Künstliche Intelligenz sucht freie Parkplätze

Künstliche Intelligenz sucht freie Parkplätze

Millionen Kunden bekommen bei der Parkplatzsuche bereits Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Dahinter steckt das Start-up Aipark aus Braunschweig, das vor allem auf Handydaten setzt.

Stadtplanung | Von Susanne Frank |

Ein Drittel des Stadtverkehrs ist die reine Sucherei: Autofahrer kurven so lange durch die Straßen, bis sie endlich einen Parkplatz finden. Im Schnitt 20 Minuten pro Wagen gehen dabei jeden Tag verloren, von den Abgasen, dem verschwendeten Sprit und dem Ärger der Fahrer gar nicht zu reden. Viele Start-ups aber auch etablierte Unternehmen wollen dieses Problem angehen. Sie bauen dazu mehr oder weniger aufwendige Sensoren in Parkbuchten oder installieren Kameras und leiten die Autos damit auf freie Plätze. Das ist aber meistens teuer, denn die Geräte müssen erst flächendeckend eingebaut und später gewartet oder repariert werden.

Eine junge Firma aus Braunschweig versucht es mit einem anderen Ansatz. Sie verwendet die Handydaten von Autofahrern. Die sind ohnehin vorhanden, die Infrastruktur wird also bereits gestellt. Aus dem Datenmaterial erstellt das Unternehmen Aipark dann Voraussagen, wie wahrscheinlich man auf freie Stellplätze trifft. Den Dienst nutzen inzwischen Kommunen, aber auch große Mobilitätsanbieter wie Volkswagen und die Deutsche Bahn.

"Wir können keine Parkplätze herzaubern", sagt Gründer Johannes Riedel. Er will jedoch die Suche verkürzen. Bis zu 80 Prozent schneller könnten freie Stellplätze gefunden werden, verspricht er, auch solche am Straßenrand. Im Firmennamen Aipark zeigt das norddeutsche Unternehmen schon seine wichtigste Technologie: Künstliche Intelligenz, englisch AI, erstellt die Prognosen. Genutzt wird dabei ein bislang noch recht unbekanntes Verfahren, das erst große Rechenkapazitäten in der Cloud möglich gemacht haben. Begonnen haben die Gründer ihre Entwicklung vor drei Jahren als Studentenprojekt an der TU Braunschweig.

Analyse per Machine Learning

"Mobilität ist extrem vorhersehbar", sagt Riedel, einer von sechs Gründern. Nach seinen Worten genügen schon Stichproben, um eine gute Prognose zum gesamten Verkehrsgeschehen abgeben zu können. Dazu muss das Start-up aber gewaltige Datenmengen verarbeiten. Nicht nur Handydaten, auch Informationen zum Wetter oder zu Veranstaltungen in der Nähe nutzt das System. Diese Daten werden mithilfe von Machine Learning analysiert.

Über das Bewegungsmuster des Handys erkennen die Software-Experten beispielsweise, ob ein Fahrer sein Auto verlassen hat. Dann hat er höchstwahrscheinlich einen Parkplatz gefunden. Oder er hat ihn gerade freigegeben, wenn sein Handy wieder die typischen Bewegungsmerkmale einer Autofahrt aufzeigt. Solche Informationen nutzt die Aipark-Plattform, um ein Modell der jeweiligen Umgebung zu entwickeln.

Für ihre Idee haben die Jung-Unternehmer schon mehrere Technologiepreise abgeräumt. Kunden des Braunschweiger Start-ups sind Anbieter von Mobilitäts-Diensten. Sie nutzen die Vorhersagen in ihren eigenen Applikationen. Dazu greifen sie per Schnittstelle auf die Aipark-Datenwolke zurück. Eine Million Nutzer verzeichnet die junge Firma bereits nach eigenen Angaben jeden Monat. Beim Endkunden ist sie dennoch kaum bekannt. Die Autofahrer kommen über Anbieter wie die Deutsche Bahn oder Volkswagen an die Dienste aus Braunschweig.

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