Solar-Zug: Vom Museum auf die Gleise

Solar-Zug: Vom Museum auf die Gleise

In Australien zeigt die Byron Bay Railroad Company mit einem 70 Jahre alten Zug, wie der Schienenverkehr in Zukunft aussehen könnte.

Öffentlicher Nahverkehr | Von Robyn Schmidt |

Dass etwas "Zukunft und Tradition verbindet" ist ein viel zu oft genutzter Slogan, der auch noch ziemlich nichtssagend ist. Die Byron Railroad Company (BBRC) ist einer der ganz wenigen Fälle, wo er aber tatsächlich mal angebracht wäre. Denn die Wagons mit den Nummern 661 und 726, die zusammen den einzigen Zug des Unternehmens ausmachen, sind tatsächlich gleichzeitig geschichtsträchtig und zukunftsweisend.

Der BRC-Zug ist nämlich fast 70 Jahre alt – und fährt seit Dezember vergangenen Jahres vollkommen klimaneutral auf einer drei Kilometer langen Strecke in Byron Bay an der Westküste Australiens. Das schafft er dank angepasster Solarpanels auf seinem Dach und dem Dach seines Abstellhäuschens. Zusammen laden die Panels die Batterie an Bord des Zugs auf und stellen genug Energie für den gesamten Betrieb bereit. Außerdem regenerieren die Bremsen rund ein Viertel des verbrauchten Stroms, wenn der Lokführer sie betätigt.

Überschüssige Energie speist der Solar-Zug ins Stromnetz ein

Eine volle Ladung der Batterie reicht für bis zu 15 Fahrten entlang der Strecke. Diese ist sehr eben und hat nur eine einzige Kurve, so dass der Energieaufwand minimal ist. Sollte der Solar-Zug überschüssige Energie generieren, dann wird diese in das Energienetz eingespeist.

Anders herum erhält das Netz in langen Phasen ohne Sonnenschein zu 100 Prozent grünen Strom aus dem Netz von einem lokalen Energiebetreiber. Und für den allergrößten Notfall hat der Zug auch noch einen Dieselmotor an Bord. Dieser dient aber hauptsächlich dem Gleichgewicht des Zuges und kommt nur zum Einsatz, wenn die Elektrik aus irgendeinem Grund mal ausfallen sollte.

Die Umsetzung des Solar-Zugs war nicht ganz einfach. "Einen Zug auf Solarenergie umzurüsten war etwas ganz neues", sagt Jeremy Holmes, Development Director bei der Byron Bay Railroad Company.

"Es war eine Herausforderung, die einzelnen Komponenten aus aller Welt zusammenzutragen. Und sich komplett auf brandneue Technologien zu verlassen, ist immer auch ein Risiko." Außerdem musste der Zug irgendwie auf die vom restlichen Schienennetz abgeschnittene Strecke gebracht werden. "Wir haben die Wagons in zwei Spezialtrucks mit Anhängern transportiert. Das war nicht einfach, da jeder Wagon 35 Tonnen wiegt."

1949 zum ersten Mal auf den Gleisen

Die Byron Bay Railroad Company ist eine Non-Profit Gesellschaft, die es sich zum Ziel gemacht hat zu zeigen, wie man Zugverkehr umweltfreundlicher gestalten kann. Dazu gehört auch das Upcycling. Denn der Solar-Zug wurde ursprünglich schon 1949 in Sydney gebaut. Bis 1991 war er im Einsatz, seit 1995 stand er im Hof eines Minenmuseums. Die Gründer der BBRC suchten ein Jahr lang nach einem geeigneten Zug, bis sie ihn 2013 fanden und für ihr Projekt restaurieren durften.

Heute passen 100 Passagiere auf die Sitzplätze in den Wagons, weitere können im Stehen mitfahren. Auch für Fahrräder, Kinderwagen und – in Australien ganz wichtig – Surfbretter ist Platz. Auch die Strecke, auf der der Zug unterwegs ist, ist ein Reparatur-Projekt.

Die drei Kilometer lange Strecke war ungenutzt bis die Freiwilligen der BBRC sie wieder befahrbar machten. Dafür mussten sie auch eine Brücke wieder in Schuss bringen.

10.000 Passagiere nach 19 Tagen

Bisher fuhr der Zug nur in einem eingeschränkten Fahrplan, seit Januar ist er voll im Betrieb. Den Fahrplan will man im laufenden Betrieb anpassen, je nach Kundennachfrage. Die ist bisher weit größer, als BBRC erwartet hatte. 19 Tage nach der ersten Fahrt begrüßte das Team schon den 10.000ten Passagier an Bord. Deshalb wollen sie den Fahrplan ausweiten. Bisher fährt der Zug montags bis samstags immer zwischen 10 und 17 Uhr. Noch ist aber die Zahl der Lokführer beschränkt, da einige noch ihr Training vollständig abschließen müssen.

Die Gesellschaft hofft, dass der Solar-Zug als Startschuss für weitere ähnliche Projekte dient. Die Technologie sei gut für verschiedene Anwendungen adaptierbar. BBRC hat auch schon Angebote für weitere Projekte bekommen und Anfragen zur Beratung bei ähnlichen Unternehmungen. Als erstes sei man aber darauf konzentriert, die Pilotstrecke effizient zu bedienen und kostenneutral zu fahren.

Bei Preisen von weniger als zwei Euro für ein Ticket ist das gar nicht so einfach. Ein Glück, dass die Energiekosten so niedrig sind. Sonnenstrahlen gibt es schließlich umsonst und reichlich Down Under.

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