Mini-Kraftwerk: Strom aus heißer Fabrik-Luft

Mini-Kraftwerk: Strom aus heißer Fabrik-Luft

Die Abwärme von arbeitenden Maschinen ist eine der größten ungenutzten Hitzequellen. Ein Start-up will sie mit einem Mikrokraftwerk anzapfen.

Energiewende | Von Susanne Frank

Wo Maschinen arbeiten, da entsteht auch Wärme. Weil die aber nur ein Nebeneffekt ist, wird sie meist als überflüssige Abwärme behandelt – und damit verschwendet. Jeden Tag entweicht eine gewaltige Energiemenge ungenutzt aus Fabriken, Brauereien oder Biogasanlagen.

Zwar streben die meisten Firmen nach einer effizienten Produktion. Merkwürdigerweise interessieren sich aber bislang nur wenige dafür, auch ihr gesamtes Wärmepotenzial sinnvoll zu nutzen. "Deutschland besitzt eigentlich eine gigantische Energiequelle, die man anzapfen könnte", sagt Markus Lintl vom Start-up Orcan Energy. Die kleine Firma aus München hat ein pfiffiges Kleinstkraftwerk entwickelt. Es kann die "überflüssige" Wärme von Industrieanlagen fast jeder Größe einfangen und in Strom umwandeln.

So groß wie zwei Kleiderschränke

Mit Orcans "efficiency PACK" lassen sich bereits relativ niedrige Temperaturen in Strom umwandeln. Herkömmliche Rückgewinnung musste da bislang passen. Durch ein spezielles Kühlmittel arbeitet der Pack schon ab 60 Grad Celsius. Mit der Idee aus München lohnt sich die Wärmenutzung deshalb für wesentlich mehr Firmen.

Die ORC-Technologie getaufte Methode entspricht vom Grundsatz her einem Dampfkraftwerk: Flüssige oder gasförmige Abwärme erzeugt Druck und damit Dampf. Dieser treibt einen Generator an, der wiederum Strom produziert.

Der Mechanismus ist nicht neu, die Auslegung der Anlage aber schon: Sie wird aus vorhandenen Standardelementen gebaut, die das Orcan-Team für seine Zwecke anpasst. Die Münchner vermeiden damit teure Spezialanfertigungen, wie sie bislang oft bei der Wärmerückgewinnung eingesetzt werden. Die standardisierte Anlage ist etwa so groß wie zwei Kleiderschränke.

Strom für elf Millionen Haushalte

Das System ist in seinem Umfang flexibel, je nachdem wie groß die anfallende Wärmemenge ist. Eine Autofabrik zum Beispiel kann mehrere Packs nebeneinander einsetzen. Bei kleineren Werken genügt oft ein einzelner efficiency PACK. Bislang hat Orcan etwa 70 Stück an Industrieunternehmen, Biogasanlagen und Schiffsbetreiber in ganz Europa geliefert. Sie setzen die Module dort ein, wo große Maschinen arbeiten und viel Wärme produzieren.

Das Potenzial ist riesig: "Wir könnten allein in Deutschland fünf Gigawatt elektrische Leistung gewinnen, wenn die vorhandenen Abwärmequellen genutzt würden", sagt Lintl. Das entspräche dem Stromverbrauch von etwa elf Millionen Drei-Personen-Haushalten. Dafür könnten andere Kraftwerke vom Netz gehen, etwa die wegen ihrer Emissionen umstrittenen Kohlemeiler. Denn Abwärme ist planbar.

"Unsere efficiency PACKs rechnen sich nach zwei bis vier Jahren", sagt Markus Lintl zu. Ausgelegt sind die Anlagen auf 15 Jahre Laufzeit. Die Strom-Produktionskosten würden so bei sechs Cent pro Kilowattstunde liegen, wirbt das Unternehmen.

Für immer mehr Industriebetriebe lohnt sich das. Zwar habe es in Deutschland zwischenzeitlich "Irritationen" durch die EEG-Umlage auf Eigenstrom gegeben, räumt Orcan-Manager Lintl ein. Diese hätten sich jedoch wieder gelegt, seit die KfW mit Fördermitteln in die Bresche springt.

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