Können wir uns das teilen?

Können wir uns das teilen?

Ob Ferienwohnungen, Autos, Fahrräder oder Konsumgüter: Viele Elemente aus unserem Alltag teilen wir uns mit anderen - und es werden immer mehr.

Sharing Economy | Von Angela Schmid

Im Jahr 1988, also vor genau 30 Jahren, startete "Stattauto" mit einem einzelnen Privat-PKW den Markt für Carsharing in Deutschland. Das Projekt aus Berlin war die erste Plattform in Deutschland, die das Teilen von Autos zum Geschäftsmodell machte. Drei Jahrzehnte später ist Carsharing kaum noch aus Innenstädten wegzudenken, die Autos von DriveNow, Car2Go und Co. sind ein gewohnter Anblick auf den Straßen.

Gerade in den vergangenen zehn Jahren ist das Angebot rapide gewachsen. Laut DriveNow gibt es mittlerweile über 2,1 Millionen Carsharing-Nutzer in Deutschland. Doch Teilen ist nicht nur bei Autos in Mode. Egal ob Wohnungen, Werkzeuge oder Bücher: Die Share Economy ist in allen Bereichen angekommen. 39 Prozent der Deutschen nutzen bereits Share Economy. Tendenz steigend. Das ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. 4500 Konsumenten in Belgien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, der Türkei und Deutschland hat PwC für die Studie befragt.

Die Beliebtheit des Teilens sollte einen nicht überraschen, schließlich bringt es eine Menge Vorteile. So ist es beispielsweise wesentlich gemütlicher, den Kurztrip in San Francisco in einer schönen Zwei-Zimmer-Wohnung zu verbringen als in einem billigen Hotel. Mit der Buchungsplattform Airbnb ist das längst kein Problem mehr. Auf der ganzen Welt werden Wohnungen für Touristen angeboten. Ein Milliarden-Geschäft. Unumstritten ist es nicht. Aber ein Vorreiter für das Geschäft mit dem Teilen.

"Mieten statt kaufen" wird interessanter

20 Milliarden Euro wurden in Deutschland mit der Vermietung von Eigentum 2017 erwirtschaftet. In diesem Jahr rechnet PwC-Partner Nikolas Beutin mit einem Wachstum von über fünf Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. "Wie Smartphones vor wenigen Jahren die klassischen privat genutzten Film- und Fotokameras verdrängten, hat die Share Economy das disruptive Potenzial, in vielen Bereichen Eigentum durch zeitweise Nutzung von Produkten und Services zu ersetzen."

Selbst Traditions-Unternehmen wie der Otto-Versand sind auf den Zug aufgesprungen. Seit etwa einem Jahr können rund 100 Produkte aus dem Sport- und Elektronikbereich gemietet werden. Und die Kaffeerösterei Tchibo bietet mittlerweile auch Kinderkleidung zum Mieten an.

Die Top 5 in der Beliebtheitsskala sind laut PwC-Studie: Medien und Unterhaltung, Unterkünfte, Autos, Konsumgüter und Dienstleistungen.

Der Gedanke der dahinter steckt ist, Ressourcen sparen, regionale und lokale Gemeinschaften stärken, Kosten sparen, neue Arbeitsplätze schaffen und mehr Freiheit. "Vor allem die unter 30-Jährigen wollen via Share Economy einen Beitrag zu Ressourcenschonung und Umweltschutz zu leisten, ohne auf Konsum verzichten zu müssen.

Eine Frage des Alters?

Die Nutzer seien tendenziell jedoch mehr selbstnutzen- als gemeinwohlorientiert", so Beutin. Auch entwickele sich die Share Economy mehr und mehr zu einer Plattform für professionelle Anbieter – "so ähnlich, wie wir es schon bei Online-Auktionsplattformen beobachten konnten." Die Treiber seien heute ganz klar die unter 40-Jährigen – Frauen und Männer fast gleichermaßen.

Beutin: "Für viele von ihnen scheint zu viel Eigentum eher schweres Gepäck zu sein, das sie als Statussymbol weniger reizt als dies bei der vorherigen Generation der Fall ist. Mit zunehmendem Alter nimmt die Share-Economy-Nutzung derzeit noch merklich ab."

Das alles hat aber auch Nachteile. Haftung bei Schäden ist oft unklar, es gibt Qualitätsmängel und auch Sicherheitsdefizite. Dennoch: "Die Share Economy wird weiter florieren", sagt Beutin. "Wir gehen davon aus, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Qualität und die gefühlte Sicherheit 2018 weiter verbessern werden."

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