Hyundai wird elektrischer

Hyundai wird elektrischer

Den Kona gibt es nun als Hybrid, der Ioniq wurde überarbeitet – der südkoreanische Autohersteller Hyundai baut sein Angebot an alternativen Antrieben aus. Und der neue Deutschland-Geschäftsführer Jürgen Keller will einen der großen Kritikpunkte am Unternehmen vergessen machen.

E-Mobilität | Von Lothar Kuhn |

Lange Lieferzeiten von bis zu zwölf Monaten haben in der Vergangenheit manchen Kunden vom Kauf des kompakten SUVs Kona Electric abgeschreckt. Oder vom Ordern der Limousine Ioniq Electric. Doch das soll sich jetzt ändern, Jürgen Keller (53) gelobt Besserung. Er ist seit 1. Juli neuer Chef der Deutschlandzentrale von Hyundai in Offenbach.

Selbst ein Auftrag über 14.000 Elektroautos, wie ihn gerade der Energieversorger EnBW europaweit ausgeschrieben hat, würde ihn nicht schrecken. „Allerdings müssen solche Großkunden akzeptieren, dass es bei Modellen mit alternativen Antrieben nicht dieselben hohen Rabatte wie bei Verbrennern gibt“, erklärte der ehemalige Opel-Manager selbstbewusst am Rande der Präsentation des neuen Kona Hybrid und des überarbeiteten Ioniq Electric in den Niederlanden. Zwei bis drei Monate soll die Lieferzeit künftig beim Ioniq betragen, heißt es bei Hyundai, so lang wie Fertigung und Transport vom Werk in Südkorea bis nach Deutschland dauere.

Insgesamt haben die Asiaten vergangenes Jahr in Deutschland 5464 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben verkauft: Hybride mit und ohne Stecker, Vollzeit-Stromer bis hin zum Brennstoffzellen-Wagen Nexo. In diesem Jahr waren es zwischen Januar und Juli bereits rund 5000 Alternative, eine Verdopplung des Absatzes scheint somit drin zu sein.

Mehr Reichweite für den Ioniq

Dabei soll das Facelift des Ioniqs mithelfen, der jetzt 34.900 Euro kostet. Äußerlich unterscheidet er sich kaum von seinem Vorgänger. Der Kühlergrill ist jetzt geschlossen, hat aber dafür zwei Klappen gekommen, Airflips genannt. Die lassen sich öffnen, wenn doch mal Frischluft in den Motorraum soll. Die Batterie kann darauf verzichten, sie ist jetzt wassergekühlt und – sicherlich wichtigste Neuerung – mit 38,3 Kilowattstunden Kapazität rund zehn kWh größer als die im Vorgänger. Das soll für 311 Kilometer Reichweite nach WLTP-Norm sorgen.

Bei einer ersten kurzen Probefahrt ließ sich das zwar nicht überprüfen. Bei der Tour in die niederländische Provinz fiel dagegen schnell das neue System zum Rekuperieren auf. In der höchsten Stufe verzögert der E-Motor den Ioniq merklich und erzeugt als Generator Strom, der in den Akku wandert. Das steuert der Fahrer über große Schaltwippen hinter dem Lenkrad, Paddels genannt, und kann den Wagen auf diese Weise zum Stehen bringen. Dem Bremspedal wird es dabei schnell langweilig.

Wer das Rekuperieren lieber den Elektronenhirnen im Fahrzeug überlassen will, kann in den Tiefen des Bedienungsmenu auf dem 10,25 Zoll großem Display das „Smart Regenerative Braking“ aktivieren. Geht der Fahrer dann etwa an einer Steigung vom Gas, rekuperiert das System nicht, sondern lässt den Ioniq rollen. Das E-Auto verliert dadurch nicht zu schnell an Schwung. Andernfalls müsste der Fahrer mehr wertvolle Energie aus dem Akku zapfen, um über den Berg zu kommen. Auf einer Gefällestrecke rekuperiert das System dagegen stärker, um so viel Strom wie möglich zu erzeugen. Und auch wenn der Fahrer den Abstandsregeltempomaten aktivieren, reguliert das Fahrzeug das Tempo mit Hilfe der E-Bremse.

Noch mehr elektronische Helferlein bietet der Service Bluelink Connected Car, den Hyundai erstmals im Ioniq anbietet. Das System bringt zusätzliche aktuelle Informationen zu Ladestationen, Wetter und freien Parkplätzen ins Auto, umfasst eine Sprachsteuerung, um Ziele ins Navigationssystem einzugeben oder Sprachnachrichten zu diktieren. Installiert der Autobesitzer zudem die zugehörigen Apps für Apple- respektive Android-Handys kann er die Türen aus der Ferne verriegeln und öffnen. Oder das Fahrzeug vorklimatisieren und den Ladezustand des Akkus überprüfen. Im Laufe der kommenden Monate wird Hyundai Bluelink erst im Ioniq und anschließend innerhalb von zwei Jahren in allen anderen Modellen der Marke einführen.

Zwei Herzen für den Kona

Dann wird auch der neue Kona Hybrid von den Diensten profitieren, den es jetzt ab 26.900 Euro gibt und der den Vollzeit-Stromer Kona Electric ergänzt. Er kombiniert einen Vierzylinder-Benziner mit 77 Kilowatt Leistung mit einem Elektromotor, der 32 kW liefert. Ein Lithiumionen-Akku mit 1,6 kWh Kapazität dient als Energiepuffer. Beim Bremsen lädt die E-Maschine die Batterie, beim Beschleunigen unterstützt sie den Verbrenner. All das zeigen analoge Instrumente im Armaturenbrett an, der Mensch am Lenkrad kann nur indirekt durch seinen Fahrstil Einfluss auf die Energieströme nehmen.

Dem Bordcomputer zufolge lag der Spritverbrauch während unserer Fahrt in Holland mit reichlich Autobahnanteil um die 5,6 Liter pro 100 Kilometer. Laut Norm soll der Kona Hybrid im Schnitt 4,3 Liter konsumieren.

Zweiräder von Hyundai

Etwas nebenbei präsentierten die Koreaner noch ein weiteres Elektrofahrzeug: den weiterentwickelten Prototyp eines E-Scooters. Der faltbare Roller wiegt 7,7 Kilogramm, soll 20 Kilometer weit kommen und 20 km/h schnell sein – und in einer weiteren Version sogar rekuperieren können. Vollständig wieder aufladen soll der Besitzer ihn künftig in den E-Autos von Hyundai, wo er eine eigene Lademöglichkeit erhält.

Wann der Roller zu haben sein wird, verrieten die Hyundai-Leute nicht – ließen aber durchblicken, dass er nicht das einzige zweirädrige Gefährt der Marke bleiben soll.

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