Framo: Die LKW-Elektrifizierer aus Sachsen

Framo: Die LKW-Elektrifizierer aus Sachsen

Durch Bayern rollen derzeit umgebaute Elektro-Lastwagen, die nicht etwa von Tesla sind, sondern von einer 90 Jahre alten deutschen Traditions-Marke.

E-Mobilität | Von Angela Schmid

Dass Elon Musk mit seinem coolen Elektro-LKW die Welt verändern will, interessiert bei der Scherm-Gruppe nicht so wirklich. Denn die Münchner sind so, wie Münchner eben sind: pragmatisch. Während Musk eine riesige Show um den silbernen Laster macht, hat der Systemdienstleister aus Karlsfeld bei München gerade einen zweiten elektrischen LKW gekauft. Allerdings nicht aus Kalifornien, sondern aus Sachsen. 

Seit März 2017 rüstet "Framo" Diesel-LKW auf elektrische Antriebe um. Framo? Der Name dürfte manchem Auto-Freund etwas sagen: In den 20er-Jahren stellte das sächsische Unternehmen kleine Transporter her, erst in den 50ern ging die Marke im Volkseigenen Betrieb Barkas auf. Der Nachfolgebetriebs des Nachfolgebetriebs ist zwar Volkswagen, die Marke aber hat sich der Ingenieur Andy Illgen gesichert, der Framo nun ins 21. Jahrhundert lotst.

Die Herausforderung: Framo fertig nicht mehr in Serie - das treibt den Preis. "Der elektrische Laster kostet drei mal so viel wie ein Diesel-Lkw", verrät Maximilian Roos, Sprecher der Scherm-Gruppe. Der 40-Tonner mit 64 km/h Spitzengeschwindigkeit hat eine Reichweite von 160 Kilometern. Genug, um Waren zwischen Scherms Logistik-Zentrum in Karlsfeld und dem BMW-Werk hin- und herzutransportieren. Der Framo E-Lkw stelle die nächste Generation der schweren Elektromobilität dar, so der Geschäftsführer Kurt Scherm. "Wir können schneller fahren und weitere Strecken zurücklegen."

Aufladen nach Feierabend

Vor zwei Jahren testete Scherm zum ersten Mal einen E-Laster. Der kam damals nicht aus Sachsen sondern vom niederländischen Hersteller Terberg.  "Die Erfahrungen sind positiv", erzählt Roos. Die Reichweite ist groß genug. An der Ampel kommt der 40-Tonner schneller als ein Diesel in Fahrt. Und vor allem im Stadtverkehr profitiert der LKW vom Stop-and-go-System und damit von der Rekuperation, über die der Akku immer wieder leicht aufgeladen wird.

Auch im Sommer bei Hitze haben die Batterien nicht schlapp gemacht. "Vom Energieverbrauch her ist der LKW sehr gut", so Roos. Geladen wird nach Feierabend ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen. Zweieinhalb Stunden reichen dafür aus. Seitdem Scherm die E-Laster einsetzt hat er auf seiner täglichen Route rund 48 Tonnen CO2 eingespart.

Gerade für den Stadt-Verkehr sind Elektro-Laster ideal. Kurze Strecken können sie problemlos zurücklegen und durch den alternativen Antrieb sind sie CO2-frei, leise und nahezu ohne Feinstaubbelastung für die Umwelt unterwegs. Knapp drei Millionen LKW fahren auf Deutschlands Straßen. Doch nur eine Handvoll von ihnen hat einen Batterieantrieb, denn für weite Strecken reicht die Leistung oft nicht. Hinzu kommen die höheren Kosten. "Wir sind noch in einem frühen Stadium", sagt Roos. Ein Massenmarkt für die E-Trucks ist noch in weiter Ferne.

Doch es gibt Fortschritte. Denn auch im Truck-Land Amerika ist Elektrisierung zum Thema geworden. Daimler schaffte es dort als Erster, einen in Serie gefertigten E-Lastwagen auf die Straße zu bringen. 100 Kilometer weit kommt Daimlers eCanter, ab 2019 soll er in Großserie gehen.

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