Im Sparsamkeitstest: Der Toyota Auris Hybrid

Im Sparsamkeitstest: Der Toyota Auris Hybrid

Wie sparsam ist der Toyota Auris Hybrid wirklich? Auf unserer Testfahrt über Land und durch die Stadt zeigt sich: Das Auto hält, was es verspricht.

Elektroautos | Von Wolfgang Eschment |

Seit zehn Tagen fahren wir mit dem Toyota Auris Hybrid Touring Sports, erst übers Land, dann durch die Stadt. Jeder einzelne Kilometer davon war gut, denn wir taten unentwegt etwas gegen die Klimakatastrophe. Jedenfalls ein bisschen.

Aber der Reihe nach. Wir testen den Auris Hybrid, einen japanischen halbelektrischen Sparkombi im Format eines VW Golf Variant. Er kommt deutlich weniger extravagant daher als Toyotas Vorzeige-Hybrid Prius. Stattdessen wirkt er ein bisschen sportlich-dezent und nett gekämmt. Der typische Liebling aller Schwiegermütter.

Dazu kommt noch, dass er bei aller Sparsamkeit auch ziemlich praktisch ist. So kann er beispielsweise mit 530 Litern Laderaumvolumen angeben. Und er fährt und federt tatsächlich genauso wohlerzogen, wie er aussieht. Kein Kurvenjäger, mehr der Verbindliche. Selbst seine stufenlose CVT-Automatik gefällt, heulende Töne oder Gummiband-Effekte wie bei anderen Vertretern dieser Technik sind hier fein abgemildert. Nur im Innern könnte unser Freund etwas cooler aussehen, aber diese unerschütterliche Toyota-Verarbeitung hat ja auch etwas.

Der Hybrid-Auris ist beliebt

Rund 65 Prozent aller deutschen Auris-Käufer bestellten den Wagen 2017 als Hybrid. Von solchen Zahlen träumen andere Autohersteller. Aber das wundert uns überhaupt nicht, denn man kann diesen Hybrid fahren wie jeden x-beliebigen Benziner, auch ohne abgeschlossenes Informatikstudium. Nur ist er eben sparsamer als der Benziner, wie sich schon beim Abholen des Testwagens auf der 600-Kilometer-Tour von Köln nach Berlin zeigt.

Meist bewegen wir den Hybrid zwischen Tempo 120 und 140 und diese Entspanntheit belohnt der Auris bei Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt mit einem Verbrauchsschnitt zwischen knapp fünf und gut sechs Litern. Nicht schlecht für den Anfang.

Nebenbei haben wir uns auf der Autobahn herzlich amüsiert, als uns ein Porsche Cayenne (ja, dieses ziemlich schwere SUV-Gerät, das bei Vollgas auch mal bis zu 20 Liter Super schluckt) zum dritten Mal überholte. Warum? Vermutlich war da mindestens eine Toilettenpause im Spiel und mindestens ein zusätzlicher Tankstopp, jedenfalls wirkte der Hochsitzer am Lenkrad etwas verbissen und tat so, als erkenne er uns nicht. Richtig, wir haben natürlich erst in Berlin getankt, obwohl der Tank im Hybrid nur lächerliche 45 Liter fasst. Beim Cayenne sind es übrigens je nach Modell und Baujahr zwischen 75 und 100 Liter.

Und jetzt können wir es ja verraten: Die Herzstücke des Auris – Benziner, Elektromotor – stammen aus dem Prius. Entsprechend wird auch gearbeitet: So soll man diesen Auris laut Toyota im EV-Modus bis zu zwei Kilometer und bis 50 km/h – je nach Aufladungsgrad der Batterie – rein elektrisch fahren können, bevor der vierzylindrige 99-PS-Benziner zum Dienst antritt. Wir kommen bisher immer nur auf knapp einen Elektrokilometer und nicht immer auf Tempo 50.

Sanfter Tanz zwischen Strom und Benzin

Wichtiger ist, dass wir beim Bremsen oder Vom-Gas-Gehen immer wieder Energie gewinnen ("rekuperieren", sagt der Fachmann), die dann in einer Nickel-Metallhydrid-Batterie (Kapazität 1,31 kWh) unter dem Kofferraum gespeichert wird. Und genau diese Energie hilft später über den zugeschalteten, bis zu 82 PS starken Elektromotor ruck-zuck beim nächsten Beschleunigen. Dann legt der Kombi ganz ordentlich los. Und auch sonst fühlt man sich mit seinen 136 PS Systemleistung nicht unbedingt untermotorisiert.

Unentwegt teilen sich Elektromotor und Verbrenner über die stufenlos variable Leistungsverzweigung die Last auf, damit der Benziner immer möglichst nah am optimalen Betriebspunkt arbeitet - je nach Topographie, aktueller Geschwindigkeit und unserem Beschleunigungs-Verhalten. Diesen sanften Tanz zwischen Strom und Benzin haben sie bei Toyota mittlerweile perfektioniert. Und grundsätzlich fährt der Auris elektrisch los. Die lieben Nachbarn bleiben also ungestört, denn wir rollen flüsterleise bis zur nächsten Ecke.

Inzwischen sind wir schon ein paar Tage im Berliner Großstadtgewühl unterwegs. Hier mutiert der Hybrid zur Sparbüchse. Toyota gibt für den Normverbrauch 3,4 Liter an, was eigentlich viel zu gut klingt, um wahr zu sein. Doch damit liegen die Japaner offenbar dicht an der Wirklichkeit, denn bereits am ersten Tag haben wir die Vier-Liter-Marke geknackt. Und danach haben wir voller Ehrgeiz an unserem Fahrstil gefeilt und gelernt, den Auris immer schön vorausschauend rollen zu lassen. Rote Ampeln sollten unsere besten Freunde werden.

Verbrauchsbestwert von 3,5 Litern

Und natürlich gehört das sanfte Bremsen dazu. Da können wir zugucken, wie sich die grünen Batteriebalken, die das Ladelevel signalisieren, im Fahrerdisplay vermehren. Mit jeder Stunde geht es besser, immer öfter läuft nur der stille Elektromotor. Und schon meldet der Bordcomputer am dritten Tag auf dem 7-Zoll-Touchscreen 3,7 Liter als aktuellen Bestwert, am fünften überrascht er uns mit einer 3,5! Jubel, kreisch, enthusiastischer Trommelwirbel auf dem Lenkrad. Unser smarter Nebenmann (schwarzer 3er BMW, aktuelles Baujahr) an der Ampel schüttelt irritiert den Kopf, aber wir verstehen, dass das Glück des Menschen sich manchmal mit den Stellen hinter dem Komma anschleicht.

Jedenfalls fahren wir nur noch nach der Energieflussanzeige auf dem Touchscreen. Wenn der grüne Pfeil vom Reifensymbol abwärts in Richtung Batterie zeigt, ist alles gut. Wir laden. Und wenn nebenan der Zeiger der Hybridsystem-Anzeige plötzlich in Orangerot leuchtet? Oh, ein böser pubertärer Rückfall, wir haben sinnlos zu viel Gas gegeben. Das versaut den Verbrauchsschnitt.

Vorteil gegenüber anderen Hybriden

Es zeigt sich: Gegenüber diversen getesteten Plug-in-Hybridautos neuester Bauart, deren an der Steckdose aufladbare, andererseits ziemlich schweren Batterie-Pakete nach maximal 50 vollelektrischen Kilometern quasi leergesaugt sind, hat dieser Auris noch immer einen entscheidenden Vorteil. Während dann selbst mittelgroße Plug-in-Brüder mangels Batterie-Power plötzlich zu Benzinschluckern mit Verbräuchen von bis zu zehn Litern werden, spart der Toyota fröhlich weiter. Gestern haben wir übrigens die 3,4 Liter gekratzt. Da ging es allerdings auch mal ein längeres Stückchen bergab. Dazu stehen wir, da sind wir ehrlich.

Demnächst sind wir mit dem Hybrid öfter auf den Brandenburger Landstraßen unterwegs, später wollen wir noch hinauf ins deutsche Mittelgebirge, womöglich kämpft der Auris dann sogar mit Schnee und Eis. Wir sind schon ganz wild auf stromerzeugende lange Abfahrten. Und mit dem angedockten elektronischen "E-Tester" von Toyota werden wir im Februar zu jeder Abendzeit per Datenübertragung mal ganz genau checken, wie viele Kilometer wir rein elektrisch zurückgelegt haben. Unser Leben bleibt spannend. Demnächst mehr dazu.

Hinweis: Toyota ist Partner von Edison. Dieser Text ist nicht im Rahmen dieser Kooperation, sondern redaktionell unabhängig entstanden.

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