Ruanda: Elektrische Motorrad-Taxis für Kigali

Ruanda: Elektrische Motorrad-Taxis für Kigali

In den Straßen Ruandas tummeln sich Zehntausende umweltschädliche Motorrad-Taxis. Jetzt möchte ein Unternehmer drei Millionen Ostafrikaner stattdessen mit Elektro-Rollern ausstatten.

E-Mobilität | Von Catiana Krapp |

Dicke Rußschwaden ziehen durch die großen Straßen. Schwarze Wolken dringen aus den Auspuffen Zehntausender Motorräder, die täglich die vielen Hügel hoch- und runterrattern. In Kigali, der Hauptstadt des ostafrikanischen Staates Ruanda, sind Motorrad-Taxis für viele Menschen das wichtigste Verkehrsmittel. Vielerorts wimmelt es derart, dass man nur die Hand auszustrecken braucht, um einen Fahrer herbeizuwinken. Doch sie knattern und qualmen und schaffen es manchmal kaum die steilen Berge hinauf.

Die schlechte Luft in Kigali ist ein echtes Problem. Die Feinstaubkonzentration übersteige bei weitem die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), heißt es in einem Bericht der ruandischen Umweltbehörde REMA. Juliet Kabera, Generaldirektorin für Umwelt und Klimawandel im ruandischen Umweltministerium, spricht von resultierenden Atemwegskrankheiten. Die "Motos", die in Ruanda mit Abstand den höchsten Anteil an Verkehrsmitteln ausmachen, sind ein Teil dieses Problems – nicht nur in Kigali, sondern in ganz Ostafrika.

Inspiration aus China

Das könnte sich nun bald ändern. Jedenfalls, wenn es nach Josh Whale geht. Für die drei Millionen Moto-Taxi-Fahrer in Ostafrika will der Unternehmer elektrische Motorräder bauen. Die sollen nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch noch günstiger und leistungsstärker sein als die konventionellen, so das Versprechen.

Whales Moto-Taxi der Zukunft lässt sich in einer kleinen Garage in Kigali besichtigen. Es steht dort festgezurrt auf einem metallenen Messgerät. Auffällig ist vor allem das große Akku-Paket, das unter dem Sitz hängt. Davon und von dem strahlend weißen Blech abgesehen sieht das Gefährt den vielen Motos auf Kigalis Straßen ziemlich ähnlich.

Wer sich an dem E-Motorrad vorbei durch die Garage quetscht, gelangt in einen großen Raum mit Tafeln, Werkbänken und Schreibtischen. Hier arbeitet Whale zusammen mit sechs festangestellten Mitarbeitern seines ruandisch-amerikanischen Joint Ventures "Ampersand" an seiner Idee. Das Unternehmen hat er vor vier Jahren gegründet, die Idee dazu hatte er aber schon viel früher. Von 2007 bis 2011 habe er als Anwalt in China gearbeitet, erzählt Whale. "Dort habe ich beobachtet, wie die E-Scooter auf den Markt kamen und auf einmal super wirtschaftlich wurden. Und dachte mir: Warum passiert das eigentlich nicht überall?"

Bilder des Prototypen von Ampersand sehen Sie hier:

So ganz will sich Whale allerdings nicht an den chinesischen E-Scootern orientieren. "Diese E-Roller, die in China herumfahren, fahren in der Regel nur 40 Kilometer pro Stunde schnell und kommen nur 40 Kilometer weit und dann muss man sie für fünf bis acht Stunden aufladen", sagt er. "Für Moto-Taxis in Ostafrika geht das nicht. Die fahren 12 bis 14 Stunden und etwa 188 Kilometer pro Tag. Und sie müssen steile Berge hochkommen. Wir wollen ein Fahrzeug bauen, das alles kann, was bisher auch die Motos können."

Alternative zum teuren Sprit

Doch warum ist Whale ausgerechnet nach Ruanda gegangen? Weil es hier gute Marktverhältnisse gebe, sagt er. "In Europa und Nordamerika denkt man bei Elektrofahrzeugen an Tesla und Leute mit viel Geld. An die armen Leute in Afrika denkt man als Allerletztes. Es ergibt aber am meisten Sinn, dort Elektrofahrzeuge einzuführen, wo Benzin und Fahrzeuge besonders teuer sind und es ganz viele Fahrer gibt, die viele Kilometer am Tag fahren."

Tatsächlich ist Sprit in einem rohstoffarmen Land wie Ruanda, das rund 1500 Kilometer und mehrere Landesgrenzen vom nächsten Seehafen entfernt liegt, ein knappes und teures Gut. "Wir haben kein eigenes Öl", sagt die Umwelt-Generaldirektorin Kabera. "Wir importieren es über Kenia aus den arabischen Ländern. Das macht uns natürlich abhängig." Laut einer von Whales Team gestarteten Umfrage gibt ein ruandischer Moto-Taxifahrer umgerechnet etwa fünf Euro pro Tag für Sprit aus. Viel Geld in einem Land, in dem das Bruttoinlandsprodukt laut Weltbank im vergangenen Jahr bei umgerechnet 660 Euro pro Kopf lag.

Akku tauschen statt kaufen

Für Strom müssten Moto-Fahrer laut Whale voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Jahre bis zu fünfzig Prozent weniger ausgeben, als für Benzin. Whales Idee: Fahrer sollen seine E-Motos für umgerechnet rund 1170 bis 1400 Euro kaufen – so viel wie aktuell auch die normalen Motos kosten. Allerdings erwerben die Fahrer ihr Moto ohne den teuren Akku. Die Akkus sollen die Fahrer an Tankstellen ausleihen. Dort können sie sich gegen eine Gebühr einen vollen Akku abholen, diesen leer fahren und ihn danach gegen einen neuen, vollen Akku eintauschen. "Das Tauschen wäre vergleichbar schnell mit einem normalen Tank-Vorgang", sagt Whale. Aktuell plant sein Team, 20 Ladestationen in Kigali aufzubauen.

Noch finanziert sich das junge Unternehmen über eine Mischung aus Wagniskapital und Zuschüssen. Bei der ruandischen Regierung scheint die Idee aber schon mal gut anzukommen. Und Whale hat schon große Expansionspläne: "Wir wollen Tausende Jobs schaffen. Unser Büro hier ist jetzt eigentlich schon zu klein."

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