Marktforscher erwarten Preissturz bei Akkus und E-Autos

Marktforscher erwarten Preissturz bei Akkus und E-Autos

Sinkende Preise, mehr Auswahl und ein profitables Geschäftsmodell für Hersteller und Ladestellenbetreiber: Marktforscher sehen Elektroautos auf dem Weg zum Massenmarkt.

E-Mobilität | Von Angela Schmid |

Der noch dümpelnde Absatz von Elektroautos wird 2019 ein wenig an Fahrt aufnehmen. Mindestens zehn neue Modelle werden auf den Markt kommen - einige, etwa der eGo-Life, sind mit einem Preis ab 15.900 Euro sogar für einen Normalverbraucher erschwinglich.

Das ist allerdings nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Metamorphose des Verkehrssektors. 2025 sollen bereits mehr als 100 neue Fahrzeugtypen an den Start gehen. Anstoß dazu ist nicht nur die Liebe der Autobauer zum Elektroantrieb. Dahinter steckt vor allem auch Pragmatismus. Schließlich dürfen laut EU-Vorschrift ab 2020 die Fahrzeugflotten der Hersteller im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Ein Elektroauto wird mit null Gramm angesetzt.

Diese Elektroautos kommen in 2019:

Gut für den Verbraucher. Für ihn bedeutet dies: mehr Auswahl, günstigere Preise, höhere Reichweite. Das sind die Garanten für den Erfolg der E-Autos, die im Laufe der 2020er aus dem Nischenmarkt kommen. Davon ist jedenfalls Hanns Koenig, Projektleiter bei Aurora Energy Research in Berlin, überzeugt: "Dann werden fast alle Neuzulassungen Elektroautos sein." Für 2040 rechnet er mit bis zu 29 Millionen Elektroautos in Deutschland, was bereits mehr als die Hälfte aller Autos ausmachen würde. Das Researchhaus Wood MacKenzie geht von einem Anstieg auf weltweit 280 Millionen aus - in Europa sollen es 79 Millionen Elektroautos sein. Koenig: "Die Elektrifizierung des Transportsektors wird das Energiesystem in Deutschland in den nächsten zwanzig Jahren grundlegend verändern."

Sinkende Batteriekosten treiben die Nachfrage

Ein Grund für den steigenden Absatz an E-Autos ist der Preisverfall bei den Lithium-Ionen-Akkus. Sie bestimmen maßgeblich den Preis für den Stromer. Die Aurora-Experten rechnen damit, dass der Anteil der Batterien an den Kosten eines Elektroautos von derzeit 29 auf 17 Prozent im Jahr 2030 sinkt. Der Stromer wird damit immer günstiger, was die Nachfrage steigen lässt. "In der Gesamtkostenrechnung wird das E-Auto für die meisten Einsatzzwecke früher oder später günstiger als der Verbrenner sein", ist der Aurora-Projektleiter überzeugt. Aber nicht nur die Anschaffungskosten sind beim Vergleich Stromer mit Benziner maßgeblich. Eingerechnet werden auch die geringeren Kosten für Wartung und Strom des Elektroautos.

Notwendig ist allerdings noch ein massiver Ausbau der Ladeinfrastruktur an Gewerbe- und Industriestandorten. "Nur etwa 60 Prozent der privaten Haushalte verfügen über eine Parkmöglichkeit, an der sich eine Ladevorrichtung installieren lässt", erklärt Koenig. Der Rest muss öffentliche Säulen nutzen - am Arbeitsplatz, in Einkaufszentren oder in Parkhäusern. Bis zu vier Millionen Ladestationen sind nach Berechnungen von Aurora Energy Research notwendig, damit die Elektroautos immer genügend Strom laden können. Dafür sind Investitionen in Höhe von bis zu acht Milliarden Euro notwendig. Ein Massenmarkt für Ladesäulenhersteller, aber auch eine Chance für wirtschaftliche Geschäftsmodelle für Ladesäulenbetreiber.

Es braucht noch intelligentere Ladelösungen

Laden täglich drei bis fünf E-Autos an einer Säule, wäre bei einer Marge von 5 bis 11 Cent pro kWh beim Stromabsatz in den meisten Fällen eine positive Rendite möglich. Zu diesem Ergebnis kommt Aurora Energy Research in einer Studie. Für eine 20 kW-Schnellladesäule in einem Parkhaus haben die Experten einen Gewinn über die gesamte Lebensdauer der Säule in Höhe von 60.000 Euro und für ein 3,3 kW-Ladesystem am Arbeitsplatz 7.000 Euro errechnet.

Die Nachfrage an Strom wird dann bis zu 17 TWh erreichen, was im Schnitt rund sechs MWh pro Standort wären. Normalerweise kein Problem für das Netz - außer, es laden sehr viele E-Autos gleichzeitig. Koenig ist daher überzeugt, dass kommerzielle, intelligente Ladelösungen eine Schlüsselrolle beim Durchbruch der Elektromobilität spielen. "Sie stellen eine spannende Entwicklung für die gesamte Energiewirtschaft dar."

Würden Ladesäulen, Elektroautos und Strom aus erneuerbaren Energien verbunden, könne das System flexibler und umweltfreundlicher gestaltet und die ambitionierten Dekarbonisierungsziele der Bundesregierung erreicht werden, so der Energiemarktexperte. Für ihn verbirgt sich im flexiblen Laden großes Potenzial. "Wenn die Stromanbieter Anreize schaffen, dass E-Auto-Besitzer ihre Fahrzeuge zu Zeiten laden, in denen viel Strom vorhanden ist, lassen sich die Netze entlasten und der Ausbaubedarf verringern."

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