Hybrit: Stahl aus grünem Wasserstoff

Hybrit: Stahl aus grünem Wasserstoff

Bei der Stahlproduktion entstehen alleine in Deutschland rund 50 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. In Schweden arbeitet Vattenfall jetzt an der fossilfreien Herstellung mit Wasserstoff.

Rohstoffe | Von Angela Schmid

Die Stahlindustrie hat in Deutschland eine lange Tradition. Eng verbunden damit sind August Thyssen und Friedrich Krupp, die eines der größten Industrieunternehmen Europas aufbauten und deren Namen zur Geschichte der Industrialisierung in Deutschland gehören. An der Herstellung von Stahl hat sich seit den Anfangszeiten der beiden Unternehmer wenig geändert. Der im Erz gebundene Sauerstoff wird vom Eisen getrennt. Genutzt wird dafür Kohlenstoff, das sich im Hochofen mit Sauerstoff zu Kohlenmonoxid und schließlich zu Kohlendioxid verbindet. Allein in Deutschland entstehen dadurch etwa 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Verbesserungen im Produktionsprozess sind kaum noch zu erwarten.

Die Industrie steht unter Druck. "Bis 2050 muss die Branche emissionsfrei sein – das folgt aus den völkerrechtsverbindlichen Zusagen, die Deutschland im Klimaabkommen von Paris gemacht hat", schreibt die Heinrich-Böll-Stiftung. Stahl ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil der modernen Gesellschaft – es wird für Autos, Gebäude, Eisenbahnen und Brücken benötigt. Auch Windkraftanlagen bestehen zu 30 bis 35 Prozent aus Stahl. Knapp 1700 Tonnen wurden im vergangenen Jahr nach Angaben von Worldsteel produziert – die größten Mengen allerdings nicht in Deutschland, sondern in China, Japan und den USA.

Die Schweden gehen beim Klimaschutz voran - auch in der Stahlproduktion

Ökologisches Bewusstsein spielt bisher in der Stahlindustrie kaum eine Rolle. Das Blatt wendet sich allerdings ein klein wenig: Es sind die Schweden, die zeigen wollen, dass es auch anders geht. Die Skandinavier sind weltweit Spitzenreiter beim Klimaschutz. Während Deutschland die Ziele des Pariser Klimaabkommens bis 2030 vermutlich nicht erreichen wird, erfüllt Schweden die gesetzten Klimaziele zur Stromerzeugung schon in diesem Jahr. 28,4 Terawattstunden sollen Ende des Jahres an erneuerbaren Energien produziert werden. Bis 2045 will Schweden komplett klimaneutral sein und der Strom soll allen vor allem von Windrädern und Wasserturbinen kommen. Im Klimaschutzindex der Organisation Germanwatch folgen auf Schweden im Ranking der klimafreundlichsten Länder Litauen und Marokko. Deutschland liegt mit Platz 22 im Mittelfeld, noch hinter Italien und Frankreich. 

Der schwedische Stahlkonzern SSAB, der Bergbaukonzern LKAB und Vattenfall könnten Vorreiter für die Stahl-Branche sein. Im nordschwedischen Luleå baut das Joint Venture die weltweit erste Pilotanlage zur fossilfreien Stahlproduktion mithilfe von Wasserstoff. Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology (HYBRIT) nennen die Partner das Projekt, mit dem bis 2035 der Stahl komplett mithilfe von grünem Wasserstoff produziert werden soll. Es wäre der weltweit erste industrielle Prozess zur fossilfreien Stahlherstellung aus Eisenerz. Rund 150 Millionen Euro kostet der Aufbau der Anlage, die 2020 in Betrieb gehen soll und mit dem die gesamten schwedischen CO2-Emissionen um bis zu zehn Prozent reduziert werden können.

Fossilfreie Produktion noch zu teuer

"Vattenfall hat das Ziel, innerhalb einer Generation fossilfrei zu sein und seinen Kunden ein klimafreundliches Leben zu ermöglichen. Der Weg hin zu einer fossilfreien Stahlproduktion ist ein ganz entscheidender Beitrag", so Vattenfall-Präsident und CEO Magnus Hall. In der Nutzung fossilfreier Energie zur Wasserstoffherstellung im industriellen Maßstab sieht er einen technologischen Wandel, der einen wesentlichen Einfluss auf die Klimaemissionen haben wird.

Wirtschaftlich ist das noch nicht. Eine Machbarkeitsstudie zeigt, dass fossilfreier Stahl unter heutigen Marktbedingungen noch rund 20 bis 30 Prozent teurer wäre als jener aus herkömmlicher Produktion. Mit sinkenden Kosten für Ökostrom und steigenden CO2-Kosten im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) der EU könnte der Öko-Stahl allerdings in Zukunft wettbewerbsfähig werden.

Für Vattenfall ist dies nur ein erster Schritt: Neben der Stahlindustrie untersucht das schwedische Unternehmen weitere industrielle Prozesse, bei denen grüner Wasserstoff signifikant zu einer CO2-Reduktion beitragen kann. Überlegungen gibt es zum Einsatz von Wasserstoff in Raffinerien, bei der Zementherstellung sowie zur Produktion von Grundstoffen in der chemischen Industrie.

Artikel teilen

Kommentare

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...