Google-Vorstand: "Daten von heute sind morgen kein Wettbewerbsvorteil"

Google-Vorstand: "Daten von heute sind morgen kein Wettbewerbsvorteil"

Philipp Schindler ist als Chief Business Officer von Google der vielleicht einflussreichste deutsche Tech-Manager. Seine These: Das große Datensammeln beginnt erst.

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Über AOL zu Google, von Düsseldorf ins Silicon Valley: Philipp Schindler hat eine Bilderbuch-Tech-Karriere hinter sich. Bekommt man aber nicht viel von mit: In der Öffentlichkeit hält er sich zurück. Dem Handelsblatt hat er nun ein Interview zu Europas Digitalisierungschancen gegeben.

Und auf die Frage, wie wichtig seine großen Datenmengen für Google seien, antwortete er überraschend: weniger wichtig als man denke. Viele erfolgreiche Digital-Unternehmen hätten ohne große Datenberge angefangen. Und: "Die Daten von heute sind kein Wettbewerbsvorteil für die Welt von morgen."

Ein Beispiel seien die Karten für selbstfahrende Autos: "Dafür reichen die Informationen von Google Maps und Streetview bei Weitem nicht aus." Man stünde hier – wie die anderen Anbieter – erst am Anfang. Viele Kartendienstleister fahren derzeit mit Autos durch die Welt, in denen Kameras, Laser- und sogar Schallsensoren verbaut sind. Diese liefern bereits Milliarden Datenpunkte. Gleiches gelte für die Künstliche Intelligenz. Und deshalb werde – so Schindler – die Fähigkeit, mit solchen Daten auch umgehen zu können, immer wichtiger.

Google will zunehmend auch die Echtwelt erobern. Autonomes Fahren gehört dazu, aber künftig auch Außenwerbung, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Machen die europäischen Unternehmen es der Konkurrenz aus Übersee zu einfach? Schindler widerspricht: Es gebe "viele spannende Unternehmen". Und das "Land der Ingenieure" sei eigentlich dafür prädestiniert, ebenfalls einen Global Player hervorzubringen.

Digitale Diät für die Familie

Es liegt auch in seiner Hand: Schindler ist neben seinem Job bei Google als Investor unterwegs. Sein "June Fund" sitzt in Berlin. Privat lebt er aber seit einigen Jahren in den USA.

Seine Familie erlebt dort einen digitalen Kontrast, den es bei Silicon-Valley-Spitzenkräften häufig gibt: In der Grundschule lernen die Kinder programmieren, "das ist im Valley generell üblich", sagt Schindler, "und die Kinder lieben es." Zu Hause darf der Nachwuchs unter der Woche allerdings nicht an Tablet oder Smartphone spielen. Das verriet Schindler kürzlich auf der Marketing-Messe Dmexco.

Die Technik beherrschen, sich nicht von ihr ablenken lassen: Einen ähnlichen paradoxen Umgang mit dem eigenen Medium pflegt man auch im Haus des Facebook-Gründers Zuckerberg. Und einen qualifizierten Programmier-Unterricht, am besten schon im Kindergarten, forderte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter zuletzt gegenüber Edison. Damit auch in Europa jemand etwas mit den Daten der Welt von morgen anfangen kann.

Das komplette Interview mit Philipp Schindler lesen Sie bei den Kollegen vom Handelsblatt.

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