Netzbelastung durch E-Autos: Sonnen setzt auf smarte Lader und virtuelles Kraftwerk

Netzbelastung durch E-Autos: Sonnen setzt auf smarte Lader und virtuelles Kraftwerk

Die Allgäuer Firma Sonnen hat ein smartes Ladegerät fürs Haus entwickelt, das seine Besitzer mit dem eigenen Ökostrom vom Dach versorgt - und schließt diese zusammen.

Laden | Von Susanne Frank

Die Solaranlage auf dem eigenen Dach liefert mittags am meisten Strom. Gebraucht wird Energie im Haus aber vor allem morgens und abends. Gegen dieses Dilemma gibt es Speicher, die aufnehmen, was an Überschuss vom Dach kommt. 50.000 solcher Haus-Batterien wurden allein 2017 in Deutschland installiert, Marktführer ist die Allgäuer Sonnen AG. Philipp Schröder ist einer ihrer Geschäftsführer. Er hatte vor Jahren für Elon Musk die deutsche Niederlassung von Tesla aufgebaut. Diese Vergangenheit holt Schröder nun wenigstens teilweise ein: Mit dem eCharger verkauft Sonnen ein smartes Ladegerät, das Elektroautos mit eigenem Öko-Strom versorgt. Das funktioniert natürlich nicht nur beim Tesla.

Bislang können Stromkunden zwar wählen, ob sie Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen wollen. Aus der Steckdose fließt jedoch derselbe Strom-Mix wie beim Nachbarn, der auf fossile Quellen setzt. Der Unterschied entsteht bei der Einspeisung, denn Ökostrom-Anbieter lassen entsprechend mehr Strom aus Erneuerbaren ins Leitungsnetz.

Strom-Sharing dank vernetzter Energiespeicher

Diesen Weg umgeht Sonnen mit dem Ladegerät. "Unsere Kunden erhalten ihren Auto-Strom tatsächlich vom eigenen Dach", sagt Geschäftsführer Schröder. Voraussetzung ist eine Hausbatterie der Firma aus Wildpoldsried. 30.000 Kunden weltweit besitzen diese Schröder zufolge mittlerweile.

Das Besondere: Die Energiespeicher sind miteinander vernetzt. Sonnen erhält so Zugriff auf den Solarstrom seiner Kunden. Es entsteht ein riesiger, virtueller Strompool. Produzieren Sonnen-Kunden mehr Energie als sie verbrauchen, speisen sie automatisch ins Netz ein. Andere bedienen sich aus diesem Netz, wenn sie selbst wenig Solarstrom herstellen. Die Kunden tauschen also ihren Strom aus - zumindest virtuell.

Das Prinzip des "Strom-Sharing" könnte vorbildlich für kleinere Stromproduzenten sein, es nütze nämlich auch der Allgemeinheit: "Auf diese Weise stabilisieren wir das Netz", erklärt Schröder. Er spricht von seinen Kunden als "SonnenCommunity", die innerhalb eines Netzwerks Strom produzieren.

An schönen Sommertagen fällt inzwischen oft mehr Solarenergie an, als die Netze insgesamt aufnehmen können. Eine Batterie im Haus oder über den eCharger im Auto kann dann als Zwischenspeicher dienen. Das ist auch für den Ausbau der E-Mobilität wichtig. "Die Überlastung der Stromnetze ist eine der größten Gefahren, wenn wir erstmal Millionen von E-Autos auf den Straßen haben", sagt Schröder.

Der E-Charger lädt das Auto möglichst dann, wenn die Belastung im Netz niedrig ist. Er pumpt also nicht sofort Strom in die Autobatterie, sobald diese am Netz hängt. Sondern er berechnet den günstigsten Zeitpunkt. Der kann zum Beispiel mitten in der Nacht sein – sofern der Autobesitzer zuvor angegeben hat, dass er erst am Morgen wieder abfahren will.

"Elektroautos werden die größten Energiespeicher der Zukunft sein", sagt Schröder. Die Voraussetzung dafür ist Vernetzung.

Batterie, Solaranlage, E-Charger: Alle müssen miteinander kommunizieren können. Und genauso wichtig: Sie müssen mit der Zentrale von Sonnen in Verbindung stehen. "Wenn es einen Überschuss an erneuerbaren Energien im Stromnetz gibt, können wir die verfügbaren Fahrzeuge direkt ansteuern. Deren Batterien nehmen Strom auf und das Netz bleibt stabil", so Schröder.

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