Oceanfarming: Algen und Schwämme für Madagaskar

Oceanfarming: Algen und Schwämme für Madagaskar

Algen gegen Mangelernährung und Schwämme gegen Armut: Ein studentisches Projekt soll zwei Probleme auf Madagaskar gleichzeitig lösen.

Landwirtschaft | Von Susanne Frank |

In einem kleinen Dorf im bitterarmen Süden der Insel Madagaskar sitzen deutsche Studenten mit Einheimischen zusammen und entwickeln gemeinsam Kochrezepte. Die kleine Gruppe zerbricht sich die Köpfe darüber, wie sie eine bislang noch unbekannte Zutat in den täglichen Speiseplan der Bewohner integrierten kann: Algen, die die Fischer zuvor im Meer gezüchtet haben.

Das Oceanfarming-Projekt "ex Aqua" haben Studenten aus Aachen entwickelt. Es soll den Menschen in Madagaskar bringen, was diese verloren haben: Eine gesunde Ernährung und zugleich eine wirtschaftliche Lebensgrundlage.

Geschäftsmodelle für nachhaltige Projekte

Dabei geht es nicht um Entwicklungshilfe. "Wir verfolgen einen unternehmerischen Ansatz", erklärt Ann-Kathrin Becker, eine der Initiatorinnen. Ex Aqua ist Teil der Studenteninitiative Enactus, die weltweit Geschäftsmodelle für nachhaltige Projekte entwickelt.

In diesem Fall ist der ökonomische Teil eine Schwamm-Zucht. In Madagaskar wachsen diese Mischwesen aus Tier und Pflanze an langen Schnüren eine Etage unter den Algen, wo sie regelmäßig von den Dorfbewohnern geerntet werden. Das ist denkbar einfach: Man schneidet die Hälfte des Schwammes ab, der sich umgehend selbst erneuert.

"Die Nachfrage für dieses Produkt auf dem Weltmarkt ist riesig", sagt Ann-Kathrin Becker. Schwämme werden in Industrieländern vor allem von der Kosmetikbranche gesucht und bringen den Dorfbewohnern etwa 25 US-Dollar pro Stück. Im armen Madagaskar ist das schon fast ein durchschnittlicher Monatslohn.

Algen gegen Mangelernährung

Über den Schwämmen wachsen in der Zuchtanlage die Algen, mit deren Hilfe ein großes Problem bekämpft werden soll: die Mangelernährung der Dorfbewohner. "Wir müssen ihnen klarmachen, dass satt nicht gleich gesund ist", beschreibt Becker die Aufgabe der deutschen Studenten. Zwar gebe es in Madagaskar genügend zu essen, nur eben fast ausschließlich Reis.

Der traditionelle Fischfang bringt kaum mehr etwas, das Meer ist leergefischt, die Korallenriffe schrumpfen. In der Folge fehlen den Menschen Nährstoffe in ihrer täglichen Nahrung. Das wirkt sich besonders schlimm auf die Kinder aus, deren körperliche und geistige Entwicklung unter dem Mangel leidet.

Die angebauten Grünalgen bieten alle Nährstoffe, die für ein gesundes Leben nötig sind. Gleichzeitig nehmen sie Nährstoffe aus dem Meer, sie filtern es also. Und die Korallenriffe werden damit auch noch geschützt. Nur Vorteile also durch das Projekt. Finanziert wird die Idee bislang noch ausschließlich mit Spenden. Unter Anderem läuft eine Crowdfunding-Aktion, mit der die Aachener Studenten einen Teil ihrer Kosten hereinbringen wollen.

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