Größter Offshore-Windpark für Großbritannien

Größter Offshore-Windpark für Großbritannien

Vor Großbritanniens Küste entsteht mit "Hornsea Two" der größte Offshore-Windpark der Welt. Die Windanlagen für das Projekt liefert Siemens.

Windenergie | Von Angela Schmid |

Das raue Klima an der britischen Ostküste ist nichts für empfindliche Gemüter. Für Windenergieanlagen aber ist es perfekt. In der irischen See entsteht ein Mega-Offshore-Windpark, der nach Fertigstellung rund 1,3 Millionen Haushalte mit Strom versorgen soll. "Hornsea Project Two" wird mit 165 Turbinen und einer Gesamtleistung von über 1386 Megawatt (MW) der weltweit größte Offshore-Windpark sein, wenn er im Jahr 2022 in Betrieb geht. Die Investitionen sollen sieben Milliarden Euro betragen, offiziell bestätigen wollte Betreiber Ørsted dies aber nicht. Nicht nur die Größe von 480 Quadratkilometer ist beachtlich. Auch die Windenergieanlagen von Siemens für das Projekt sind mit einer Leistung von acht MW gigantisch. Installiert werden sie 2021.

Ursprünglich sollten in dem Windpark sogar bis zu 300 Turbinen stehen. Die Pläne wurden allerdings von der rasanten Entwicklung in der Windenergiebranche überholt. Mit der deutlich gestiegenen Leistung der neuesten Anlagengeneration reichen 165 Windenergieanlagen aus, um die anvisierte Leistung zu erreichen. Das Projekt profitiere von einer deutlich verbesserten Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig reduzierten Stromgestehungskosten, heißt es bei Siemens Gamesa, die die Windenergieanlagen herstellen.

Auch der dritte Hornsea-Windpark ist schon in Planung

Bislang lag das Vorgängerprojekt "Hornsea One" mit einer Leistung von 1218 MW an der Spitze der Offshore-Parks. Auch das ist allerdings noch nicht in Betrieb, sondern soll 2020 den Dienst aufnehmen und bis dahin etwa 2,65 Milliarden Euro kosten. An der Finanzierung beteiligt sich die britische Regierung und wird Strom in den ersten 15 Jahren zum Festpreis abnehmen. Zusammen liefern die beiden Windparks die Leistung eines Kraftwerks.

Und auch schon "Hornsea Three" hat Ørsted im Sinn. Der Park befindet sich noch in einer "frühen Planungs- und Konsultationsphase", erklärte ein Sprecher des Betreibers. Die Version Nummer drei würde alles in den Schatten stellen. Klappt alles so, wie das dänische Unternehmen es sich vorstellt, dann hätte der Windpark mit einer Fläche von 700 Quadratkilometern eine Kapazität von 2,4 GW. Eine endgültige Bauentscheidung sei allerdings noch nicht getroffen worden, so der Unternehmenssprecher.

Maschinenhäuser aus Cuxhaven

Auch Deutschland profitiert von den Offshore-Entwicklungen vor Großbritannien. Die Maschinenhäuser für die 8-MW-Anlage werden im Siemens Gamesa Werk in Cuxhaven hergestellt, die Rotorblätter kommen allerdings überwiegend aus dem britischen Werk Hull, wo auch die Vormontage und Beladung der Installationsschiffe erfolgt. Die neue Offshore-Windenergieanlage ist mit einem Rotor von 167 Metern Durchmesser ausgestattet und liefert 20 Prozent mehr Jahresenergieertrag als das Vorgängermodell. Bei "Hornsea One" kamen noch 7-MW-Windturbinen zum Einsatz, die immerhin auch 190 Meter hoch sind und einen Durchmesser von 154 Meter haben.

Ørsted ist Weltmarktführer für Offshore-Windenergie und glaubt an eine Welt, die ausschließlich auf erneuerbare Energie setzt. "Grün" war das Unternehmen jedoch nicht immer. Es hat sich in den vergangenen zehn Jahren langsam in Richtung erneuerbare Energien entwickelt und dabei die eigenen CO2-Emissionen immerhin mehr als halbiert. Ørsted, das bis Ende 2017 noch Dong Energy hieß, zeigt sehr deutlich den Weg vom fossilen hin zum umweltfreundlichen Energieversorger auf. Im vergangenen Jahr hat sich das Unternehmen vollkommen von ihrem Öl- und Gasgeschäft getrennt und setzt seitdem ausschließlich auf erneuerbare Energien.

Großbritannien ist bei Offshore-Anlagen europäische Spitze

Die technische Entwicklung bei Windanlagen auf hoher See scheint unaufhaltsam: Die ersten Offshore-Windkraftanlagen der Welt wurden 1991 im Windpark Vindeby installiert. Jede der Anlagen hatte damals eine Leistung von 0,45 MW. Heute schaffen die Giganten auf See acht MW - fast das 18-fache. Und das ist noch nicht das Ende des Machbaren: An der Dänischen Technischen Universität (DTU) in Kopenhagen werden bereits Anlagen mit einer Leistungsklasse von zehn MW mit einer Höhe von 330 Metern getestet. Sie würden höher in den Himmel ragen als der Pariser Eifelturm. Auch Siemens testet diese Leistungsklasse in einem Entwicklungszentrum in Spanien.

Erst im vergangenen Monat wurde vor der britischen Ostküste der Windpark Race Bank eingeweiht, in dem ebenfalls Windenergieanlagen von Siemens Gamesa installiert wurden und der von Ørsted betrieben wird. Mit einer Kapazität von 573 MW liefert er genügend Strom, um über eine halbe Million Haushalte mit Strom zu versorgen.

Insgesamt hat Großbritannien bei Offshore-Windanlagen die Nase vorn. Von der in Europa bei kommerzieller Offshore-Windenergie insgesamt installierten Leistung von 15.800 MW (Stand: Ende 2017) hat Großbritannien mit 6840 MW den größten Anteil. Auf Rang zwei folgt immerhin schon von Deutschland (5350 MW) vor Dänemark (1300 MW) und den Niederlanden (1120 MW). Weltweit liegt die Leistung bisher bei 18.800 MW.

Großbritannien will den Vorsprung in den kommenden Jahren Ausbauen: Zehn Gigawatt (GW) installierte Leistung hat die britische Regierung bis 2020 geplant, 15 GW bis 2025 und 30 GW bis zum Jahr 2030. Damit soll ein Drittel des britischen Stroms mit Offshore-Windkraftanlagen erzeugt werden.

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