Spanien: Kreuzfahrt-Touristen sollen E-Bike fahren

Spanien: Kreuzfahrt-Touristen sollen E-Bike fahren

Millionen Kreuzfahrttouristen strömen in spanische Hafenstädte – ohne für viel Umsatz zu sorgen. Die Kommunen kontern mit Steuern, E-Bikes und Carpooling, um den Verkehr zu entlasten.

Schiffe | Von Stefanie Müller |

Spanien steht vor einem Dilemma. Auf der einen Seite gibt es immer mehr Proteste gegen den Massentourismus. Auf der anderen Seite lebt das Land von den Urlaubern. Allerdings haben einige Städte wie Palma und Barcelona langsam die Grenze des Erträglichen erreicht. Zu den Millionen von Touristen, die von den Stränden der umliegenden Ferienorte in die Kommunen strömen, müssen sie jetzt zusätzlich wöchentlich Tausende von Kreuzfahrtouristen durchschleusen. Nicht alle spanischen Häfen sind an die Metro angebunden. In Valencia zum Beispiel gibt es nur Busse oder Taxen als Transportmittel in die Innenstadt.

Auch wenn so mancher Bürgermeister "Mein Schiff" und "Costa Cruceros" am liebsten zum Teufel jagen würde, bringt diese Art des Urlaubens dem Land bereits zehn Prozent seiner Tourismuseinnahmen. 28.600 Menschen arbeiten in Spanien direkt oder indirekt für die Schiffe. Allein bis Juni dieses Jahres kamen 3,6 Millionen Kreuzfahrt-Touristen nach Spanien, das waren doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Vergangenes Jahr wurde die Rekordzahl von fast neun Millionen erreicht.

E-Bikes für die Kreuzfahrttouristen

Vor allem in Barcelona und Palma sorgt das Anlanden der Kreuzfahrer immer mehr für Ärger, weil die vielen Busse vom Hafen in die Stadt die Straßen verstopfen und die Urlauber oft nicht viel Geld in der Stadt lassen. Sie bekommen auf dem Schiff meist alles umsonst.

Zwar bieten fast alle Häfen inzwischen Elektrofahrräder an, um sich vom Schiff auf gesundem Weg in die Stadt zu bewegen, aber noch nutzen dieses Angebot zu wenige. Valencia bietet jetzt sogar mit Solarenergie aufgeladene Räder an. "Aber in Palma zum Beispiel gibt es nicht mehr als ein Dutzend. Vielen Kreuzfahrern im All-inclusive-Spirit ist das Ausleihen des Fahrrads schon zu teuer", sagt Jordi Villart, Tourismusexperte und ehemaliger Hotelier und Gastronom.

Städte wie Palma sind auch noch gar nicht vorbereitet auf Massen von Radlern. Es gibt kaum Fahrradwege, dafür viele enge Gassen und Fußgängerzonen. In der Hauptstadt der Balearen haben sich auch schon Leute beschwert, weil auf flachem Stadtgebiet die elektrischen Räder vermeintlich zu schnell fahren und Unfälle produzieren würden.

Barcelona steht vor dem Kollaps

Anlaufstelle Nr.1 der Kreuzfahrten in Europa ist derzeit Barcelona, wo schon ohne die rund 2,7 Millionen Kreuzfahrt-Touristen allein zwölf Millionen reguläre Besucher im Jahr durch die Stadt und das Umland laufen. Diese Invasion von Reisenden, die inzwischen durch den Kongress-Tourismus das ganze Jahr zu beobachten ist, hat auch zu enormen Preissteigerungen in der Gastronomie und bei Mieten geführt.

Nach Barcelona sind die Balearen der zweitbeliebteste Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe. Rund zwei Millionen Besucher kommen pro Jahr übers Meer nach Palma. Immer mehr Einheimische und Dauergäste dort haben – wie in Barcelona – Massentourismus dieser Art satt.

Es kommt immer mehr zu Protestaktionen und Demos der Einheimischen, welche die jeweiligen Regierungen zum Umdenken zwingen: "Diese Art von Urlaubern führen dazu, dass die Städte verkehrstechnisch zusammenbrechen", sagt Xavier Mas von der balearischen Organisation Terraferida, die auch gegen eine Überfremdung durch diese Invasion kämpft: "Es gibt Tage in Palma, wo wir in einer Stadt mit 440.000 Einwohnern auf einmal in wenigen Stunden mehrere Tausende zusätzliche Besucher verdauen müssen. Auch ohne die Kreuzfahrer haben wir bereits mit enormen Verkehrsproblemen rund um den Flughafen und vom Hafen in die Stadt zu kämpfen."

Die Umweltorganisation "Ecologistas en Acción" verurteilt zudem die Luftverschmutzung durch die mit Schweröl angetriebenen Schiffe, die in den Häfen bei der rund einstündigen Ein- und Ausfahrt hohe Schwefel-Emissionen produzieren. Strengere Abgasvorschriften sollen aber künftig für Entlastung sorgen und einen Schub für alternative Antriebe bringen.

Touristensteuer soll Schäden kompensieren

Auf den Balearen und in Katalonien versuchen die Regionalregierungen durch eine Touristensteuer die Flut ein wenig zu bremsen. In Palma werden seit Januar auch für Kreuzfahrttouristen drei Euro pro Tag und Person fällig. In Barcelona sind es 2,25 Euro. "Das Geld investieren wir nicht nur in Mobilitätskonzepte wie Elektroautos am Hafen, sondern auch in zusätzliche Busse, um die Menschen an der Stadt vorbei schnell zu Stränden zu fahren und auf diese Weise Barcelona zu entlasten", berichtet einer der Tourismus-Verantwortlichen der Stadt, Susana Suarez.

Co-finanziert werden viele der Mobilitätsinitiativen an den Häfen durch europäische Fonds. Valencia und Malaga haben mit diesen Mitteln Fahrradwege direkt in die Stadt gebaut und ein Carpooling für die Touristen am Hafen organisiert.

Malaga will zudem die Kreuzfahrttouristen ab kommendem Jahr mit kleinen selbstfahrenden Bussen in die Stadt bringen. Nachhaltige innovative Konzepte dieser Art für das Management von Kreuzfahrtouristen sind notwendig, da der internationale Branchenverband CLIA mit weiterem Zuwachs rechnet.

Übrigens gehören inzwischen die Spanier selber neben den Deutschen zu den europaweit eifrigsten Kreuzfahrern. Weit über eine halbe Million Menschen in Spanien nutzen jährlich diese Art des Urlaubs. Deutschland kommt auf über zwei Millionen.

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