Powerbank fürs Elektroauto: VW baut mobilen Schnelllader

Powerbank fürs Elektroauto: VW baut mobilen Schnelllader

Das ging schnell: Ende Dezember kündigte VW an, 2019 eine mobile Ladestation testen zu wollen. Jetzt ist klar: Der Konzern baut die Powerbank für Elektroautos in Serie.

Laden | Von Sebastian Schaal | , aktualisiert

Der vielerorts zu langsame Ausbau der Ladeinfrastruktur ist einer der Gründe, weshalb viele Interessenten noch beim Kauf eines Elektroautos zögern. Einfach gesagt: Die Autobauer haben die Bedeutung des Ladens für den Kunden unterschätzt und sich beim Ausbau lange einzig auf Energieversorger und Stadtwerke verlassen. Nicht erst seit der Gründung des Schnellladenetzes Ionity ist klar, dass die Industrie jetzt auch das Laden ernst nimmt.

Volkswagen hatte Ende 2018 einen Ausblick auf ein Ladesystem gegeben, das in der Tat einige Probleme lösen könnte. Das noch namenlose System funktioniert im Prinzip wie eine Powerbank beim Mobiltelefon: In dem Lader selbst ist ein Batteriepaket mit einer Kapazität von 360 Kilowattstunden (kWh) verbaut, womit die mobile Ladestation auch unabhängig vom Stromnetz betrieben werden kann. Zum Beispiel auf öffentlichen Parkplätzen in der Stadt, auf Betriebsgeländen oder als temporär eingerichteter Ladepunkt bei Großveranstaltungen.

Bis zu 15 Elektroautos sollen mit einer Batterie-Füllung geladen werden können. Das erfolgt über zwei Gleichstrom-Anschlüsse mit jeweils 100 kW (am Beispiel eines e-Golf rechnet VW mit einer Ladezeit von 17 Minuten) oder zwei Wechselstrom-Anschlüsse, an denen auch E-Bikes geladen werden können. Sinkt der Akku-Stand unter 20 Prozent, muss die Ladestation wieder ans Netz oder der verbaute Batteriesatz wird ausgetauscht.

Die ersten mobilen Schnellladesäulen werden im Rahmen eines Pilotprojektes bereits im ersten Halbjahr 2019 in Wolfsburg aufgestellt und unterstützen dort den Aufbau einer Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet. Ab 2020 sollen die Lader dann in Serie gebaut werden – im VW Komponentenwerk in Hannover. "Der Aufbau der Ladeinfrastruktur ist entscheidend für den Erfolg der E-Mobilität", sagt Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der VW-Komponenten-Sparte. "Die von der Konzern Komponente entwickelte flexible Schnellladesäule kann hier einen wichtigen Beitrag liefern – das zeigt uns das große Interesse potenzieller Partner." Gleichzeitig schaffe man für das Komponentenwerk Hannover mit der Transformation des Wärmetauschers eine nachhaltige Zukunftsperspektive.

Die Produktion der flexiblen Schnellladesäule soll laut den Plänen ab 2020 in Hannover schrittweise die Fertigung des zum Geschäftsfeld Motor und Gießerei gehörenden Wärmetauschers ersetzen. Auch personell ist dieser Wechsel möglich: Ein Entwickler für Wärmetauscher nutzt sein Know-how künftig zum Beispiel für die Entwicklung von Batteriekühlsystemen oder für die Optimierung des Thermomanagements.

Parkplätze flexibel mit Ladestationen ausrüsten

Für Schmall ermöglicht die Flexibilität der Ladesäule mit Batteriespeicher einen neuen Ansatz für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. "So können zum Beispiel Städte lernen, wo die geeignetsten Plätze für einen festen Ladepunkt sind, bevor große Investitionen für den Netzausbau getätigt werden", sagt Schmall laut einer Mitteilung. "Zudem besteht die Möglichkeit, temporär eine größere Anzahl von Ladesäulen aufzustellen – genau dann und genau dort, wo sie gebraucht werden."

Bei einer Großveranstaltung wie etwa einem Konzert kann der Parkplatz so mit mobilen Ladestationen aufgerüstet werden, die bei kleineren Events womöglich (noch) nicht gebraucht werden.

Interessant wird es aber auch, wenn die Station fest mit dem Stromnetz verbunden wird. Durch den direkten Stromanschluss kann das Batteriepaket der Ladesäule rund um die Uhr nachgeladen werden. Dieses stetige Nachladen – und damit Puffern von Energie – reduziert zudem die Belastung des Stromnetzes zu Hauptzeiten deutlich. So lassen sich ohne bauliche Veränderungen oder großen finanziellen Aufwand schnell und einfach Ladepunkte für E-Fahrzeuge einrichten. Der Batteriespeicher kann auch als Puffer für Sonnen- oder Windstrom fungieren.

Technisch basiert die mobile Ladesäule auf dem Batteriepaket des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB). Das bietet einerseits den Vorteil der schnellen Skalierbarkeit. Andererseits ermöglicht die Ladesäule damit Batterien aus E-Fahrzeugen ein zweites Leben. Denn diese verlieren mit der Zeit Ladekapazität. Verfügt eine Fahrzeugbatterie über eine definierte reduzierte Restkapazität, wird sie ausgetauscht. Besteht diese Batterie anschließend eine ausführliche Analyse, kann sie für den Einsatz in einer mobilen Ladesäule verwendet und so weiter genutzt werden.

Mit der Idee einer mobilen Ladestation mit eigenem Akku ist Volkswagen allerdings nicht alleine. Kreisel Electric hat mit dem "Chimero" genannten System eine ganz ähnliche Lösung entwickelt – und das schon nach eigenen Angaben zur Serienreife. Chimero hat allerdings mit 75 kWh einen deutlich kleineren Akku als das VW-System und muss selbst entsprechend öfter geladen werden.

Lade-Anhänger für E-Autos, denen unterwegs der Strom ausgeht, gibt es ebenfalls – das Berliner Start-up Chargery nutzt dafür Anhänger, die von Fahrrädern transportiert werden.

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