"Platooning": Erste Tests des vernetzten Lkw-Konvois

"Platooning": Erste Tests des vernetzten Lkw-Konvois

MAN und DB Schenker testen vernetzte Lkw-Konvois, bei denen nur im vordersten Wagen ein Fahrer steuern muss. So soll Sprit und Platz gespart werden.

Autonomes Fahren | Von Susanne Frank |

Auf der Autobahn 9 zwischen München und Nürnberg ist immer viel los. Aktuell sogar noch mehr als sonst, denn die Strecke ist Schauplatz eines interessanten Verkehrsprojektes. Autofahrer bemerken das, wenn sie einen Blick in die Fahrerkabinen bestimmter Lastwagen werfen. Dort sitzt möglicherweise ein sehr entspannter Chauffeur. Zurückgelehnt und ohne Hand am Steuer – bei voller Fahrt seines Brummis.

Keine Panik, es handelt sich in diesem Fall nicht um einen extrem fahrlässigen Fahrer - zumindest hoffentlich nicht. Denn der Lastwagen ist Teil eines "Platoon": Ein digital vernetzter Konvoi von Nutzfahrzeugen. Lkw-Hersteller MAN und Logistikdienstleister DB Schenker haben zwei solcher Fahrzeuge auf die Versuchsstrecke in Bayern geschickt. Die Trucks sind per Funk miteinander gekoppelt und fahren im Abstand von nur zwölf bis 15 Metern hintereinander her. Der Fahrer im ersten Truck steuert den Folge-Lkw also quasi mit, der Fahrer hinten überwacht nur noch die Technik - und greift im Notfall ein.

Irgendwann, so die Hoffnung, könnten nicht nur zwei, sondern drei, vier oder fünf Lkw zusammengespannt werden, aufgereiht wie an einer Schnur. "Autonomes und vernetztes Fahren wird den Straßengüterverkehr in Zukunft grundlegend verändern", glaubt MAN-Vorstand Frederik Zohm. Mit dem Test auf der A9 will das Unternehmen weitere Schritte in diese Richtung gehen.

Spriteinsparung dank Windschatten

Damit sich ein Fahrzeug in ein Platoon eingliedern kann, muss es über Sensoren sowie ein Kommunikationssystem verfügen. Das empfängt vom Führungsfahrzeug Daten über dessen Fahrverhalten - Richtung, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Verzögerung, Lenkbewegungen - und setzt diese in Steuerbefehle um. Da jedes Auto im Konvoi autonom fährt, braucht es außerdem Sensoren wie Kameras, Radar oder Laser, um den Abstand zum vorderen und zum hinteren Fahrzeug zu messen und den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Fahren die Lkw künftig im Gespann mit verringertem Abstand, können sie den Windschatten besser ausnutzen, so die Idee. Der Spritverbrauch sinkt. Bei MAN und DB Schenker rechnen sie mit Einsparungen von durchschnittlich zehn Prozent. Zudem könne der Raum auf den überfüllten Autobahnen besser genutzt werden, sagt MAN-Entwickler Walter Schwertberger.

Bislang schreibt die Straßenverkehrsordnung Lkw-Fahrern einen Mindestabstand von 50 Metern auf der Autobahn vor. "Bei zwei Lkws, die in Kolonne fahren, macht das noch nicht viel aus", sagt Schwertberger. Sollten aber irgendwann einmal 60 oder gar 70 Prozent aller Trucks auf den Autobahnen per Digitalkonvoi enger zusammenrücken, sehe das ganz anders aus. Die Bundesregierung erwartet, dass der Straßengüterverkehr bis 2030 um 40 Prozent wächst. Platooning könne helfen, diesen Anstieg in den Griff zu bekommen.

Wie reagieren andere Verkehrsteilnehmer?

Dass die Technik grundsätzlich funktioniert, haben sechs Hersteller bereits vor zwei Jahren bei einer Sternfahrt gezeigt. Mehrere Lkw-Gespanne rollten damals quer durch Europa nach Rotterdam. Die Technik funktionierte bei allen Teilnehmern ähnlich: Per WLAN sind die Trucks eines Platoons verbunden, Radar- und Lasersensoren sowie Kameras erfassen das Umfeld, während der Fahrt kommunizieren die Systeme untereinander. Bremst der Fahrer im ersten Lkw ab, wird der Impuls binnen weniger Millisekunden an die Folge-Trucks übermittelt - und deren Tempo dank der eingebauten Assistenzsysteme automatisch reduziert.

Der Versuch auf der A9 soll zeigen, ob all das auch im Echtbetrieb mit normalen Lkw-Fahrern am Steuer funktioniert, auf einer dicht befahrenen deutschen Autobahn. Eine spannende Frage wird sein: Wie reagieren andere Verkehrsteilnehmer auf die eng gestaffelten Brummis? Denn davon hängt beispielsweise ab, wie oft der digital verbundene Lastwagen-Konvoi wieder entkoppelt werden muss. Je öfter dies geschieht, desto weniger Einsparungen beim Spritverbrauch lassen sich am Ende realisieren.

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