Start-up mit Herz für gebrauchte Reifen

Start-up mit Herz für gebrauchte Reifen

Millionen fast neuer Gebrauchtreifen lagern in den Werkstätten. Das sei eine gigantische Verschwendung, so die Gründer des Münchner Start-ups Orbix. Sie verkaufen die ungenutzten Reifen per Online-Plattform.

Unternehmen | Von Susanne Frank

Gebrauchte Autoreifen? Da denkt der vorsichtige Fahrer sofort an abgefahrene und verschlissene Pneus. Die sind ein Sicherheitsrisiko und deshalb ein Fall für die Entsorgung. Kaum jemand weiß aber, dass in Werkstätten und bei Händlern Millionen von fast neuen Gebrauchtreifen lagern. Sie stammen von zurückgegebenen Leasing-Autos, von Vorführ- oder sogar von Neuwagen, die zur Auslieferung einen anderen Reifensatz bekamen. Als Vertriebsleiter im Autohandel sah Jürgen Benzinger Jahre lang, wie schwer sich Betriebe mit der Vermarktung dieses gewaltigen Materialbestandes tun.

Sein Anfang 2017 in München gegründetes Start-up Orbix nimmt dem Handel diese Arbeit ab – und verkauft die Reifen für bis zu 70 Prozent unter Neupreis an Privatkunden. Auch Autohersteller und -vermieter nutzen den Service inzwischen. "Viele Händler haben hunderte Reifen auf Lager, aber dafür keinerlei Bestandsmanagement", sagt Benzinger.

Diese Lagerverwaltung bietet Orbix nun mit einem IT-Tool an. Die eingegebenen Reifen, Räder oder Felgen erscheinen auf der Online-Plattform des Vermittlers, wo Endkunden günstig zuschlagen können. Über 100.000 Artikel stehen auf der Orbix-Seite – die meisten Reifen hätten ein Profil von über sechs Millimeter und weniger als 5.000 Kilometer Laufleistung.

Verschwendung von Material und Energie

Der Transport der schweren Ware zwischen Autohaus und Kunde geschieht über spezialisierte Dienstleister, Orbix gibt auf die Qualität der Reifen sogar eine Gratis-Garantie. Benzinger ist sicher, dass er damit keine Probleme haben wird. Er weiß, wie mit überschüssigen Reifen in der Regel verfahren wird. "Die lagern Jahre lang, bis sie überaltert sind und irgendwohin ins Ausland verschachert werden. Oder gleich entsorgt." Diese Erfahrung hat er immer wieder in Vertriebspositionen bei Händlern und Herstellern gemacht. Am Ende ist das eine gigantische Verschwendung von Material und Energie.

Die Vermarktung dieser Autoreifen blieb dennoch eine Aufgabe, an der selbst Großabnehmer scheitern. Sie gehört einfach nicht in ihr Hauptgeschäft. Auch bei den Autoherstellern fallen riesige Mengen an fast neuen Reifen an: Sie wurden zu viel eingekauft, liefen kurz auf Testwagen oder wurden vor dem Verkauf umgerüstet.

Autovermieter Sixt hat deshalb inzwischen die Vermarktung der Reifen von jährlich 30.000 Wagen an Orbix ausgelagert. In der Schweiz arbeitet das junge Start-up mit einer Vertriebstochter von Volkswagen zusammen. Reifen bekommt man im Internet übrigens reichlich. Neue und Gebrauchte, selbst auf Ebay stehen sie. "So bequem und detailliert wie bei uns bietet aber niemand Suche und Abwicklung", sagt Benzinger.

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