Steuervorteil elektrisiert Dienstwagenfahrer

Steuervorteil elektrisiert Dienstwagenfahrer

Seit der Gesetzesänderung ist das Interesse am Elektromobil spürbar gestiegen. Viele Großunternehmen reagieren darauf und bauen ihre Fuhrparks um. Hilfestellung leisten ihnen dabei Dienstleister wie NewMotion und Arval.

Elektroautos | Von Franz W. Rother |

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Der Fuhrpark kann sich sehen lassen: Rund 800 Dienstwagen nutzen die Führungskräfte der französischen Großbank BNP Paribas für Fahrten zu ihren Kunden in Deutschland. Angetrieben wurden die Fahrzeuge in der Vergangenheit, na klar, fast ausschließlich von Dieselmotoren. Doch die Dieselära geht nun auch hier allmählich zu Ende - die Diskussion über den Klimawandel und die Belastungen der Luft in den Großstädten mit Schadstoffen waren für das Unternehmen Anlass, eine Energiewende einzuleiten - und die Flotte auf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben umzustellen. Künftig werden den Manager in jedem Anwendungsszenario neben konventionell angetriebenen Dienstwagen auch solche mit Elektro-, Hybrid- oder Erdgasantrieb vorgeschlagen. "Gut sechs Monate" dauerte die Umstellung, erzählt Katharina Schmidt, die das Projekt bei den 13 Geschäftseinheiten der BNP Paribas Gruppe in Deutschland verantwortete. „Bereits in den nächsten zwölf Monaten können wir mit diesem Schritt nun bis zu 21 Tonnen-CO2 sowie einen sechsstelligen Betrag bei den Betriebskosten einsparen", freut sich die Fuhrpark-Spezialistin, die als Head of Consulting bei der BNP Paribas-Tochter Arval in München große Unternehmen beim Management ihrer Fuhrparks berät. „Wir haben in Deutschland schon im vergangenen Jahr gesehen, dass die öffentliche Diskussion um den Diesel an Fahrt aufnimmt und das Interesse an alternativen Antrieben wächst“, erklärt Schmidt.

Geldwerter Vorteil besiegt Reichweitenangst

Und nicht nur bei BNP Paribas nimmt die Energiewende - weg vom Diesel hin zu Fahrzeugen mit alternativen, emissionsfreuen Antrieben - Fahrt auf, erfährt EDISON auf der "Flotte", der Messe der Flottenbranche in Düsseldorf.

"In vielen Unternehmen gibt es eine verstärkte Nachfrage von Dienstwagen-Nutzern nach einem Elektroauto oder einem Auto mit Hybridantrieb", weiß Andrew Han, Sales Manager von NewMotion Deutschland. Das Unternehmen aus den Niederlanden betreibt das aktuell größte Roaming-Ladenetz in Europa mit über 100.000 Ladepunkten in 28 Ländern Europas und ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner für Flottenbetreiber, die ihren Kunden nicht nur Ladelösungen im öffentlichen Raum, sondern auch in Firmenzentralen und Privatgaragen anbieten möchten. Jüngster Großkunde ist die Daimler-Töchter Athlon Car Lease sowie Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland: Wer über die Unternehmen ein Elektroauto least, kann in Zukunft den Ladestrom bequem mit Hilfe einer Ladekarte von NewMotion zapfen oder die Stromlieferung an der heimischen Wallbox mit seinem Arbeitgeber abrechnen.

Beflügelt wird das Geschäft in Deutschland derzeit durch eine Gesetzesänderung: Seit Jahresbeginn hat sich der geldwerte Vorteil, der bei der privaten Nutzung des Dienstwagens zu versteuern ist, bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb halbiert. Statt ein Prozent des Brutto-Listenpreises wie beim Diesel oder Benziner muss der Nutzer eines Plug-ins (mit wenigstens 50 Kilometer elektrische Reichweite) oder eines batterieelektrischen Dienstwagens monatlich nur noch 0,5 Prozent ans Finanzamt abführen. Diese Einsparung von 200 oder auch 400 Euro im Monat falle bei vielen Dienstwagennutzern inzwischen stärker ins Gewicht als die Angst, mit leerem Akku auf einsamer Landstraße liegen zu bleiben, berichtet Han: "Mit der eingesparten Summe kann man dann schön Urlaub machen." Insofern sei die Gesetzesänderung ein voller Erfolg. Dass diese Förderung nur für drei Jahre gilt, spielt keine Rolle: Elektroautos werden von Flottenbetreibern meist nur bis zu drei Jahre geleast, weil diese derzeit noch das Restwertrisiko scheuen oder die angekündigte Modelloffensive der Autoindustrie abwarten wollen.

Wallbox für daheim

Aber mit der Beschaffung des Fahrzeugs ist es bei Elektroautos nicht getan. Unternehmen, die derartige Fahrzeuge in ihre Flotte aufnehmen, müssen auch für Möglichkeiten sorgen, den schnell und komfortabel zu laden. Unterwegs, aber auch am Arbeitsplatz - und in der Privatgarage des Nutzers. Beim Benziner oder Diesel reicht eine Tankkarte, beim Stromer kommt zur Ladekarte oft auch noch die intelligente Wallbox. "Wir sorgen dafür, dass der Arbeitgeber die Stromkosten, die beim Laden daheim entstehen, rückvergütet", erläutert NewMotion-Manager Han das Geschäftsmodell seines Unternehmens. "Unsere Wallbox enthält einen geeichten Stromzähler. Nach jedem Ladevorgang sendet die Box die Verbrauchsdaten an unsere Cloud. Am Ende des Monats kriegt der Flottenbetreiber eine Gesamtrechnung - und der Dienstwagennutzer den Anteil des Autos am Stromverbrauch des Haushalts automatisch aufs Konto überwiesen." Wie Han andeutet, transferiert NewMotion inzwischen jeden Monat große Eurobeträge an Dienstwagennutzer in ganz Europa.

Erst informieren - dann motivieren

Die Energiewende im Fuhrpark ist für viele Unternehmen aber auch Anlass, die Car Policy unter Nachhaltigkeitsaspekten komplett neu zu definieren. Arval hat dafür die so genannten SMaRTMethode entwickelt - die nun bei der Muttergesellschaft erstmals angewendet wurde. Im ersten Schritt werden hier Nachhaltigkeitsziele definiert. Anschließend wird die aktuelle Car Policy analysiert, die festlegt, wer einen Dienstwagen bekommt, wie dieser genutzt werden darf und wie das Fahrzeug konfiguriert sein sollte. Das Regelwerk legt in der Regel auch fest, welche Modelle welcher Hersteller und welche Karosserie- und Antriebsformen erlaubt sind. Darauf folgte die Analyse der aktuellen Leasingverträge - und die Prüfung umweltfreundlicher Alternativlösungen.

Wichtig war es der Projektleiterin, die Betroffenen in den Geschäftseinheiten frühzeitig in den Prozess einzubinden, sie mit Wissen zu versorgen und darüber Verständnis für die Maßnahmen zu wecken. Schmidt: „Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Entsprechend wichtig ist es, alle Stakeholder bei einem solchen Mammutprojekt mitzunehmen." Zu dem Zweck wurden die Fuhrparkmanager von BNP-Paribas von ihren Arval-Beratern zu einem Tagesworkshop eingeladen.

Hier wurde der Ist-Zustand der Fuhrparks analysiert und die Fuhrpark-Richtlinien der Geschäftseinheiten miteinander vergleichen. Wie umweltfreundlich sind die Fahrzeuge, was kostet ihr Betrieb und wie zufrieden sind die Fahrer mit den Autos? Schnell stellten sich dabei Optimierungspotenziale heraus, schnell konnten die niedrig hängenden Früchte gepflückt werden: Verträge, die in den kommenden 12 Monaten auslaufen. Dort wurde geprüft, wo es Sinn macht, einen Diesel gegen Elektrofahrzeuge, Plug-In-Hybride oder gar Erdgasfahrzeuge auszutauschen. Nach der Definition von Wunsch und Wirklichkeit wandten sich die Teilnehmer des Workshops im dritten Schritt der Betrachtung der Gesamtkosten einer grünen Flotte zu. Die Analyse im Detail nahmen die Flottenmanager als Hausaufgabe mit an ihren Arbeitsplatz. „Die Auswahl an flottentauglichen Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ist aktuell zwar noch nicht groß“, sagt Arval-Managerin Schmidt. „Aber wenn man das Einsatzprofil genau kennt, lassen sich durchaus umweltfreundliche und wirtschaftliche Alternativen für konventionell angetriebene Fuhrparkfahrzeuge finden.“

Aber auch alternative Mobilitätslösungen bieten sich dann möglicherweise an. „Bei Mitarbeitern, die viel im Home Office arbeiten oder vornehmlich im Innenstadtbereich unterwegs sind, darf man getrost fragen, ob ein Dienstwagen noch gewünscht ist und Sinn macht“, so Schmidt. Alternative Lösungen könnten beispielsweise Fahrgemeinschaften sein oder die Nutzung von Car Sharing-Angeboten. Und manche Führungskräfte von BNP Paribas, kristallisierte sich bei den Workshops heraus, würden in Zukunft statt eines Dienstwagens lieber ein Mobilitätsbudget nutzen. Sie können dann je nach Bedarf zwischen einem E-Auto oder beispielsweise einem Bahnticket wählen.

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