Idee nahm Gestalt an, aber natürlich gab es auch einige Zweifler. "Als wir die Idee vorschlugen, hieß es, dass der Boden doch zu sauer wäre", sagt Torres. "Wir hörten alle Arten von Kritik, aber beschlossen, es zu versuchen. Niemand wollte uns helfen." Etliche Briefe, die sie an Regierungsbehörden schrieb und darin um Hilfe bat, blieben unbeantwortet. Keiner kümmerte sich - außer den Torres-Geschwistern. "Wir haben das freiwillig gemacht - und eine Menge Zeit in das Projekt investiert. Uns ging es nicht um Geld, sondern um Unterstützung."

Bis zu 20 Kilometer legen die Tiere am Tag zurück

Heute streichen die drei Hündinnen "Das", "Summer" und "Olivia" immer wieder durch das unwegsame Gelände und verteilen dabei Blumensaaten wie Löwenzahn oder Baumsaaten wie die Araukania oder den Quillay. Diese Baumsorten wachsen zwar langsam, sind aber in der chilenischen Region heimisch. Sind die Samen zu Boden gesegelt, übernimmt die Natur die Kontrolle.

Jeden Tag laufen die Tiere 15 bis 20 Kilometer. Der Trick: Die Hunde kennen menschliche Kommandos und haben ein ausgiebiges Training absolviert. Daher traben sie genau an die Orte, an die sie ihre Trainerinnen senden. "Der Gehorsam der Tiere ist sehr wichtig. Andere Hunde wittern ein Kaninchen oder einen Fuchs und verschwinden. Dann landen die Samen nicht dort, wo sie hingehören", sagt Torres. "Außerdem besitzen diese Tiere die Fähigkeit, deutlich weitere Strecken zu laufen, als wir."

Zwar lässt sich jede Hunderasse trainieren, doch einige besitzen eine höhere Lernfähigkeit als andere Tiere. "Es gibt Hunde, die sehr intelligent darin sind, ihre eigenen Probleme zu lösen. Zum Beispiel Terrier, die nur schwer abzurichten sind. Es geht darum, dass der Hund etwas tut, was man von ihm möchte. Terrier tun in der Regel Dinge, die sie selbst mögen", sagt Trainerin Torres. Das ist bei Rassen wie Labrador, Golden Retriever oder Border Collies anders.

Chile ergrünt wieder

Zudem passen den Collies die selbstentwickelten Rucksäcke perfekt. Das Musterexemplar des Gepäckstücks stammt aus dem Laden, doch wurden die Backpacks so präpariert, dass die Samen nach und nach aus den Taschen purzeln. "Das System, wie die Samen aus dem präparierten Rucksack bis auf die Erde gelangen, ist komplett von uns erfunden und entwickelt worden. Uns kam gar nicht in den Sinn, dass das so gut funktionieren könnte", sagt Torres.

Blickt man auf das Resultat des Projekts, so gibt ihnen die Pracht heute recht: Das satte Grün sticht ins Auge und dazwischen leuchten immer wieder bunte Blumenfarbtupfer auf. Die Ergebnisse sind spektakulär - und ziemlich schnell. Erst Ende März 2017 wurden erste Samen verteilt. Auch Vögel und Kaninchen leben wieder im Gebiet. Kommen jene Tiere zurück, folgt auch der Fuchs. Und das Leben nimmt seinen natürlichen Lauf.

Wiederaufforstungen durch Border Collies sind eine Pioniertat. Doch wie geht es nun weiter in Chile? Was planen die Geschwister Torres? "Ich hoffe, dass bis Ende 2018 noch mehr Blumen und Bäume für Bienen und andere Insekten keimen und wachsen werden. Ich bin sehr glücklich", sagt Francisca Torres. Sie, ihre Schwester Constanza Torres und die drei Hundedamen werden weiter dafür sorgen, dass das Grün in die chilenischen Wälder zurückkehrt.

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